Die grünen-nahe Heinrich-Böll-Stiftung veröffentlicht eine Liste mit Anti-Feministen

"Ich befinde mich bis auf Frau Petry in guter Gesellschaft", sagt die Psychologin Ursula Kodjoe, die auf der Liste steht.

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Juli 27 2017, 2:45pm

Collage bestehend aus: Pixabay und Pixabay

Es ist eine Art feministisches Wikipedia: das Onlinelexikon Agent*in (Anti-Gender-Networks Information). Hier gibt es Infos zu Maskulinismus und feminismuskritischen Blogs. Es ist aber auch eine Bäh-Liste für Menschen und Organisationen, deren kleinster gemeinsamer Nenner traditionelle Geschlechterrollen sind. Darunter sind Kirchenvertreter, AfDler und Männeraktivisten. Soweit, so erwartbar. Man könnte aber auch sagen: soweit, so unfein und undifferenziert.

Denn: Das erinnert an linke und rechte Aktivisten, die sich mit "Feindes-Namenslisten" in der Öffentlichkeit gegenseitig an den Pranger stellen. So kritisiert die taz zum Beispiel: "Sich für Feminismus, Gleichstellungspolitik und sexuelle Selbstbestimmung einzusetzen ist notwendig. Doch wer dabei Strategien der gegnerischen Seite übernimmt, macht es rechten Kritikern zu leicht."

Außerdem stehen auf der Liste Menschen mit völlig verschiedenen Ansichten. Etwa der Kolumnist des ZEITmagazins Harald Martenstein gemeinsam mit der fundamentalchristlichen Abtreibungsgegnerin Anette Schultner von der AfD. Wer genau nach welchen Kriterien die 177 Personen gelistet hat, ist nicht klar. Nur das: Laut Webseite handelt es sich um "Wissenschaftler*innen, Aktivist*innen und/oder Bildungsarbeitende, die mit Themen rund um Antifeminismus befasst sind." Um die Autoren vor antifeministischen Angriffen zu schützen, heißt es weiter, würden sie nicht mit Klarnamen genannt. Entstanden ist das Portal in Zusammenarbeit von Heinrich-Böll-Stiftung, Gunda-Werner-Institut und der Rosa-Luxemburg-Stiftung.


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Die Geschlechterforscherin Mara Kastein von der Universität Frankfurt findet diese Liste legitim: "Sie denunziert niemanden, sondern stellt zusammen, was sowieso schon öffentlich zugänglich war", sagt sie. "Es geht hier um das Ziel, über Anti-Feminismus aufzuklären, Verbindungen und Netzwerke aufzuzeigen, die es wirklich gibt."

Eine auf dieser Liste ist die Psychologin und Familientherapeutin Ursula Kodjoe, bei Agent*in wird sie als "maskulistisch orientierte Psychologin" beschrieben. Von einem Anwalt habe sie davon erfahren, sagt sie zu VICE. Ihre Meinung zur Liste: "Ich finde das unsagbar dämlich und humorlos, das ist getrieben von etwas, mit dem ich als Psychologin ständig zu tun habe: Ausgrenzung." Ihre Zeit wolle sie nicht damit verschwenden, gegen den Eintrag vorzugehen: "Auf Deutsch gesagt ist es mir scheißegal, dass ich auf der Liste stehe. Bis auf Frau Petry befinde ich mich hier doch in wunderbarer Gesellschaft."

Was das Portal klarmacht: Es gibt Leute, die sich über Blogs, Institutionen und Veranstaltungen kennen. Auch Psychologin Kodjoe weiß, mit wem sie auf der Liste steht. Das weiß jetzt auch die Öffentlichkeit. Den Unterschied zwischen Hardlinern und "heteronormativen" Journalisten, wie die Seite Martenstein nennt, müssen die Leser dann selbst erkennen. Sicher ist: Das Problem Anti-Feminismus bekommt hier eine Plattform. Vielleicht nicht auf die feinste, aber sicherlich auch nicht wirklich auf denunziatorische Art.

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