Australien

Drei Typen erklären, wie und warum sie Katzen töten

Katzen sind die wohl größte Bedrohung für die australische Tierwelt. Wir haben mit Umweltschützern gesprochen, die die Sache selbst in die Hand nehmen.

von Nat Kassel
06 Juli 2017, 9:03am

Eigentlich sind sie das Konsenshaustier schlechthin. Nein, nicht unbedingt jeder mag sie, aber abgesehen von ernstzunehmenden Allergien hegt kaum jemand eine ernsthafte Aversion gegen Katzen. Und warum sollte man auch? Selbst das ästhetische "Problem" mit ihrem für alle sichtbar präsentierten Anus wurde gelöst. OK, sie hinterlassen ÜBERALL ihre Haare, missbrauchen geliebte Möbel als Kratzbäume und kotzen gerne auf den guten Teppich. Ja, warum muss es eigentlich der Teppich sein? Egal. Abgesehen davon machen Katzen eigentlich nur ihr Ding – vornehmlich schlafen und in lustigen Internetvideos auftreten. Bei all dem vergessen wir allerdings gerne, dass Katzen gerissene Räuber sind.

Gerade das ist in Australien aber ein großes Problem. Katzen gibt es in "Down Under" nämlich erst seit dem 17. und 18. Jahrhundert und die heimische Fauna und Flora hatte dementsprechend wenig Gelegenheit sich den Raubtieren anzupassen. "Sie sind Tsunamis aus Gewalt und Tod für Australiens heimische Arten", hatte der ehemalige australische Umweltminister Greg Hunt sogar über streunende Katzen gesagt. Und tatsächlich sind sie maßgeblich mitschuldig am Aussterben von 20 australischen Tierarten wie dem Wüsten-Langnasenbeutler und dem Mondnagelkänguru. Nach der Kaninchen- und der Fuchsplage hat die australische Regierung nun Katzen zur Plage erklärt und angekündigt, bis 2020 zwei Millionen Tiere töten zu wollen.


Auch VICE: Die großen Katzen des Persischen Golfs


Der Plan rief natürlich sofort den Protest prominenter Tierfreunde wie Morrissey und Brigitte Bardot auf den Plan, während sich am anderen Ende des Spektrums ein paar übereifrige Umweltschützer sammeln, die es kaum abwarten können, endlich loszulegen.

Wir haben mit drei Männern gesprochen, die aus unterschiedlichen Gründen nicht auf die Katzenkiller der Regierung warten wollen, sondern die Sache lieber selbst in die Hand nehmen. Sie leben in verschiedenen Teilen des Kontinents und haben – unter der Bedingung anonym zu bleiben – eingewilligt, ihre Katzentötungspraktiken mit uns zu teilen. Und auch wenn sie sich alle den Schutz der heimischen Tierwelt auf die Fahne geschrieben haben, weichen ihre Geschichten und Begründungen durchaus voneinander ab. Hier erklären sie, warum sie Katzen töten.

Lewis, Arbeiter und Vogelbeobachter

Eine verwilderte Katze mit einem Rosakakadu. Foto: Mark Marathon | Wikimedia Commons | CC BY-SA 4.0

Als ich 10 war, bin ich hinter unser Haus gelaufen und habe dort meinen Vater entdeckt, der gerade eine Katze ertränkte. Ich wusste damals schon, dass er Katzen bei uns im Garten in Käfigen fängt. Das war aber das erste Mal, dass ich sah, wie er einen dieser Käfig in einer Mülltonne voller Wasser versenkte. Ich fragte ihn, was er macht, und er erklärte mir sofort, was er mit den Katzen macht und warum. Ertränken sei die humanste Art, sagte er. Ich hatte vorher schon einen Vogel als Haustier gehabt, ein kleines Rosenköpfchen, das die Nachbarskatze getötet hatte. Irgendwie verstand ich meinen Vater also schon.

Mit 14 fing ich dann selbst an, Vögel zu beobachten. Mein Vater führte im Auftrag der Nationalparks Studien zu Zugvögeln durch und ich begleitete ihn dabei. Es wurde schnell zu einer regelrechten Sucht, die verschiedenen Vogelarten zu identifizieren, und ich begann damit, Monatslisten mit all den von mir gesehenen Arten zu führen. Jetzt bin ich 29 und immer noch ein begeisterter Vogelbeobachter.

Du machst den Deckel zu, damit du der Katze nicht beim Ertrinken zugucken musst – du bist schließlich kein Sadist oder so.

Ich dürfte 14 gewesen sein, als ich damit angefangen habe, selbst hier und da ein paar Katzen umzubringen. Man fängt das Tier ein, lässt den Käfig in die Tonne hinab, schließt den Deckel, wartet zehn Minuten, holt die Katze wieder raus, packt sie in einen schwarzen Plastiksack und tut ihn in den Müll. Du machst den Deckel zu, damit du der Katze nicht beim Ertrinken zugucken musst – du bist schließlich kein Sadist oder so. Du lässt sie einfach in die Dunkelheit hinunter und wartest ein bisschen.

In dem ersten Haus, in dem wir gelebt haben, haben mein Vater und ich wahrscheinlich zehn Katzen umgebracht. Die gehörten größtenteils den Nachbarn, aber niemand hat jemals etwas gesagt. Das Umbringen in der Wassertonne ist definitiv die sauberste Art und zieht nicht zu viel Aufmerksamkeit auf sich. Du willst schließlich nicht, dass die Katze schreit – vor allem nicht, wenn du nicht genau weißt, was du da eigentlich machst. Du willst auch nicht irgendeine Sauerei aufräumen müssen. Du willst es einfach schnell hinter dich bringen und den toten Körper loswerden.

Es ist nicht so, dass ich dabei total gefühllos bin. Es ist alles andere als schön, so was zu machen. Ich habe es ewig für mich behalten und nur den engsten Freunden erzählt. Es ist nichts, für das man bekannt sein will.

Die Leute halten dich für ein Monster – wie einen Serienkiller, der mit Tieren anfängt und dann zu Menschen übergeht.

Es klingt alles ziemlich barbarisch, aber in meinen Augen kümmern sich die Besitzer einfach nicht genug um ihre Katzen, um sie nachts in ihren Häusern zu halten. Die Tiere ziehen dann los und begeben sich auf Beutezüge. Die Leute halten dich für ein Monster – wie einen Serienkiller, der mit Tieren anfängt und dann zu Menschen übergeht. Aber so ist das nicht. Wenn die Katzen nachts draußen rumlaufen, ziehen sich die Besitzer aus der Verantwortung und irgendjemand muss sich ja darum kümmern. Die Katze könnte ja genau so gut von einem Auto überfahren werden und dann wären die Konsequenzen die gleichen. So sehe ich das. Ich mache einfach nur das, was auch das Tierheim machen würde.

Steve, Wildtierpfleger und Vogelbeobachter

Foto: Brisbane City Council | Wikimedia Commons | CC BY 2.0

Ich war 14, als ich meine erste Katze getötet habe. Alles fing damit an, dass ich mich schon in jungen Jahren für Vögel interessiert habe. Diese Leidenschaft hat mich dann auch mein ganzes Leben lang begleitet. Je älter ich wurde, desto mehr habe ich mich für den Vogelschutz eingesetzt. Ich bin jetzt 66, aber bereits als Teenager habe ich gesehen, welchen verheerenden Einfluss Katzen auf die heimische Tierwelt haben.

Ich habe mehr als 25 Jahre freiwillig als Wildtierpfleger gearbeitet und in der gesamten Zeit habe ich keinen Vogel und kein Reptil gesehen, die den Angriff einer Katze überlebt haben. Teilweise kümmerte ich mich um etwa 100 einheimische Tiere im Monat. Und leider bedeutet Pflege zu einem Großteil auch, die Tiere von ihrem Leid zu erlösen.

In vielen Fällen würde ich es bevorzugen, aggressiv gegen die Halter vorzugehen.

Ich habe keine Bedenken dabei, verwilderte Katzen so human wie möglich zu töten, allerdings finde ich es schwierig, zwischen verwilderten und Hauskatzen zu unterscheiden. Ich habe wirklich keinen Spaß daran, aber bei jeder getöteten Katze denke ich einfach an die ganzen heimischen Tiere, die ich damit potentiell gerettet habe. Und in vielen Fällen würde ich es bevorzugen, aggressiv gegen die Halter vorzugehen.

Ich führe kein Buch darüber, wie viele Katzen ich schon getötet habe. In den 80ern bin ich allerdings durch ganz Australien gereist und jeden Abend sind Katzen beim Camp aufgetaucht. Gerade in den Wüstengebieten gab es besonderes viele wildlebende Tiere. In einer Nacht habe ich sieben erschossen, ohne überhaupt das Lagerfeuer zu verlassen.

Köder sind auch eine schwierige Sache, weil heimische Arten darauf anspringen können. Es ist zwar besser als nichts, aber es kommt definitiv zu Kollateralschäden.

Ich habe immer eine Pistole dafür verwendet. Das kann ich aber nicht jedem empfehlen, weil die meisten Menschen keine guten Schützen sind. Köder sind auch eine schwierige Sache, weil heimische Arten darauf anspringen können. Es ist zwar besser als nichts, aber es kommt definitiv zu Kollateralschäden.

Ich kenne Leute, die Katzen ertränken, und ich kenne Leute, die Katzen mit dem Auspuff ihres Autos vergasen. Das geht schneller, als sie unnötig leiden zu lassen. Man muss einfach die humanste Methode wählen, die man gerade zur Verfügung hat.

Ich bin für das Vorhaben der Regierung und für härtere Gesetze gegen unverantwortliche Tierhalter. Menschen, die Katzen töten, können für Tierquälerei belangt werden, wohingegen Besitzer von Katzen, die diverse heimische Arten töten, kaum belangt werden können. Ich besitze keine Waffe mehr und ich töte aktuell keine Katzen. Ich will nicht mit der Katzenlobby in Streit geraten. Also gut, das passiert sowieso, aber ich will sie nicht unnötig wütend machen.

Terry, Handwerker und Entenbesitzer

Und noch eine streunende Katze | Foto: NottsExMiner | Flickr | CC BY-SA 2.0

Ich habe nur einmal eine Katze getötet. Alles fing damit an, dass ich mir zwei Laufentenküken gekauft habe. Die waren total tollpatschig und harmlos. Sie lebten etwa zwei Monate mit uns im Haus, bis sie groß genug waren, um nach draußen zu gehen. Ich habe sie aufgezogen, als wären sie meine Kinder. Und während ich ihnen dabei zuschaute, wie sie heranwuchsen und tapsig durch den Garten stolperten, bemerkte ich langsam, wie viele Katzen in unserer Straße leben und wie oft sie um meinen Garten herumschleichen.

Ich baute ein großes Gehege für die Enten und schloss sie nachts ein. Eines Abends, als ich sie in den Käfig sperren wollte, bemerkte ich allerdings eine Katze, die schon drinnen auf sie wartete. Das war der Tag, an dem ich mir im Internet eine Falle bestellt habe. Ich hatte keine Ahnung, wie man Katzen fängt oder tötet, also kaufte ich eine Opossum-Falle und stellte sie direkt neben dem Haus auf. Ich wärmte eine Dose Sardinen in der Mikrowelle auf, stellte sie in die Falle und platzierte den Käfig direkt vor meinem Fenster. Ich wollte schließlich auch der Erste sein, der es hört.

Am Ende habe ich einfach nur gewartet, bis keine Luftbläschen mehr aufstiegen.

Bei Einbruch der Nacht hörte ich die Falle zuschnappen, gefolgt von einem Fauchen und Miauen. Als ich vor die Tür ging, bemerkte ich ein paar Menschen mit Taschenlampen auf der Straße. Ich hörte, wie sie nach der Katze riefen. Sie hatte eine violettes Halsband mit Glocke um. In dem Moment kam ich zu dem Schluss, dass jetzt sowieso schon alles zu spät war, und so nahm ich sie mit zu dem Kanal hinter meinem Haus. Ich dachte, ertränken sei die friedlichste Art, sie gehen zu lassen. Also warf ich die Falle in den Kanal.

Es war ein schon bisschen krass. Ich hatte bis dahin noch nie ein Tier getötet und wusste nicht, wie lange sie unten bleiben musste. Am Ende habe ich einfach nur gewartet, bis keine Luftbläschen mehr aufstiegen. Als ich den Käfig wieder rauszog, war die Katze tot, komplett reglos. Ich buddelte ein Loch und beerdigte sie.

Es war definitiv ein komisches Gefühl zu wissen, dass ich ein Tier umgebracht hatte. Seine aufgerissenen, mitleidslosen Augen vergesse ich jedenfalls nicht so schnell. Spaß hat es definitiv nicht gemacht. Ich hatte wohl so etwas wie einen Adrenalinschub, aber das war mehr aus Angst, erwischt zu werden. Im Vorfeld war ich deswegen schon etwas aufgeregt. Ein bisschen wie beim Jagen, wenn man Köder auslegt und Fallen aufstellt. Diese Endgültigkeit des tatsächlichen Tötens ist dann aber etwas ganz anderes.

Mein ursprünglicher Plan war es gewesen, mich auf die gleiche Art um alle Nachbarskatzen zu kümmern.

Mein ursprünglicher Plan war es gewesen, mich auf die gleiche Art um alle Nachbarskatzen zu kümmern. Bald ging aber schon ein Flyer zu der vermissten Katze rum. Die Mädels, mit denen ich zusammenlebte, fanden schnell heraus, dass ich diese Katze, ein geliebtes Haustier, ermordet hatte. Sie waren nicht gerade begeistert. Am Ende war es mir wichtiger, mein Verhältnis zu ihnen nicht unnötig zu strapazieren, als die Gegend vor Katzen zu bereinigen.

Ich bin ein relativ normaler Mensch. Ich trage nicht viel Wut, geschweige denn Bösartigkeit, in mir. Ich trauerte sogar etwas um die Katze. Sie tat mir leid. Allerdings war das etwas, das ich meiner Meinung nach hatte tun müssen, um die Enten zu schützen. Wenn ich noch einmal vor der Wahl stehen würde, ich würde es wahrscheinlich wieder tun. Ich gehöre anscheinend zu den Menschen, die einen Mörder ermorden, wenn es um etwas geht, das ihnen wirklich wichtig ist.

Die Enten fingen schließlich an, den Kanal hinter dem Haus zu bewohnen. Sie kommen zwischendurch noch zum Essen vorbei, aber insgesamt sind sie selbstständig. Ich habe sie gehen lassen und wenn ich mich nicht täusche, haben sie schon zu brüten begonnen.

Folge VICE auf Facebook, Instagram und Snapchat.

Tagged:
entertainment
Töten
Katzen
Tiere
Umweltschutz
jagen
vogel
Bedrohte Tierarten
Wildtiere
Streuner
Raubtiere