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Warum deine Brüste kurz vor deinen Tagen wehtun

Sind mörderische Unterleibskrämpfe und jede Menge Blut nicht genug? Ein Endokrinologe erklärt, was hilft.

von Sirin Kale
16 März 2017, 9:39am

Photo by Susana Ramírez via Stocksy

Eine kleine Geschichte aus meinem Leben: Jeden Monat, kurz bevor ich meine Tage bekomme, quäle ich mich mitten in der Nacht aus dem Bett und stopfe meine Brüste in einen meiner zuverlässigsten BHs, den ich schon trage, seit 14 bin. Denn ja, meine Oberweite hat sich seitdem nicht sonderlich verändert. Warum ich das tue? Weil sie so empfindlich werden, dass es richtig weh tut.

Ich scheine nicht die Einzige zu sein, der es so geht. Wenn man sich im Netz durch Gesundheitsforen klickt, stößt man auf unzählige Frauen, die klagen, dass ihre Brüste kurz vor ihren Tagen unglaublich sensibel werden. "Es fühlt sich an, als würden sämtliche Nerven gleichzeitig laut schreien – das zieht sich fast bis unter die Achseln. Ich habe schon Angst meinen BH nachts auszuziehen, weil es so sehr wehtut", schreibt eine Frau.

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Die meisten Frauen wissen, wie es sich anfühlt, wenn die Brüste kurz vor den Tagen schmerzen. Aber gibt es Grund zur Beunruhigung? "Ich würde sagen, dass das ein sehr natürliches und weit verbreitetes Phänomen ist", sagt Dr. Channa Jayasena von der englischen Gesellschaft für Endokrinologie. Verantwortlich dafür ist die weibliche Hormonausschüttung.

Im Gegensatz zu Männern, bei denen das Sexualhormon Testosteron die ganze Zeit über ausgeschüttet wird, verläuft die Hormonausschüttung bei Frauen nach einem streng regulierten Muster, das nach dem menstruellen Zyklus abläuft. In der ersten Hälfte des Zyklus, erklärt der Experte, wird Östrogen ausgeschüttet. Das stimuliert das Wachstum des Brustgewebes und insbesondere der Milchgänge (in denen die Milch produziert wird). In der zweiten Hälfte des Zyklus schüttet der Körper dann ein Hormon namens Progesteron aus, welches die Milchproduktion in der Brust anregt (wobei noch weitere Hormone nötig sind, damit sich tatsächlich Milch bildet).

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"Beide Hormone haben eine unterschiedliche Wirkung auf die Brust", erklärt Dr. Jayasena, "und weil sich die hormonelle Zusammensetzung alle paar Wochen ändert, verändert sich mit dem Zyklus auch, wie sich die Brust anfühlt".

Ich frage ihn, warum meine Brüste dann erst in der letzten Zeit so unerträglich sensibel geworden sind. Schließlich hätte ich vor fünf Jahren ohne BH Seil springen können, ohne auch nur mit der Wimper zu zucken.

"Es gibt noch viele offene Fragen", antwortet Dr. Jayasena. "Frauen reagieren ganz unterschiedlich auf Hormone. Außerdem hat alles im Leben – sei es das Körpergewicht, das Alter oder Stress – Einfluss auf unsere Hormone und die Symptome, die wir haben." Im Grunde beeinflussen also sowohl Gewichtsveränderungen als auch die allgemeine Gesundheit und der Zahn der Zeit, wie sich unsere Brüste anfühlen.

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Die Lösung? "Ein gut sitzender, stützender BH und Schmerzmittel", sagt der Experte. In schwerwiegenderen Fällen kann man auch darüber nachdenken, die Pille zu nehmen, um den Hormonhaushalt zu regulieren. "Dadurch erreicht man in vielen Fällen eine kurzfristige Besserung, bis sich alles wieder eingependelt hat", sagt er. Wenn sich die Farbe deiner Nippel verändert, sich Knötchen oder ein bräunliches Sekret bilden, solltest du hingegen so schnell wie möglich zum Arzt. Vor allem, wenn nur eine Brust betroffen ist.

Zum Schluss noch eine ganz persönliche Empfehlung: Schlaf mit einem BH, der dir nirgendwo einschneidet. Das ist das Beste, was man tun kann.


Foto: piepie | Pixabay | CC0