Der Attentäter von Las Vegas überwies vor dem Massaker 100.000 Dollar

Laut Aussagen seines Bruders war Stephen Paddock Multimillionär. Kurz vor der Tat überwies er eine große Summe in die Philippinen, wo seine Freundin sich gerade aufhielt.

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04 Oktober 2017, 11:10am

Das Haus von Stephen Paddock | Foto: Imago | UPI Photo

Bevor er am 1. Oktober in Las Vegas mutmaßlich Massenmord an 59 Menschen beging und dabei 527 weitere verletzt wurden, soll Stephen Paddock 100.000 Dollar in die Philippinen überwiesen haben. Dies ist das Heimatland seiner Partnerin, wie NBC News berichtet.

Noch ist unklar, ob das Geld für Paddocks vermutliche Freundin Marilou Danley bestimmt war. Sie befand sich zum Zeitpunkt der Schießerei in den Philippinen. Paddock überwies die große Geldsumme in der Woche vor der Attacke, nachdem Danley in dem Land eingetroffen war. Das FBI und Interpol haben sie inzwischen zurück in die Staaten geholt, um sie zu befragen. Aktuell gilt sie als "Person of Interest", aber nicht als Verdächtige.

Berichten zufolge datete Danley Paddock seit Anfang 2017 und wohnte mit ihm in Mesquite, Nevada, zusammen. Mesquite befindet sich etwa eine Autostunde von Las Vegas entfernt. Als Polizeibeamte Paddock in seinem Zimmer in der 32. Etage des Hotels Mandalay Bay tot auffanden, hatte er laut NBC ein persönliches Dokument von Danley bei sich.

Paddocks Bruder Eric sagte gegenüber NBC, er vermute, das Geld sei für Danley bestimmt gewesen. Sein Bruder könne "sie manipuliert haben, sodass sie weit weg war und Geld hatte".

"Man kann Steve vorwerfen, dass er ein Spieler war, aber er hat sich um seine Liebsten gekümmert. Er hat mich und meine Familie wohlhabend gemacht", sagte Eric Paddock. "Während er immer weiter in die Hölle abrutschte, wollte er sich noch um sie kümmern." In diversen Interviews hat Eric Paddock seinen Bruder als wohlhabenden Mann und "Multimillionär" beschrieben, der aus Spaß in den Casinos von Las Vegas spielte. Die beiden Brüder hatten in der Vergangenheit zusammen eine Immobilienfirma.

Die Geldüberweisung ist nur eines der Details, die inzwischen über den mutmaßlichen Massenmörder an die Öffentlichkeit gelangt sind. Ermittler haben bekanntgegeben, dass sie 47 Feuerwaffen an drei verschiedenen Orten sichergestellt haben. Allein in dem Hotelzimmer, aus dem Paddock mutmaßlich feuerte, befanden sich 23 Waffen und eine große Menge Munition. Darunter waren Gewehre der Typen AR-17 und AK-47, außerdem hatte Paddock 12 Feuerwaffen mit sogenannten "bump stock"-Vorrichtungen ausgestattet. Damit kann eine halbautomatische Waffe, bei der für jeden Schuss der Abzug betätigt werden muss, in eine schnell feuernde Automatikwaffe umgerüstet werden. Diese Vorrichtungen sind in den USA bisher legal erhältlich. Sie verringern die Treffsicherheit, doch Paddock feuerte in eine Menge von 20.000 bis 30.000 Menschen, weswegen Genauigkeit wohl kaum sein Hauptaugenmerk war. Zwei der Gewehre sollen außerdem mit einem mechanischen Hebel auf schnelleres Feuer umgerüstet gewesen sein. Der Täter schoss laut Ermittlern zwischen neun und elf Minuten lang in die Menschenmenge, wie der Guardian berichtet.

Paddock war Berichten zufolge zum letzten Mal vor 30 Jahren fest angestellt und hatte keine Vorstrafen. Auch wenn er Nachbarn kaum auffiel und seine Angehörigen von keinen extremen politischen oder religiösen Ansichten wissen, zeichnet sich eine ungewöhnliche Biografie ab. Sein Bruder Bruce hat den Medien mitgeteilt, dass Paddocks Vater der berüchtigte Bankräuber Patrick Benjamin Paddock war. In den 1960ern raubte Patrick Paddock mutmaßlich mindestens drei Banken aus, wie Newsweek berichtet. Er bekam 20 Jahre in einem texanischen Gefängnis, brach aber 1968 aus. Ein paar Monate später soll er eine weitere Bank in San Francisco ausgeraubt haben, bevor er von der Bildfläche verschwand. Das FBI nahm ihn in seine Liste der zehn meistgesuchten Verbrecher der USA auf. Diversen Berichten zufolge wurde er 1978 in Oregon verhaftet und starb 1998.

Das Fahndungsplakat von 1969 beschreibt Paddock Senior als "diagnostizierten Psychopathen", einen Verbrecher "mit suizidalen Tendenzen". Die von J. Edgar Hoover persönlich unterzeichnete Mitteilung warnt außerdem, man müsse davon ausgehen, dass Paddock "bewaffnet und sehr gefährlich" sei.

Im Interview mit NBC News sagte Bruce Paddock, dass sein Bruder Stephen Paddock im Gegensatz zum berüchtigten Vater ein "gesetzestreuer" Mann gewesen sei, "der nie etwas Gewalttätiges tat".

Zusätzlich zu dem Waffenarsenal, das Paddock über mehrere Tage in das Hotelzimmer im Mandalay Bay brachte, fanden die Ermittler laut dem Sheriff von Clark County, Joseph Lombardo, mehrere Pfund Ammoniumnitrat in seinem Auto und die Chemikalie Tannerite in seinem Haus. Dies sind Schlüsselzutaten für Sprengstoffe. In und um das Hotelzimmer, das er für die Tat nutzte, hatte er Kameras aufgebaut, vermutlich, um seine Umgebung besser im Auge zu behalten.

Das Motiv für den Massenmord bleibt unklar. Die Terrororganisation Islamischer Staat hat versucht, Verantwortung für das Verbrechen zu übernehmen, doch laut FBI gibt es keinerlei Beweise für Kontakt zwischen Paddock und einer terroristischen Vereinigung. Sheriff Lombardo sagte allerdings, der Täter habe seine Tat eingehend geplant und "könnte versteckt radikalisiert worden sein", man ermittle also auch dahingehend weiter.

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