Film

Ein Männerrechtler hat alle Frauen aus 'Star Wars: Die letzten Jedi' rausgeschnitten

Das Ergebnis: eine lahme, homoerotische Fanfiction. Nur ohne Sex.
19.1.18
Kylo Ren (Adam Driver) in einer Szene, die ebenfalls aus der Männerrechtler-Version geschnitten wurde | Foto: 2017 Lucasfilm Ltd

Ich muss etwas beichten: Ich bin mal während eines Star Wars-Films eingeschlafen. Zu meiner Verteidigung kann ich allerdings sagen, dass es der mit Jar Jar Binks war. Trotzdem war mein erster Gedanke, als ich von einem Männerrechtler hörte, der eine “entweiblichte” Version des aktuellsten Star Wars zusammengeschnitten hat: “Wow, diesen Scheiß muss ich mir auf jeden Fall angucken!”

Laut dem Online-Portal Pedestrian, hat ein anonymer User The Last Jedi: De-Feminized Fanedit (a.k.a. The Chauvinist Cut) am Sonntag bei der Torrent-Seite Pirate Bay hochgeladen. " Die letzten Jedi ohne Frauenpower und den ganzen anderen Quatsch", beschreibt der Hobby-Cutter sein Werk. "Es wäre wohl einfacher, anstelle der Veränderungen alle Dinge aufzulisten, die dringeblieben sind. Ich musste fast jede Szene schneiden. Das Ergebnis ist 46 Minuten lang."

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Die letzten Jedi ohne Frauen ist also ein Film, der kürzer und langweiliger ist als eine durchschnittliche Game of Thrones-Folge. "Ich weiß, es könnte besser sein", fährt der Möchtegern-George Lucas fort, um zu rechtfertigen, nur eine schlechte Raubkopie als Ausgangsmaterial genommen zu haben. "Irgendjemand musste es aber tun. Wahrscheinlich kommt der Film am besten, wenn man ihn nicht als Blockbuster, sondern als Teil einer nichtexistenten, mittelmäßigen Star Wars-Reihe ansieht." Immerhin könne man Die letzten Jedi nun anschauen, ohne dass einem wegen der ganzen schlechten Entscheidungen der Produzenten übel werde.

Ich war nicht die einzige Person, die Zweifel hatte. Andere Pirate Bay-User hielten sich in ihren Kommentaren auch nicht unbedingt zurück. “Warum einen großartigen Film auf 46 Minuten zusammenkürzen? Bist du verrückt?", schrieb einer. Ein anderer ergänzte: "Nur gezogen, um zu schauen, wie schlecht das Ganze ist. Der OP braucht Hilfe."


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Trotzdem wollte ich mir ein eigenes Bild machen und habe mir The Chauvinist Cut heruntergeladen? Und ich sage es mal so: So wenig Spaß hatte ich bisher nur, als ich zum ersten Mal jemandem einen runtergeholt habe. Star Wars: Die letzten Jedi im Kino zu schauen, war vergleichbar mit einem lauwarmen Bad: irgendwie ganz angenehm, geht aber auch besser. Ich verließ den Kinosaal mit einem gleichgültigen Gefühl. The Chauvinist Cut erinnerte mich hingegen an ein Videospiel, bei dem der Sound verkackt wurde und die Soldaten deswegen immer nur die gleichen Sätze wie etwa "Wir stehen unter Beschuss!" oder "Das ist ein Befehl!" rufen.

Durch den Titel und die Beschreibung könnte man meinen, dass in dem Fan-Edit absolut keine Frauen vorkommen. Das stimmt so jedoch nicht. Der Film beginnt mit General Hux (Domhnall Gleeson) im Kampf gegen den Widerstand – und es sind direkt zwei Frauen in seinem Raumschiff zu sehen. Die haben jedoch keine Namen und sagen eigentlich nur, dass sie bewaffnet und bereit seien.

Screenshot: Pirate Bay

So ähnlich geht es dann im auch im Rest von The Chauvinist Cut weiter. Frauen müssen die Klappe halten, wenn sie nicht gerade männliche Charaktere mit oberflächlichen Dialogen ins Rampenlicht rücken. Rose sind zum Beispiel nur gut drei Zeilen geblieben und der Handlungsstrang mit ihrer Schwester und auch ihr Abenteuer mit Finn wurden komplett rausgeschnitten.

"Die asiatische Braut redet weniger, macht Finn nicht das Leben schwer, Finn will nicht abhauen, sie wird nie richtig eingeführt", heißt es in der Beschreibung des Fan-Edits ganz selbstgefällig. "Sie ist einfach nur da, lächelt Finn ab und zu an oder schreit seinen Namen. Sie hat keine Schwester. Wegen ihrer abscheulichen Taten hat sie das auch verdient." Ich glaube, Roses einzige “abscheuliche Tat” ist in den Augen des Hobby-Filmemachers, dass sie ein vollwertiger Star Wars-Charakter ist – obwohl sie eine Frau ist!

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Vizeadmiralin Holdo (Laura Dern) bietet dem Piloten Poe Dameron (Oscar Isaac) im Originalfilm ganz vorzüglich die Stirn und opfert sich am Ende sogar für den Widerstand. Im Chauvinist Cut kommt sie hingegen kein einziges Mal vor. Stattdessen hat unser Möchtegern-George-Lucas sein gesamtes CGI-Können aufgebracht, um Poe in Holdos Kamikazeschiff zu bringen und ihn alles retten zu lassen.

Rose (Kelly Marie Tran) und Finn (John Boyega)| Foto: David James © 2017 Lucasfilm Ltd

In seiner Liste aller Veränderungen gibt der anonyme Cutter an, dass durch viele kleine Schnitte nicht mehr so viele Gesichtsaufnahmen von Frauen zu sehen seien: "Wenn eine Frau zum Beispiel einen wichtigen Satz sagt, der durch einen Satz eines Mannes ersetzt werden kann, dann habe ich sie rausgeschnitten. Funktioniert echt ganz gut."

Das Resultat ist ein komplett lahmarschiger Film ohne jegliche Charakterentwicklung und Humor. Ein Beispiel: Chewbacca freundet sich mit einem Porg an und verspürt dann extreme Schuldgefühle, als er eine dieser putzigen Kreaturen grillt. Der anonyme Männerrechtsaktivist findet diesen Gag jedoch unnötig. In seiner Version des Film verputzt Chewbacca den Porg einfach.

Im Chauvinist Cut geht es aber auch noch bizarrer. Rey darf beispielsweise immer noch von Luke Skywalker trainiert werden – aber nur, damit sie ihn anbetteln kann, dem Widerstand helfen zu dürfen. Sie bewegt immer noch die Felsen, um die Widerstandskämpfer zu befreien, aber ihr Kampf gegen Snokes Wachen wurde bewusst gekürzt, damit sie schwächer als Kylo-Ren erscheint. Im frauenfeindlichen Fan-Edit gibt es außerdem kaum Szenen mit Leia Organa. So soll die Anführerin "Poe kein einziges Mal beschimpfen, in Frage stellen oder herabwürdigen".

Vize-Admiralin Holdo (Laura Dern) | Foto: David James © 2017 Lucasfilm Ltd

Trotz alldem ist The Chauvinist Cut genau das, was der Film wahrscheinlich gar nicht sein soll: ein unglaublich langweiliges und verwirrendes Stück homoerotische Fanfaction.

Das wäre an sich nichts schlechtes, wäre es nicht so verdammt bieder. Alle Szenen, in denen Kylo Ren oben ohne zu sehen ist, wurden komplett rausgeschnitten. Und auch sonst reden die Männer nur miteinander, starren sich gegenseitig in die Augen und opfern sich füreinander. Irgendwann wird Finn von Hux geschnappt und kriegt eine Backpfeife. Erst durch diese zusammengeschnittene Szene ist mir aufgefallen, dass Hux wie ein maskuliner DJ aus Berlin aussieht, der ins Berghain will. Passt aber perfekt. Gleiches gilt für Snoke, den Anführer der Ersten Ordnung. Im Grunde läuft er während des gesamten Chauvinist Cuts nur in einem goldenen Umgang herum und ist von Bodyguards in rotem Latex umgeben.

Ironischerweise zeigt der Fan-Edit perfekt auf, warum Star Wars mit der Einführung von neuen Charakteren und Frauen in tragenden Rollen alles richtig gemacht hat. Die Alternative wäre nämlich nur ein schlechter Science-Fiction-Film, in dem die Jungs noch nicht mal küssen dürfen.

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