Heulsuse der Woche: Dresdener LKA-Pegizist vs. Münchner Zug-Würger

Ein Pegida-Anhänger will die Pressefreiheit beschneiden und wird zum Meme, ein anderer Mann würgt eine Bahnmitarbeiterin, weil er im falschen Zug sitzt.

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24 August 2018, 10:41am

Collage: VICE || Hand: imago | Photocase || Zug: imago | Future Image || Hutbürger-Screenshot: Facebook | Arndt Ginzel

Es ist mal wieder an der Zeit, sich über ein paar Menschen zu wundern, die mit der Welt nicht fertigwerden.

Heulsuse #1: Der LKA-Pegizist

Der Vorfall: Ein Mitarbeiter des sächsischen LKA besucht in seiner Freizeit eine Pegida-Kundgebung und stößt dabei auf ein Kamerateam des ZDF.

Die angemessene Reaktion: Weitermarschieren. Schließlich bekommen er und seine rechten Mitstreiter durch Medienbeiträge exakt das, was sie mit diesen Kundgebungen erreichen wollen – Aufmerksamkeit.

Die tatsächliche Reaktion: Das Filmteam bepöbeln und anschließend die Polizei einschalten.

Es ist ein warmer Sommertag. Die Sonne scheint, und mehrere Personen mit hässlichen Plakaten ziehen durch Dresden und skandieren laut "Lügenpresse!". Das wissen wir, weil ein Fernsehteam des ZDF die Pegida-Kundgebung gefilmt hat, die letzten Donnerstag am Rande des Besuchs von Angela Merkel in Dresden stattfand. Was die Journalisten von Frontal21 da noch nicht wussten: Den beleibten Mann mit Deutschland-Angelhut und weinroter Funktionsweste, der plötzlich auf sie zustürmt, wird eine Woche später halb Deutschland kennen.

"Hören Sie auf, mich zu filmen! Sie halten die Kamera direkt auf mich zu, Sie begehen eine Straftat!", behauptet Maik G. und kommt der Kamera immer näher. Anschließend ruft er die Polizei, die das Fernsehteam laut Journalist Arndt Ginzel 45 Minuten lang festhielt. Und das, obwohl die Beamten selbst nicht so richtig zu wissen schienen, was die Medienvertreter denn nun falsch gemacht hatten.

Dass Polizisten Journalisten festhalten, die über rechte Kundgebungen berichten wollen, ist durchaus "besorgniserregend", wie es Bundesjustizministerin Katarina Barley gegenüber der dpa formulierte. Wirklich durch die Decke ging die Geschichte allerdings erst, als bekannt wurde: Der Angelhut-Pegidist arbeitet für das sächsische LKA. Der Hashtag #pegizist trendet daraufhin auf Twitter, Maik G. wird zum Meme. Ob dem LKA-Mitarbeiter nach seiner verbalen Attacke gegen das ZDF-Team nun berufliche Konsequenzen drohen, bleibt abzuwarten.

Heulsuse #2: Zug-Würger aus Bayern

Der Vorfall: Ein Mann wird von einer Zugbegleiterin darauf hingewiesen, dass er im falschen Zug sitzt.

Die angemessene Reaktion: Sich bei der Bahn-Mitarbeiterin bedanken und eventuell fragen, welche Verbindung er stattdessen nutzen kann.

Die tatsächliche Reaktion: Die Frau würgen.

Wir möchten diesen Teil der Heulsuse mit einem Geständnis beginnen. Ja, auch wir saßen schon mal in einem Zug der Deutschen Bahn und hatten das zwingende Gefühl, irgendetwas kaputt schlagen zu müssen. Verlässliche Unpünktlichkeit, mangelhafte Informationspolitik, absurd schlechtes WLAN und das alles für nicht gerade wenig Geld – kein Wunder, dass viele nur noch mit der Deutschen Bahn fahren, wenn es gar nicht anders geht. Was ein 18-Jähriger abgezogen hat, als er feststellen musste, im falschen Zug zu sitzen, können aber selbst wir nicht nachvollziehen.

Was war passiert? Am Mittwochabend stieg ein Mann in München in einen ICE, der gerade am Gleis eingefahren war. Er wollte ins Brandenburgische Prenzlau. Das Problem: Für den eingefahrenen Zug war in München Endstation. Der Fahrgast befand sich offensichtlich in der falschen Bahn. Als ihm dies von einer Zugbegleiterin mitgeteilt wurde, rastete der 18-Jährige vollkommen aus. Er packte die Frau am Hals und würgte sie mehrmals. Die 39-Jährige sagte später aus, zeitweise keine Luft mehr bekommen zu haben.

Der 18-Jährige ließ erst von der Zugbegleiterin ab, als ihr ein Kollege zu Hilfe eilte. Anschließend wurde der Angreifer festgenommen; gegen ihn wird nun wegen gefährlicher Körperverletzung ermittelt.

Und jetzt dürft ihr abstimmen: Wer soll die Heulsuse der Woche sein?*

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