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Petra Collins und ihr Menstruations-Vagina-T-Shirt

Petra Collins hat eine sehr lustige Kontroverse ausgelöst, weil sie für American Apparel ein T-Shirt entworfen hat, das eine haarige, menstruierende, masturbierende Frau bzw. deren Vagina zeigt.


Das kontroverseste (und einzige?) Menstruations-T-Shirt der Welt. Von Petra Collins. Foto via American Apparel

Meine Freundin Petra Collins—die, gemeinsam mit ihrem (nur aus Frauen bestehenden) Künstlerkollektiv The Ardorous schon einige Fotos für uns geschossen hat—hat diese Woche eine unterhaltsame Kontroverse ausgelöst. Petra hat für American Apparel ein T-Shirt designt, das mit einfacher Strichführung eine behaarte, menstruierende, masturbierende Frau zeigt. Zumindest den wichtigsten Teil von ihr. Einige Leute, die mit weiblicher Sexualität nicht umgehen können, haben das Shirt „abscheulich“, „abstoßend“ oder „ekelhaft“ genannt und noch ein „ew wtf“ drangehängt. Über Petras Shirt, das es für 32 Euro gibt, wurde schon von Daily Mail, Huffington Post, Time und einigen anderen Blogs und Medien berichtet, die alle versuchen, diese Kontroverse „zu verstehen“.

Weil ich eine rationale und intelligente Unterhaltung über eine Zeichnung auf einem T-Shirt, von der sich ein paar verrückte Leute angegriffen fühlen, führen wollte, habe ich Petra angerufen und mit ihr darüber gesprochen.

VICE: Was denkst du über das große Medienecho, das du ausgelöst hast?
Petra Collins:
Es ist beeindruckend. Ich bin nicht überrascht. Es ist genau das, was ich wollte, weil es genau das bestätigt, was ich mit dem Shirt ausdrücken will.

Und was ist das?
Dass wir so schockiert und entsetzt über etwas sind, das etwas so Natürliches ist—und es ist komisch, dass es von all den Bildern, die wir überall sehen, all den extrem sexuellen oder schrecklich herabwürdigenden Bildern, gerade meine Zeichnung ist, die so schockiert. Und es ist nur eine Zeichnung und nicht einmal ein Foto.

Ja. Bei Grand Theft Auto V kann ich alte Menschen durch die Straßen jagen und mit Kugeln durchlöchern. Das könnte ich, wenn ich wollte, stundenlang machen, und niemanden würde es interessieren. Und dein T-Shirt ist das Schlimmste, was die Welt gesehen hat.
Ja, das Allerschlimmste.

Wie hast du reagiert, als die ersten Schlagzeilen gekommen sind?
Also, wenn du wirklich meine Reaktion wissen willst: Ich habe unglaublich gelacht. Dann habe ich meine Schwester angerufen und wir haben nur ein „Oh mein Gott“ herausgebracht. Die Reaktion macht mich einerseits schon ziemlich traurig, aber andererseits ist es auch richtig cool, dass ich die Medien getrollt habe.
Ich habe City TV ein kurzes Interview gegeben. Sie haben nur einen zweisekündigen Soundclip genommen—und ich weiß auch schon gar nicht mehr, was ich gesagt habe—, den sie dann mit Reaktionen von Menschen auf der Straße zusammengeschnitten haben. „Oh, das ist widerlich!“ und solche Aussagen. Nur ein Typ fand das Shirt super.

Ich habe gerade eine American-Apparel-Werbung auf der Website von City TV gesehen.
Die Schlagzeile, die sie verwendet haben, war: „Geht diese T-Shirt-Grafik zu weit?“ Mit diesen Nachrichtensprechern zu reden, ist das Allerbeste. Die Frau hat mit mir in ihrer Nachrichtensprecher-Stimme gesprochen und die ganze Zeit versucht, nicht „Vagina“ zu sagen. Und ich habe dann immer solche Sachen gesagt wie „Oh, das Masturbations-, Vagina- und Schamhaar-T-Shirt?“ Es ist ihr richtig schwer gefallen, das zu sagen. Vagina ist so ein skandalöses Wort

Es ist irgendwie gut und irgendwie schlecht. Die Kontroverse, die dieses Shirt ausgelöst hat, ist größer als nur Fernsehen, weil dort nicht genug Zeit ist und es nie ausgestrahlt würde. Also behandeln sie das Thema zwar, aber nur oberflächlich mit der Frage, ob diese Grafik zu weit geht. Was wollen sie damit schon sagen? Was, wenn die Grafik zu weit geht? Alle Shirts verbrennen?
Und die Tatsache, dass es eine Zeichnung ist. Ernsthaft, es ist eine ganz einfache Zeichnung, die aus wenigen Linien besteht und so simpel ist.

Wer hat sie denn eigentlich gezeichnet?
Meine gute Freundin Alice Lancaster. [Alice ist auch ein Mitglied von The Ardorous]. Wir waren uns nicht sicher, was wir wollen, haben lange hin und her überlegt. Ich wollte eine masturbierende Frau. Sie hat immer wieder gesagt: „Das ist schwer. Ich glaube, ich muss ein Foto von mir während dem Masturbieren machen, um es besser zeichnen zu können.“ Dann hat sie mich gefragt, ob ich ein Foto machen kann.

Und so hat sie es dann gezeichnet?
Ich weiß nicht, was genau passiert ist, aber wir hatten einige Schwierigkeiten. Es ist nicht einfach, ein Foto zu machen, das du dann auch abmalen kannst.

Es ist also viel Arbeit in das Zeichnen der blutenden Vagina geflossen.
Ja, es war wirklich schwer! Alice hat mir am Ende drei Zeichnungen gegeben, ich habe dann diese drei Zeichnungen genommen, sie zu einer zusammengefügt und mit Wasserfarben das Blut aufgemalt.

Trägst du das Shirt in der Öffentlichkeit?
Natürlich.

Hat den Leuten bei American Apparel das Shirt gleich gefallen, als du es ihnen gezeigt hast?
Ja, da wurde gar nichts hinterfragt. Das fand ich super.

Haben sie überhaupt eine Reaktion gezeigt?
Wir mussten uns überlegen, wie wir die Grafik auf dem T-Shirt positionieren sollten. Sonst nur ein „Cool, danke.“ Das war's.

Das ist ein toller Kontrast zu den anderen Reaktionen.
Ich bekomme auch einige verrückte Kommentare auf Instagram.

Lies mir doch ein paar der schlimmsten Aussagen von Leuten vor.
OK! Die meisten Leute, die mir folgen, wissen schon, was sie erwartet. Die sind cool und normal. Aber ein Mädchen ist völlig durchgedreht: „What the fuck? Wieso, verdammt nochmal, würde irgendjemand eine blutende, klaffende Vagina und ein Arschloch auf der Brust tragen wollen? Gibt es dafür Hipster-Punkte? Wieder einmal: Danke, American Apparel.“
Ich fürchte mich immer ein bisschen davor, dass mich Leute auf Instagram melden, weil ich mein Profil nicht verlieren will. Also muss ich viele von den Leuten blockieren. Oh, da ist noch was Gutes: „Das ist, neben ein Mädchen beim Scheißen gesehen zu haben, das Schlimmste, was ich je gesehen habe. Frauen sind die wunderbarsten Geschöpfe dieser Erde, aber manche Dinge, die sie durchmachen, will ich nicht auf einem T-Shirt sehen. Das ist einfach nur unglaublich abstoßend. Dieses Shirt auf einem schönen Körper ist ein Deal-Breaker, tut mir Leid. Aber jede Werbung ist gute Werbung, oder?“

Wieso, glaubst du, finden manche Leute Körperfunktionen so ekelhaft, dass sie zu weit gehen und andere sogar unterdrücken?
Menstruation—und auch Schambehaarung—bringt Menschen zum Durchdrehen. Schamhaare sind ja auch auf der Zeichnung zu sehen, und ich glaube, dass das schon superschockierend für manche ist, auch wenn ich das absolut nicht verstehe. Ich vergesse immer, wie engstirnig und konservativ Menschen sind.
Erwachsenen Frauen wird beigebracht, ihren postpubertären Körper zu verstecken. Wenn du in die Pubertät kommst und dir Haare wachsen, dann wird dir gesagt, dass du sie rasieren musst, weil es keiner sehen soll. Wenn du die Periode bekommst, dann ist das etwas, das du verstecken musst, keiner soll davon wissen. Es ist beinahe pädophil—und ich will dieses Wort nicht leichtfertig verwenden. Aber dieses Bild, das wir von Frauen haben, dass sie so sein müssen wie vor der Pubertät, schreibt uns vor, wie wir unseren Körper verändern müssen.


Petras künstlerische Intimbehaarung. Foto via The Ardorous

Dein T-Shirt ist also das ideale Symbol, um diese Einstellung zu bekämpfen? 
Ja. Ich war sehr inspiriert von diesen extrem hässlichen Shirts, auf denen diese Grafiken sind, die dich aussehen lassen, als hättest du riesige Busen oder so. Ich wollte das einfach übernehmen und daraus ein feministisches, realistischeres Bild machen.

Cool. Ich fand es komisch, dass sich die Leute so über die Schamhaare aufgeregt haben. Ich fand das gar nicht kontrovers.
Ich hatte das Glück, dass ich in Allyson Mitchells Feminismuskurs an der York-Universität einen Gastvortrag halten durfte [Petra ist 20 Jahre alt]. Ich habe ihnen meine Arbeiten gezeigt, diese Bilder, die nur von mir in Unterwäsche sind mit einem Multi-Image-Filter und auf beiden Seiten sieht man Schamhaare.

Ich habe nicht einmal daran gedacht, dass meine Schamhaare Menschen schockieren könnten, aber in der Klasse gab es einen Aufstand. So viele Mädchen sagten nur: „Das ist widerlich, warum musst du uns das zeigen?“ Es war wirklich interessant, dass die Studenten so reagiert haben.

Das ist interessant. Du stellst die Leute mit dem Shirt ja eigentlich bloß, weil alles, was die dazu sagen können, die sich davon angegriffen fühlen, ist: „Das ist ekelhaft.“ Aber weshalb ist es ekelhaft? Fürchten sich die Menschen vor Vaginen? Ist es das?
Ja, total. Das kommt aus der Zeit, als die Frau dem Mann untergeben war. Frauen sollen devot sein, wir sollen unsere Sexualität nicht selbst in die Hand nehmen, also denke ich, dass es einschüchternd ist, wenn eine Frau in die Pubertät kommt, ihr Körper sich verändert, sie Haare bekommt und selbst Kontrolle übernehmen kann.

Es ist auch komisch, dass Masturbation bei Frauen ganz anders ist als bei Männern. Die von Männern wird in Filmen und Kultur gefeiert. In American Pie zum Beispiel. Man redet darüber, während Frauen scheinbar gar nicht masturbieren. 

Reden wir über die 16-Städte-Tour, die du mit Tavi Gevinson vom Magazin Rookie gemacht hast, bei der ihr junge Mädchen zusammengebracht habt, um über solche Themen zu reden. Wurdest du von Fans kontaktiert—die du vielleicht auf dieser Tour kennengelernt hast—, die verstehen, was deine Intention ist?
Ja, es ist richtig cool, so viele intelligente, junge Mädchen zu sehen. Ich habe vor Kurzem einen Klub für Mädchen an meiner alten Schule gegründet, in dem Mädchen zwischen 12 und 18 zusammensitzen können, um über alles zu quatschen.

Letztes Jahr haben wir das zum ersten Mal gemacht und es sind 50 Mädchen gekommen. Das waren die zwei verrücktesten Stunden meines Lebens. Es war herzzerreißend—weil diese Mädchen über all die Dinge sprechen konnten, über die sie nie wirklich sprechen konnten, weil sie sie verstecken müssen. Ich habe sehr viel positives Feedback von diesen Mädchen bekommen und das ist toll. Das ist der Grund, weshalb ich meine Arbeit mache. Letztes Jahr ist die Mutter von einem Mädchen zu mir gekommen und hat mir erzählt, wie viel ich für ihre Tochter bedeutet habe. Wenn ich daran denke, könnte ich heulen.

Jetzt bin ich auch ganz emotional. Das ist cool. Also, was ist deine Nachricht an die Leute, die du mit deiner Arbeit beleidigt hast?
Ehrlich gesagt, wenn es euch so verrückt macht und ihr so verschlossen seid, dann solltet ihr einfach masturbieren, es wird euch gleich besser gehen—und dann denkt noch einmal darüber nach.

Macht es euch selbst und dann denkt drüber nach.
Ja, weil man dann glücklich ist—das gilt vor allem für die Mädchen, die deswegen richtig beleidigt sind. Nehmt eure Hand nach dort unten und findet es für euch selbst heraus.
 

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