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Stimming will seinen scheiß Laptop loswerden

Stimming sprach mit uns über seine Live-Sets und den Facebook-Adventskalender.
10.12.14

Stimming beschreibt seine Musik so: „Elektronische Musik klingt oft nach Dose—und ich haue gerne ein bisschen Erde in die Dose." er schafft es, zahllose Elemente zu einer runden Gesamtkomposition zu vereinen. Wie genau er das macht, hat er uns schon 2013 mit seinem Adventskalender verraten. In diesem Jahr gibt es einen Live-Set-Tipp-Kalender, für den er unter anderem Henrik Schwarz und Frank Wiedemann von Âme gewinnen konnte.

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Adventskalender sind erstmal der direkte Weg zu maximaler Enttäuschung. Niemand freut sich über die „Überraschung" in Form eines mehrfach recycelten Schokoladen-Engels. Wir haben Stimming gefragt, was das alles soll.

THUMP: Adventskalender sind ja erstmal nicht besonders spannend, wieso hast du das Format für deine Facebook-Aktion gewählt?
Also einer der Gründe ist, dass ich kein Geld an Facebook zahlen will, um mehr Fans und Reichweite zu bekommen. Ich will das stattdessen mit wertvollem Content erreichen, damit baust du auch was Substanzielles auf. Ein Vorteil an diesem Adventskalender-Format ist die festgeschriebene Form. 24 Tage, jeden Tag ein Türchen, kennt jeder. Ich nehme mir also einfach die bekannte Form, um den Leuten was zu schenken.

Wie war dein Live-Set-Start? Wer hat dir damals die Tipps gegeben? 
Der Punkt ist ja: Es gibt kein Patentrezept für Live-Sets—Ableton gehört irgendwie immer dazu, klar. Aber wie gehst du damit um? Das Programm ist ohne dein Input ja auch erst einmal dumm wie Stroh. Die richtige Anwendung rauszufinden, hat mich Jahre gekostet. Mein erstes Set war dementsprechend ein bisschen wirr, aber es lief dann schon ok, weil ich davor auch ziemlkich viel geübt hatte. Obwohl … beim ersten Set ist mein Audio-Interface abgeschmiert mit einem ziemlich fiesen Fiepton, dieser Billig-Schrott macht nur Probleme. Und das war auch meine erste Lektion: gute Audio-Interfaces kaufen.

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Gab es keine Kollegen, die dir erklärt haben, wie das zu laufen hat?
Nein, wir sind alle irgendwie ein bisschen am Rätseln. Alle sagen dir „Ich mach's jetzt gerade soundso, aber ich bin noch nicht so ganz sicher", oder: „Das hab ich mal ausprobiert, das war Schwachsinn." Wir stochern alle noch ein bisschen im Nebel rum, um herauszufinden, wo man am besten ansetzt.

Gibt es in zehn Jahren so etwas wie Klavierlehrer für Live-Sets?
Glaub ich nicht. Überleg dir mal, wie lange die Gitarre gebraucht hat, um zu dem zu werden, was sie jetzt ist—das hat Jahrhunderte gedauert. Die ganze digitale Musik ist ja noch so jung und wir werden alle erschlagen von den ganzen Möglichkeiten. Keiner hat alles richtig begriffen. Wir bräuchten eigentlich einen neuen Robert Moog, der aus dem riesigen Modularsystem einen Mini-Moog macht, der wirklich Sinn ergibt—der die digitalen Möglichkeiten einschließt, aber nicht mit nutzlosen Parametern überfrachtet.

Wie wird deine nächste persönliche Weiterentwicklung aussehen?
Ich will den Scheiß-Laptop loswerden. Ich versuche, auf den Elektron Octatrack umzusteigen. Das ist zwar ungefähr das komplizierteste Gerät, das ich bisher zwischen die Finger bekommen habe, aber ich will vom Bildschirm wegkommen. Ich habe das Gefühl, dass im grafischen Interface ein Hauptproblem beim Livespielen liegt. Die visuelle Wahrnehmung verdrängt den schwachen Hörsinn. Du kannst dich dann nicht in der Musik verlieren, weil dein Gehirn sich auf den stärkeren Sehsinn konzentriert. Wenn du alles mit Knöpfen, also haptisch, wie bei jedem anderen Instrument bedienen kannst, wirst du nicht vom Kompilieren abgelenkt.

Gibt es noch etwas, das wir alle erfahren müssen?
Ja! Die Leute sollen verstehen, dass Live-Sets kein DJing sind. Nicolas Jaar hat mir neulich erzählt, dass er immer noch als DJ bezeichnet wird, selbst wenn er mit seiner kompletten Band auf der Bühne steht. Uns nervt das.

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