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Wir präsentieren: Das vermutlich nerdigste Captcha im gesamten Internet

Ihr wisst nicht, worin sich ein Ferrengi BattleCruiser von einem D‘deridex-class Warbird unterscheidet? Dann müsst ihr wohl draußen bleiben.

von Gregor Thomanek
26 April 2017, 5:00am

Bild: Trade Wars 2002

Ob krude ineinander verschlungene Buchstabenfolgen oder grobpixelige Suchbildmosaike – für eine Spezies, die seit 50 Jahren zum Mond fliegt, tut sich die Menschheit verflucht schwer damit, Captchas zu entwickeln. Die kurzen Tests zur Unterscheidung zwischen Mensch und Maschine sollen automatisierte Zugriffe auf Online-Dienste und damit deren Missbrauch verhindern, sind dabei aber häufig derart kryptisch, dass die in der Theorie simple Lösungsfindung zur Tortur wird. Das eigens entwickelte Captcha der Website classictw.com hat ein anderes Ziel: Es will nicht Mensch von Computerprogramm sondern die popkulturelle Science-Fiction-Elite vom Mainstream-Pöbel trennen. Mit Erfolg.

Es ist der erste Stolperstein auf jenem holprigen Weg, der schließlich zum Zocken eines 33 Jahre alten Videospiels führen soll. Die populäre Serie Trade Wars stammt aus einer Zeit, als Games noch auf Vorstellungskraft statt Grafikleistung setzten, und hat sich bis heute eine kleine, aber treue Fangemeinde aufrechterhalten. Seit mehreren Jahrzehnten widmen sich einige Spieler den weitestgehend textbasierten Space Operas und durchsuchen die unendlichen ANSI-Weiten des Weltalls als Händler nach wertvollen Rohstoffen und Waffen für ihr Raumschiff. Damit ist Trade Wars nicht einfach nur alt, sondern eines der am längsten durchgängig gespielten Games überhaupt. Dem Alter der Spiele angemessen organisiert sich die Community dafür auf einer Website, die technisch irgendwo zwischen kreischenden Modemgeräuschen und Myspace-Betaversion-Zeitalter stehengeblieben zu sein scheint. Dieser anachronistische Charme hat durchaus Methode: Trade Wars ist kein harmloses Spielchen für zwischendurch, sondern eine Leidenschaft – und diese sollten Neugierige besser jetzt als morgen teilen, wenn es nach den Betreibern der Homepage geht. Leider scheitern Neulinge in den meisten Fällen bereits am Anlegen eines eigenen Accounts.

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Dabei fängt alles so harmlos an: Alterseingabe, gleichgültiges Akzeptieren der AGB, Namens- und Passwortwahl – das übliche Standardprozedere eben, das jeder routinemäßig abspult, der bereits zweieinhalb Stunden im Internet verbracht hat. Die gleichermaßen große wie unerwartete Hürde offenbart sich am Ende des vermeintlich tausendfach gesehenen Formulars und sieht auf den ersten Blick alles andere als heimtückisch aus. Doch der Schein trügt: Hinter dem unscheinbaren Auswahlbildschirm versteckt sich das wohl nerdigste Captcha des gesamten Internets.

Sieht einfacher aus als es ist: das Nerd-Capture aus der Hölle. Bild: Screenshot

Bevor die Profilanmeldung abgeschlossen werden kann, muss der Zocker-Aspirant nämlich aus einer Liste von Raumschiffen verschiedenster Science-Fiction-Universen (von Battlestar Galactica bis Star Wars ist alles vertreten, was Rang und Namen hat) jene heraussuchen, die der altehrwürdigen Trade-Wars-Galaxie entspringen – ohne Hilfestellungen oder Fehlversuche! Auch nur ein falsch platzierter Sternenkreuzer führt zum automatischen Neuladen und man darf von vorn anfangen. Bei jedem Versuch wird die zufällig getroffene Auswahl aus einem Pool unterschiedlicher Raumschiffe neu ausgewürfelt, was geduldiges Durchmogeln unter Zuhilfenahme des Ausschlussverfahrens deutlich erschwert.

Das Problem: Woher sollen interessierte Zocker die Schiffsnamen eines Spiels kennen, das sie bis dahin nicht einmal gespielt haben? Um das 33 Jahre nach Veröffentlichung überhaupt noch zu bewerkstelligen, führt nämlich kaum ein Weg an der Website-Anmeldung und damit an der Lösung des Captchas vorbei. Ein nerdiger Teufelskreis.

Die Lösung des Rätsels findest sich auf steinalten Archivseiten. Bild: Screenshot

Schlechte Karten für alle, die sich im Vorfeld nicht lang und breit mit der Videospielreihe befasst haben, dafür ein adäquater Vorgeschmack dessen, was die hochkomplexe Spielwelt an Inhalten bereithält. Immerhin: Wer ein wenig im Internet wühlt, stößt schließlich auf eine uralte Übersicht aller Trade-Wars-Schiffe, die nur noch über ein Archiv verfügbar ist. Hat man diese Aufgabe gemeistert, steht dem Spielspaß damit also nichts mehr im Wege – sofern das Game auf modernen Rechnern überhaupt lauffähig ist.

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