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Studie

Salziges Essen macht doch nicht durstig

Deutsche Forscher haben jetzt gezeigt, dass man von Salz gar nicht mehr trinken muss – im Gegenteil.

von Alex Swerdloff
24 April 2017, 9:03am

Foto: Leonid Mamchenkov | Flickr | CC BY 2.0

Du kannst fragen, wen du willst: Jeder wird dir sagen, dass salziges Essen durstig macht. Doch nur weil es alle glauben, muss es noch nicht stimmen.

In zwei Studien, deren Ergebnisse in der aktuellen Ausgabe der Fachzeitschrift Journal of Clinical Investigation veröffentlicht wurden, haben Wissenschaftler herausgefunden, dass salziges Essen einen über einen längeren Zeitraum nicht durstig macht – wohl aber hungrig.

Und um darauf zu kommen, mussten sie nur einen Marsflug simulieren.


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Bei ihren Untersuchungen haben Forscher des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt, des Max Delbrück Centrums für Molekularmedizin und der Vanderbilt University in zwei Gruppen je zehn männliche Freiwillige in eine Raumschiffattrappe eingeschlossen und zwei Flüge zum Mars simuliert. Die erste Gruppe wurde für 105 Tage beobachtet, die zweite für 205. Alle Studienteilnehmer bekamen das Gleiche zu essen, nur der Salzgehalt wurde verändert.

Das Ergebnis: Wer mehr Salz aß, hatte auch einen höheren Salzgehalt im Urin und schied mehr Urin aus – keine große Überraschung. Doch da war noch etwas: Die Probanden, die mehr Salz gegessen hatten, tranken nicht etwa mehr Wasser, sondern in der Tat weniger. Außerdem haben die „Kosmonauten", so bezeichnen die Forscher die Studienteilnehmer, mit den salzhaltigen Mahlzeiten mehr über Hunger geklagt. Das Salz hat die Probanden also hungriger und nicht durstiger gemacht.

Das zwang die Wissenschaftler, einiges zu überdenken.

Zuvor dachte man, dass Salz Wassermoleküle binden würde und sie in den Urin transportieren würde. Doch die neue Studie hat gezeigt, dass das Salz im Urin verbleibt und das Wasser wieder zurück in die Niere und den Körper transportiert wird.

Mit diesen Ergebnissen denken die Forscher außerdem ganz anders über Harnstoff: „Harnstoff ist nicht nur ein Abfallprodukt, wie wir bisher angenommen hatten", erklärt Prof. Friedrich C. Luftvom MDC „Stattdessen erweist er sich als ein sehr wichtiger Osmolyt – das ist eine Verbindung, die Wasser an sich bindet und so hilft, es zu transportieren. Harnstoff hält das Wasser im Körper, wenn wir Salz ausscheiden. So wird das Wasser zurückgehalten, das sonst durch das Salz in den Urin hineingetragen würde."

Doch was heißt das für die Hersteller von dem Knabberzeug, das man in der Bar bekommt? Wird da ein ganzer Industriezweig zusammenbrechen? Das wird sich wohl erst mit der Zeit zeigen.

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