Sonnenuntergang in Laguna del Perú
McNab reiste 1997 als schlaksiger 33-Jähriger im Auftrag der WCS nach Guatemala, um ihr dortiges Programm aufzulösen. Stattdessen überzeugte er seine Vorgesetzten, es fortzusetzen. Eigentlich hatte ihn sein Entdeckerdrang nach Mittelamerika geführt, denn ein begeisterter Umweltschützer war er nicht. McNab ist in Gainesville, Florida, als Sohn eines Zoologen aufgewachsen, glaubte aber nie richtig an das Naturschutzdogma, nach dem Reservate frei von Menschen sein sollten. "Die Vorstellung einer unberührten Wildnis ist für mich schwer zu begreifen", sagt er. "Da der Mensch für mich Teil der Natur ist, finde ich diese Trennung zwischen beiden schwierig. Außerdem ist inzwischen so ziemlich jeder Winkel des Planeten vom Menschen beeinflusst, und das wird in Zukunft noch zunehmen."Das Projekt in Guatemala war perfekt für ihn. 1990, also sieben Jahre zuvor, hatte die guatemaltekische Regierung ein Gebiet im Norden, das etwa ein Fünftel des gesamten Landes ausmacht, zum Maya-Biosphärenreservat erklärt. Es ist ein Flickenteppich aus Nationalparks und Gebieten für die "nachhaltige Waldbewirtschaftung", die es den Menschen erlaubt, vom Wald zu leben. McNab landete in einem Tausend-Seelen-Dorf namens Uaxactún, das zwischen den Observatorien und Palästen einer gleichnamigen Maya-Stadt liegt. 100 Jahre lang lebten die Uaxactuneros vom Handel mit Holz, Gummi für Kaugummis und Xate, Palmenblättern für die Floristik. Dann drohte die Zentralregierung, das Dorf zu räumen und seine Lizenzen einem Holzfällerunternehmen zu übertragen. Es war McNabs Aufgabe, diesen Menschen zu helfen."Die Leute fragten sich, wer dieser Gringo überhaupt war."
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Abenteuer wie dieses hielten McNab Ende der 1990er so auf Trab, dass er nicht bemerkte, wie sich im Naturschutzgebiet langsam ein "Krebsgeschwür" ausbreitete. Er wusste, dass zahllose Bauern aus der Hochebene in den Urwald kamen und Bäume fällten oder abbrannten, um Maisfelder zu pflanzen. Doch wie die meisten Umweltschützer und Regierungsangestellten schenkte er dem wenig Beachtung. Stattdessen konzentrierte er sich auf traditionellen Umweltschutz: Er zählte bedrohte Tierarten, schrieb Managementpläne und half bei der Entwicklung von Gemeindeunternehmen wie dem in Uaxactún. Ihm und seinen Kollegen war nicht klar, wie groß die Bedrohung tatsächlich war.
Der Sommer 2003 sollte das ändern. Es war eine besonders heiße El-Niño-Saison, und McNab führte die WCS-Feldforschungsgruppe zu einer Brutstätte des Hellroten Ara am Rande des Laguna del Tigre. Kaum hatten sie ihre Zählung begonnen, brachen die Feuer aus. Ein Brand im Maya-Urwald zeigt sich nicht in Form dramatischer Flammenwände, sondern kriecht versteckt durch das am Boden liegende Laub, entzündet das Unterholz und greift dann auf die Bäume über. Das Feuer ist schwer zu entdecken, schwer zu verfolgen und schwer zu stoppen. Zum Entsetzen des Teams hielt es auf die Nistplätze der letzten 200 Aras in Guatemala zu.McNab und den WCS-Biologen war sofort klar: Wenn sie ihre Zählung fortführten, würden die Flammen die Nistplätze erreichen und Guatemalas Hellroten Ara auf einen Schlag ausrotten. Also brachen sie ihr Vorhaben ab und begannen stattdessen, mit Äxten und Schaufeln Brandschneisen durch das schwelende Unterholz zu schlagen. Um die gewaltigen Akazien, auf denen die Aras lebten, hoben sie Gräben aus. Einen Monat lang kämpften sie unter den Bäumen. Sie schliefen in ihren verschwitzten, rußigen Kleidern auf dem Boden und hielten durch, bis die Regenzeit dem Sommer ein Ende setzte und die Feuer löschte.Dann kam das Feuer. Einen Monat lang kämpften sie unter den Bäumen, schliefen in ihren verschwitzten, rußigen Kleidern auf dem Boden.
Guatemaltekische Soldaten und Mitglieder der Wildlife Conservation Society marschieren durch ein Feld mit Weidegras für Rinder
Illegale Rancher hängen Schilder auf, um ihr Territorium im Nationalpark Laguna del Tigre zu markieren
Während dieser Zeit rannte McNab unermüdlich hin und her, sprach mit den vielen recht störrischen Akteuren – Polizei, Justiz, Militär, Parkschützer, Dorfgemeinschaften – und baute Koalitionen für die Rückeroberung des Landes. "Roan hat großen politischen Einfluss", sagt Macz. "Wenn er zu einer Versammlung kommt, macht er nicht nur Vorschläge, wie man weiteres Eindringen verhindern kann. Er kommt mit einem fertigen Plan, er hat Mittel organisiert und bereits mit allen gesprochen, die es zur Umsetzung braucht." Wie es sich für einen Gringo in Guatemala geziemt, ist McNab so bescheiden, dass ihm seine Erfolge schon beinahe peinlich sind. Doch ehemalige leitende CONAP-Mitglieder sagen, dass es ohne McNab und seinen Schild keine Aras mehr gäbe und die Rancher heute immer tiefer in das verletzliche Innere des Urwalds vordringen würden.Es ging fast alles schief, was schiefgehen konnte.
Ramón Peralta, ein erfahrener Urwaldführer, spricht mit McNab, während beide sich ein Gebiet ansehen, das illegale Viehzüchter brandgerodet haben
Ein Hellroter Ara bei einer Mahlzeit in einem Baum
Soldaten inspizieren einen Stacheldrahtzaun
Ronnie hackt als Erster zu. Der stämmige Parkschützer erzählt, wie er und zwei Kameraden in der Anfangszeit des Schilds von 20 Invasoren zu Pferd gekidnappt wurden, als sie gerade eine Brandschneise schlugen. Die Invasoren banden sie "wie Bullen" fest und führten sie nach La Florida, einer illegalen Siedlung auf gerodetem Land, wo sich bereits ein Mob versammelt hatte. Ein Mann holte einen Benzinkanister hervor, doch nach einer Diskussion entschieden die Dorfbewohner, sie doch nicht lebendig zu verbrennen. Stattdessen jagte der Mob sie mit vorgehaltenen Pistolen, bis sie zusammenbrachen. Danach mussten sie eine Einverständniserklärung für die Landübernahme unterzeichnen. Diesmal hat Ronnie Gewehre im Rücken. Er sieht mit grimmiger Genugtuung zu, als ein Pfahl nach dem anderen fällt.In der Stille der Mittagshitze ertönt ein Ruf: Reiter in der Ferne. Die Motorsägen verstummen, die Männer werden blass. "Ich glaube, sie wollen uns einkesseln", mutmaßt der Kaibil-Offizier. Er hockt sich wie ein Vogel auf den Zaun und hält sich am Lauf eines Galil-Sturmgewehrs fest, das ihm ein Kollege entgegenstreckt. Doch die Reiter hinter uns sind nicht mehr zu sehen. Als den Motorsägen das Benzin ausgeht, machen wir uns auf den Rückweg zum Schild. Wir kommen an der Farm der Zaunbauer vorbei, machen in ihrer Hütte Rast und füllen unsere Rucksäcke mit ihren Vorräten.Ein Mann holte einen Benzinkanister hervor, doch nach einer Diskussion entschieden die Dorfbewohner, sie doch nicht lebendig zu verbrennen.
McNab hat Machete und Fernglas auf einem Baustamm abgelegt, während er am Río San Pedro auf ein Boot wartet
Rinder auf der Weide einer illegalen Ranch