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Hier kannst du bereits Auszüge aus Mobys mitreißenden Rave-Memoiren ‚Porcelain’ lesen

„Alles, was mit Sex und Sinnlichkeit zu tun hatte, machte mir Angst, (…) (aber) weder das Radio noch die Zukunft hatten mich je im Stich gelassen.“
25 Mai 2016, 1:03pm
Image courtesy of Penguin Press

Mobys sehnlichst erwarteten Memoiren Porcelain, in denen er von seinen Karriereanfängen in den späten 1980ern bis zu den Aufnahmen seiner Instant-Durchbruch-Single „Go" berichtet, sind diese Woche in der englischen Originalfassung erschienen. Vielleicht ist also gerade jetzt, während der Musiker seine Pressetour absolviert, der richtige Zeitpunkt, um ein paar Zeilen aus dem Buch zu lesen. Dank des Guardian und dem Piper-Verlag, wo am 1. Juni die deutsche Übersetzung erscheint, haben wir jetzt die Möglichkeit, einen kleinen Blick in die wilderen Zeiten von Mobys Leben zu werfen.

In dem Guardian_-Auszug erinnert sich Moby (eigentlich Richard Melville Hall) an seine erste Playback-Performance für die britische Ausgabe von _Top of the Pops: „Ich bin auf die Bühne gerannt. Die Menge tobte, aber ich bekam es mit der Panik zu tun. Mein Keyboard war nicht eingestöpselt und ich hatte noch nicht mal ein Mikro. Denen war das egal: 3.000 Menschen tanzten und schrieen aus voller Kehle ‚Go!'. Ich hämmerte auf mein nicht angeschlossenes Keyboard ein und brüllte: ‚Go!'"

Danach geht Hall durch die Straßen von London. Er bemerkt, dass England nicht das „idyllische" Land voll „gebildeter Akademiker" ist, als das er es immer gesehen hatte. Stattdessen findet er sich an einem verregneten und tristen Ort wieder. „Dann war da dieses England—das verregnete, kalte England, das die Kulisse für jeden Film über ausgestoßene Menschen darstellte, die in einer Sozialwohnung hockten und auf den Tod warteten. Das war das Land, das Joy Division hervorgebracht hatte. Wäre Ian Curtis in Palo Alto geboren worden, würde er heute wahrscheinlich eine Kette Bio-Cafés betreiben und wäre mit einer Yoga-Lehrerin verheiratet."

Bei der Leseprobe des Piper-Verlags handelt es sich wiederum um den Prolog und das Kapitel über Halls ziemlich armseliges Leben in einer heruntergekommenen New Yorker Fabrik, von der aus er seine DJ-Karriere starten soll. Davon, hatte er schließlich immer geträumt, zumindest legt er das zu Buchbeginn offen: „Meine Mutter war seit über einem Jahr arbeitslos, und ihre letzte Beziehung war in die Brüche gegangen, nachdem ihr Freund mit einem Messer auf sie losgegangen war." Oft begleitete Hall seine Mutter in einen Waschsalon, in dem sie die eigene Wäsche und die der Nachbarn wusch. An dem hier beschriebenen März-Abend 1976 setzte er sich allerdings ins Auto, um dem Radio zu lauschen. „Jede Woche hörte ich Casey Kasems American Top 40 und kannte alle Hits auswendig", schreibt er. „Musik, die im Radio lief, verdiente unterschiedslos meine Verehrung."

„Plötzlich hörte ich etwas Neues: »Love Hangover« von Diana Ross." Der Song sollte sein Leben verändern, wenngleich er ihn heftig irritierte, wie sich Hall erinnert: „Schon der Einstieg klang sinnlich – irgendwie überirdisch und verführerisch – und machte mir Angst. Alles, was mit Sex und Sinnlichkeit zu tun hatte, machte mir Angst und weckte in mir das dringende Bedürfnis, Zeichentrickfilme zu sehen." Dennoch: „Es war ein futuristisches Lied im Radio, und weder das Radio noch die Zukunft hatten mich je im Stich gelassen." Die Saat für Moby war ausgebracht. Hall begann, seinen Ausbruch aus der Vorstadthölle von Connecticut zu planen: „(...) Eines Tages würde ich aus dieser toten Vorstadt herauskommen. Ich würde in eine Stadt kommen und dort in einen Schoß zurückkriechen – einen Disco-Schoß, der von futuristischer Musik erfüllt war."

Richard Melville Hall, ein Nachfahre des berühmten Schriftstellers Herman Melville (deswegen auch sein zweiter bürgerlicher und sein Künstlername), hat mit seiner literarischen Arbeit bereits ein ein paar Fans aus der Literaturwelt gewonnen. Dazu gehört auch Salman Rushdie, der Autor von Die Satanischen Verse, der ihm folgenden Klappentext geschrieben hat: „[Porcelain umfasst] zehn Jahre in Mobys Leben, größtenteils im heruntergekommenen, gefährlichen und heißgeliebten New York City der 90er; ein Leben, das absurd überfüllt, dreckig, alkoholgeladen, vegan, unglaublich laut, voller Spucke und Sperma und von einer gewissen Christlichkeit war—oftmals, unerwartet, bewegend. Seine Schreibstil ist großartig und wird von einem verblüffendem, trockenen Humor belebt, der aus allen Geschehnissen einen verrückten Sinn zieht. Sein Vorfahre, Herman Melville, wäre wahrscheinlich gleichermaßen abgestoßen und stolz."

Porcelain ist bei Penguin Press erschienen. Den Auszug kannst du hier lesen. Die deutsche Ausgabe erscheint am 1.6. bei Pieper.

Die Zitate aus der Guardian-Leseprobe wurden von THUMP aus dem englischen Original übersetzt.

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