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Was wir über das tödliche Feuer in dem Warehouse von Oakland wissen

Mindestens 33 Menschen starben während eines Konzerts für elektronische Musik. Wir haben mit Augenzeugen aus dem Haus gesprochen.

von Britt Julious
05 Dezember 2016, 10:25am

Screengrab via Oakland Firefighters Twitter.

Ein Feuer in einem Warehouse in Oakland, USA, hat in der Nacht zum Samstag mindestens 33 Todesopfer gefordert. Noch werden zahlreiche weitere Menschen vermisst und große Teile des eingestürzten Gebäudes konnten bislang nicht von den Einsatzkräften abgesucht werden. Zum Zeitpunkt des Unglücks fand in dem Ghost Ship genannten Warehouse eine Veranstaltung des Labels 100% Silk mit den Acts Golden Donna, Cherushii und Nackt statt.

Die L.A. Times schreibt von 70 Gästen, die zu diesem Zeitpunkt anwesend waren. Zwei Spendenaktionen für die Opfer des Feuers wurden bereits auf einer Crowdfunding Plattform gestartet. Zum jetzigen Zeitpunkt wurden erst acht der Gestorbenen identifiziert. Behördliche Ermittlungen sind laut abc7News ebenfalls angelaufen.

"Eine gesamte Gemeinde und Familie von Musikern, Künstlern, queers und lokalen Veranstaltern befand sich in diesem Gebäude", sagte Aja Archuleta gegenüber THUMP. Sie war in den Abend involvierte, sollte selbst auftreten und saß zum Zeitpunkt des Ausbruchs an der Kasse. "Einige der reinsten und großartigsten Seelen, die ich glücklicherweise kennenlernen durfte, hatten mir geholfen, diese Veranstaltung zu organisieren."

Einsatzkräfte vor Ort. Foto von imago

Acts wie Kehlani, Holly Herndon, Maria Minerva und The Black Madonna haben ihre Anteilnahme auf Social Media ausgedrückt. Joshua Eustis von Telefon Tel Aviv erinnerte in einem rührenden Post an Cash Askew von der Band Them Are Us Too, dessen Tod bereits von den Behörden und dem Label Dais Records bestätigt wurde.

In einem am Samstag auf Facebook veröffentlichten Statement, brachte Amanda Brown, die Gründerin des 100% Silk-Labels, ihre Trauer zum Ausdruck. "Es ist eine unglaubliche Tragödie, ein Albtraumszenario (...). Wir sind eine sehr geschlossene Künstlercommunity und wir alle beten, senden Liebe und unsere Beileid an alle Betroffenen und ihre Familien."

Im Ghost Ship lebten auch mehrere Künstler. Carmen Brito, die seit elf Monaten in dem Warehouse wohnt, hat den Ort gegenüber THUMP als "schönsten, in dem sie jemals gelebt hat", bezeichnet. "Ich habe nie zuvor etwas Vergleichbares gesehen und ich glaube auch nicht, dass es so etwas jemals wieder geben wird." Als das Feuer ausbrach, schlief die Künstlerin gerade in ihrem Studio und wurde vom Rauch geweckt. Sie konnte sich anschließend retten. "Im Gang sah ich Flammen, die bis zur Decke reichten. Eine ganze Wand war von ihnen verdeckt."

Das Warehouse war nicht als Wohnhaus zugelassen zugelassen. Laut L.A. Times hatte es in diesem Jahr bereits Ermittlungen wegen dieses Verstoßes und anderer gegeben. Einsatzkräfte der Feuerwehr sagten der East Bay Times, dass es in dem zweistöckigen Gebäude keine Sprinkleranlage und auch keinerlei Hinweise darauf gegeben habe, dass die Rauchmelder eingeschaltet waren.

Derick Ion Almena, der nach übereinstimmenden Medienberichten, das Ghost Ship geleitet haben soll, schrieb in einer vielfach kritisierten und mittlerweile gelöschten Facebookpost: "Ich bin aus Träumen voller Opulenz und Hoffnung erwacht ... um nun bar jedes Selbstwerts zu sein."

Das Feuer hat bereits eine Diskussion über die Wohnungslage in Oakland in Gang gebracht. Die Mietpreise in der Nachbarstadt von San Francisco gehören zu den höchsten in den USA. Wie We Are Your Voice schreibt, bietet die Lage vor allem der Kunst- und Musikszene kaum Raum zur Entfaltung. Und über 200 weitere Warehouses sollen ebenfalls nicht als Wohnhäuser zugelassen sein, berichtet abc7News. Gleichzeitig steige damit die Bereitschaft von Hausbesitzern, viel zu beengte und kaum abgesicherte, nicht legale Wohnkonstellationen zur Miete anzubieten.

Die lokale Politik habe darin versagt, Entlastung auf dem Wohnungsmarkt zu schaffen und Rückzugsräume für die Szene abzusichern, urteilt deshalb We Are Your Voice.

Philip Sherburne, Contributing Editor bei Pitchfork, hat zudem auf Twitter zahlreiche Medien dafür kritisiert, die Veranstaltung von Freitagnacht in "reißerischer Weise" als "Rave" zu bezeichnen.

Ergänzungen von Thomas Vorreyer

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