Deutschland

Ralf Rangnicks falsche Interpretation von RB Leipzigs Beliebtheit

Der Leipzig-Trainer sagte, dass RB Leipzig der drittbeliebteste Verein in Mitteldeutschland sei. Das ist so nicht ganz richtig. Und gibt es da nicht noch einen Verein in Dresden?
15.7.16
Foto: imago

„Wir sind in Mitteldeutschland hinter Bayern München und Borussia Dortmund mittlerweile der drittbeliebteste Klub", so wurde Rangnick die vergangenen Tage häufig nach seinem Kicker-Interview zitiert. Für das Feinbild vieler Fußballanhänger eine recht steile These. Wie kommt er zu einer solchen Behauptung?

Auf Nachfrage bei Rasenballsport Leipzig verwies man auf eine in der Bild veröffentlichten Studie. Darin wurden 1.259 Fußballfans in ganz Deutschland nach ihrem Lieblingsverein befragt. Das Ergebnis: In Sachsen und Thüringen gaben 17% der Befragten RB Leipzig an. Damit liegt der Verein hinter Bayern München mit 28% und Borussia Dortmund mit 21% auf dem dritten Platz.

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Doch wie viel ist Rangnicks Aussage wirklich wert? Zum einen kann er nicht für ganz Mitteldeutschland sprechen. Nach der Wende hat sich die Bezeichnung für Sachsen, Thüringen UND Sachsen-Anhalt durchgesetzt. Laut Studie muss man Sachsen-Anhalt aber rausnehmen.

Kritisch zu sehen ist außerdem der geringe Stichprobenumfang. Wenn es in ganz Deutschland lediglich 1259 Teilnehmer gab, dann entfallen auf die Bundesländer Thüringen und Sachsen—wenn man es auf die Einwohnerzahlen runterbricht—96 Befragte. Wahlforscher Prof. Frank Brettschneider erläutert, dass es für Umfragen unterschiedlichste Vorgaben gibt. Für repräsentative Tendenzen sollte jedoch eine Anzahl von 1.000 eingehalten werden.

Zusammengefasst: Es wurden also weniger als 100 „Fußballinteressierte" in Sachsen und Thüringen gefragt, wer ihr Lieblingsverein ist. 16 Seelen müssten sich für den RBL ausgesprochen haben. Selbst Hoffenheim hat mehr Fans. Unabhängig von Umfrageergebnissen ist die von Rangnick angesprochene Beliebtheit ein schwer greifbarer Index. Bedeutet Beliebtheit ins Stadion zu gehen oder reicht ein Jubelschrei auf dem Sofa vor der Sportschau. Bestimmen also Zuschauerschnitte, Mitgliedszahlen oder Social-Media-Follower diesen Wert der Beliebtheit mit? Wenn ja, wäre das für RB nur eingeschränkt positiv.

Der Zuschauerschnitt von RB lag in der vergangenen Saison bei 29.000. Damit sind sie in Mitteldeutschland zwar auf Platz 1, aber Dynamo Dresden hat einen lediglich 2.000 Zuschauer geringeren Schnitt, obwohl sie eine Liga tiefer spielen und zudem an Kapazitätsgrenzen stießen. Ihr Stadion fasst nur 32.000 Zuschauer, bei RB ist Platz für insgesamt 44.000. Die Auslastung von Dynamo ist also deutlich besser als die der Leipziger, ohne überhaupt das Thema Auswärtsfahrer anzusprechen.

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Vereinsmitglieder zu vergleichen, macht fast keinen Sinn, denn RB schreckt seine Sympathisanten mit hohen Jahresbeiträgen ab und hat weniger als 300. Bei Dynamo sind mehr als 17.000 angemeldet. Auch beim Thema Social Media ist die Mannschaft aus Elbflorenz dem Brausekonzern überlegen—210.000 gegen 163.000 Likes auf Facebook.

In einer anderen Studie wurde RB Leipzig zudem zum unbeliebtesten Verein in Deutschland gewählt. Wie sagt man doch so schön: „Trau keiner Studie, die du nicht selbst gefälscht hast." Also Herr Rangnick, wenn die Fans der Roten Bullen irgendwann einmal Fußballdeutschland mit genialen Choreos verzücken und bei Auswärtsspielen mittwochabends in Freiburg für Stimmung sorgen, können wir auch über die Beliebtheit von RB reden.