​Wir haben das Halbfinale in Bushidos Stammrestaurant „Papa Ari" geschaut
Alle Fotos: Karl Kemp
Papa Ari

​Wir haben das Halbfinale in Bushidos Stammrestaurant „Papa Ari" geschaut

Vor jedem Deutschland-Spiel ruft Bushido dazu auf, im Restaurant von seinem Freund Arafat zu schauen. Wir sind dem gefolgt, ebenso wie Fußballer Änis Ben-Hatira und Rapper Ali Bumaye, dessen Facebook-Post wir gleich mal zerstört haben.
8.7.16

Die EM in der Öffentlichkeit zu schauen, ist meistens eine Tortur. Die Fanmeile ist ein Albtraum voller schwarz-rot-geiler Eventies und selbst im 11-Freunde-Fantreff ist man vor Blumenketten und Fanschminke nicht sicher. Wer hat die eigentlich salonfähig gemacht? Ich brauchte eine Alternative und die fand ich ausgerechnet auf der Facebook-Seite des wohl größten Rappers Deutschlands: Vor jedem Spiel hat Bushido bei Facebook einen Aufruf gepostet, im Restaurant „Papa Ari" zu schauen. Das schien mir ein vernünftiger Vorschlag zu sein.

Der Außenbereich von „Papa Ari" etwa eine Stunde vor Anpfiff; Foto: Karl Kemp

„Papa Ari" ist das Restaurant von Arafat Abou-Chaker, dem engen Freund Bushidos und Oberhaupt des Abou-Chaker-Clans. Hier wurde der legendäre Satz geboren: „Das ist nicht meine Kanne Bier". Beide haben Migrationshintergrund, was sie nicht davon abhält, die deutsche Mannschaft zu feiern. Im Restaurant kommen viele Kulturen zusammen, wir wollten sehen, wie diese Menschen ein Deutschland-Spiel schauen. Die Einrichtung bei Papa Ari ist modern, alles ist aufgeräumt. An der Wand hängt ein Fernseher, darunter eine Fahnenkette. Deutscher geht es fast nicht.

Es ist noch früh und wenig los. Wir wollen erstmal ein Bier trinken, doch Alkohol wird hier nicht ausgeschenkt. Einer der ersten Gäste ist Rapper Ali Bumaye. Er bestellt sich etwas zu essen—wir auch. Ali erzählt, dass er zu jedem Deutschland-Spiel kommt. Während des Ramadans war es für ihn und andere Muslime schwierig, denn sie mussten zunächst den „deutschen Kartoffeln"—wie sich einige Freunde von Ali selbst bezeichnen—beim Essen zusehen. Das fällt hier definitiv schwer.

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Das Restaurant füllt sich langsam. Beim Anpfiff ist Bushido noch nicht zu sehen, kurze Zeit später taucht dafür der ehemalige Hertha-Profi Änis Ben-Hatira auf. Das Publikum ist gemischt. Eine Gruppe Schüler aus Stuttgart ist da. Sie haben den Facebook-Post gesehen und fragen, ob Bushido noch kommt. Ein deutsches Pärchen hat sich frühzeitig einen Platz vor dem Fernseher gesichert. Der Mann trägt ein Trikot—als einziger.

Ali Bumaye (Mitte) hat das Spiel intensiv verfolgt; Foto: Karl Kemp

Die erste Halbzeit plätschert vor sich hin, die meisten sind noch mit essen beschäftigt. Hähnchen mit Reis wird häufiger bestellt—Fitness ist den Jungs wichtig. Drinnen ist es warm, nach 20 Minuten setzt sich Ali nach draußen und verfolgt das Spiel von dort aus. Zur Halbzeit kommt er rein und vergewissert sich als erstes, ob es Elfmeter war. Ich verneine natürlich. Ein Facebook-Post geht raus.

Ups.

Nachdem die Kids aus Stuttgart ihre Selfies gemacht haben, sind sie abgezogen. Der Rest versammelt sich nun drinnen. Mit zunehmender Spieldauer steigt auch der Fokus auf das Spiel. Angenehmerweise ohne nerviges Geschrei, wenn Deutschland den Ball irgendwie in die Nähe des gegnerischen Strafraums befördert oder ein Spieler am Boden liegt.

Änis Ben-Hatira kam mit Freunden zum Essen und Fußballgucken; Foto: Karl Kemp

70. Minute: Freistoß für Deutschland. „Özil! Holt die Ferngläser raus", ruft Ali. Es ist einer von wenigen Kommentaren. Gelächter. „Wartet ab, der macht den." Doch Özil schießt nicht, der Ball geht vorbei. Zwei Minuten später fällt das 2:0. Deutschland verliert und scheidet aus. Wenngleich sich niemand mit einer Überdosis Fanartikel eingekleidet hat, ist die Enttäuschung zu spüren. Trotzdem wird nicht versucht die Schuld beim Schiedsrichter zu suchen und Ali erinnert: Weltmeister sind wir immer noch.

Fußballschauen im „Papa Ari" ist eine entspannte Alternative. Zum Essen würde ich jederzeit wiederkommen, Potenzial zur Stammkneipe hat es leider nicht. Das lag jedoch weniger an Bushidos Fernbleiben, sondern am fehlenden Bier. Oder vielleicht einfach am bitteren Ergebnis.

Alle weiteren Fotos: Karl Kemp