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Dieses Timelapse-Video der Sonne ist das beste, was ihr diese Woche sehen werdet

Der Kölner Videokünstler Michael König qualifiziert sich mit seinem HD-Science-Porn schon am Dienstagmorgen zu unserem Menschen der Woche.

von Theresa Locker
07 April 2015, 9:36am

​Bild: NASA's Goddard Space Flight Center, Scientific Visualization Studio

​Nachdem der Kölner Videokünstler Michael König in seinem Dayjob am Neomagazin-Studio herumschraubt, widmet er sich in seiner Freizeit gerne Timelapse-Planetenvideos aus in Handarbeit stabilisiertem NASA-Rohmaterial. Eine ziemlich produktive Kombination seines Zeitvertreibs, die Michael nicht nur vor drei Jahren das vielbeachtete „Earth"-Video (einen planetaren Rundum-Überflug aus Sicht der ISS) produzieren ließ, sondern ihn auch souverän schon am Dienstagmorgen zum Menschen der Woche bei meinen Redaktionskollegen qualifizierte.

Umso mehr freuen wir uns, hier bei Motherboard als erstes sein neues Timelapse-Video zeigen zu können, in dem er sich einer spektakulären Studie der Sonne zugewendet hat. Bevor sie ​in fünf Milliarden Jahren erlischt und zu einem Roten Riesen wird, können wir hier vier Minuten lang ihre Schönheit ganz ohne Netzhautschäden feiern: 

Als Michael das Earth-Video veröffentlichte, stießen die Aufnahmen auf enorme Resonanz—er bekam Anfragen zur Nutzung aus so unterschiedlichen Ecken wie „von einer japanischen Kaugummifirma über Lehrer bis zu irgendeiner BP-Greenwashing-Kampagne", wie er mir erzählte.

Zuletzt lief das Video auf einer Leinwand am Times Square in New York City zum Jahreswechsel. Nun hat er sich der Sonne zugewandt, um ihre Atmosphäre in einem eleganten Video ins rechte Licht zu rücken. Zu diesem Anlass habe ich kurz mit ihm gesprochen:

MOTHERBOARD: Hi. Was kann man in deinem Video genau sehen?

Michael: In dem Video sieht man Bilder der Sonnenchronosphäre und Korona, die das Solar Dynamics Observatory-Raumschiff zwischen 2011 und 2015 aufgenommen hat. Darunter sind Transitaufnahmen der Venus, des Mondes und der Erde, koronaler Regen und der Vorbeiflug des Kometen Lovejoy.

Man sieht, wie Plasma ausgestoßen wird und wie die Magnetfeldbögen der Sonne die Lava wieder zurücksaugt. Und Sonnenflecken—früher dachte man ja auch, man könne darauf landen, dabei sind diese kälteren Bereiche der Sonne auch noch ungefähr 4000 Grad Celsius heiß.

Die Bilder sind von den Satelliten eines NASA-Teams in extremen ultravioletten Spektren aufgezeichnet worden. Ich hab bei meinem letzten Video versucht, den beteiligten Astronauten namentlich Credit zu geben, aber die NASA hat mich dann darum gebeten, die Namen zu entfernen, weil ihr der Teamgedanke wichtiger war als die namentliche Erwähnung.

Und wie kamst du auf die Idee, der Sonne ein Musikvideo zu widmen?

Ich bin öfter auf NASA-Seiten unterwegs und habe irgendwann rausgefunden, dass die Bilder der verschiedenen Weltraummissionen schon rein rechtlich der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden müssen, weil die NASA sich mit Steuergeldern finanziert.

Es gibt zu wenig wissenschaftliche Visualisierungen, die auch aus Designperspektive schön aufgearbeitet werden.

Diese kleinen Schnipsel sehen großartig aus, aber es gibt eben kaum wissenschaftliche Visualisierungen, die auch aus einer Designperspektive schön aufgearbeitet werden. Es gibt da einfach kaum Berührungspunkte, durch die das Datenmaterial etwas kommunizierbarer dargestellt werden könnte. 

Deswegen habe ich mir 40 Minuten 4K-Bilder—also einen Haufen sehr wuchtiges Material—der Sonnentotale heruntergeladen und dann maskiert, entstört und auf die Hintergrundmusik neu zusammengeschnitten, so dass man Details erkennt und eine Compilation daraus gemacht.

Wie hast du dir die Musik dazu ausgesucht?

Ich wusste schon ziemlich früh, dass ich den Track von Murcof dazu nehmen wollte und habe auch seine persönliche Erlaubnis dafür bekommen, der fand das cool. Weltraumbilder werden fast schon traditionell immer mit pompösen Streichersätzen unterlegt und der Zuschauer bekommt pathetische Klassik um die Ohren gehauen—als würde man nicht schon so verstehen, dass die Bilder schön sind. 

(Full Disclosure: Michael und ich kennen uns schon länger.)