Heutzutage vergessen wir leicht das Facebook-Nutzung eigentlich eine absolut optionale Sache ist. Wir regen uns alle fürchterlich über jede noch so kleine Veränderung der Seite auf, dabei ist es viel wichtiger nicht zu vergessen, dass wir nur bis zum dem Grad Gefangene der Seite sind, den wir zulassen. Wenn du also versucht auszusteigen, wird Facebook dir Bilder deiner Freunde zeigen, dich fragen ob du dir wirklich sicher bist, dass du sie verstoßen möchtest – als ob du das tun würdest –, aber schließlich wird Facebook dich gehen lassen.Unser Sozialleben und die sozialen Netzwerke sind inzwischen do eng verzahnt, dass der Selbstmord einer Social-Media Identität, wie eine gewagte, wenn nicht gar unmöglich Sache wirken mag. Aber es gibt natürlich Leute, die ihre Profil deaktiviert haben und sich von ihren Web 2.0 Angewohnheiten gelöst haben. Eine neue Studie in der Zeitschrift mit dem schönen Name Cyberpsychology, Behavior, and Social Networking schaut sich nun genauer an, was das dies für Leute sind.Eine Gruppe von Wissenschaftlern aus Wien hat 300 Ex-Facebook Nutzern Fragebögen über sich selbst und über die Gründe ihres Austritts aus sozialen Netzwerken vorgelegt. Die Aussteiger waren meist männlich und im Schnitt 31 Jahre alt, was ungefähr dem heutigen Alter derjenigen entspricht, die im Jahr der Facebook Gründung (2004) ein Hochschulstudium abgeschlossen haben. Mit anderen Worten, waren sie die letzten, die ihr Universitätsleben ohne Facebook verbracht haben.Die Wissenschaftler fanden heraus, dass „Facebook-Aussteiger im Vergleich zu anderen Nutzern generell höhere Bedenken bezüglich ihrer Privatsphäre haben, eine höhere Gefahrenquote für Internet-Sucht aufweisen, und überdurchschnittlich pflichtbewusst sind. “Menschen, die ihre Facebook Profile löschen sind also besorgt bezüglich des Schutzes ihrer Privatsphäre, während sie eine Tendenz zur Internet-Sucht aufweisen und mit einer guten Dosis Gewissenhaftigkeit ausgestattet sind. Macht das Sinn? Internet-Sucht scheint der perfekte Grund zu sein um auf Facebook zu bleiben und auch ein gesteigertes Pflichtbewusstsein deutet doch wohl eher darauf hin für Menschen verfügbar zu bleiben, also via Social Media erreichbar zu sein. Damit bleibt also nur noch ein Grund übrig, der diese Leute zum Aussteigen bewegt, und genau dies deckt sich auch mit den Ergebnissen der Studie:Als Hauptgrund werden Bedenken bezüglich der Privatsphäre angegeben (48.3 Prozent), gefolgt von einer grundsätzlichen Unzufriedenheit mit Facebook (13,5 Prozent), negativen Aspekten von Online-Freundschaften (12,6 Prozenten) und dem Gefühl der Facebook-Abhängigkeit (6,0 Prozent; andere Gründe: 19.6 Prozent).Die Studie spekuliert außerdem darüber, dass die Kombination aus Gewissenhaftigkeit und dem Internet-Verfallen-Sein tatsächlich doch einen guten Grund ergeben könnten, um das Facebook Profil zu löschen, denn auch wenn du es nicht wahrhaben willst, weisst du eben, dass du abhängig bist, und musst etwas unternehmen.Auch wenn Mark Zuckerberg behauptet, dass Privatheit nicht länger eine „soziale Norm“ sei, so ist das Sieb durch das die Facebook-Aussteiger fallen, eben doch der Mangel an Privatsphäre und an Kontrolle über die eigenen Daten – ob nun gefühlt oder tatsächlich.Glücklicherweise sind Privatsphären Probleme für ein Soziales Netwerk theoretisch die am einfachsten zu lösenden Probleme. Die negativen Seiten von Online-Freundschaften, die einige als Kündigungsgrund angegeben haben, scheinen da schon schwieriger zu lösen, schließlich sind solche Nachteile definitiv auch Teil von Offline-Freundschaften. Und was die Frage der Internet-Sucht angeht: Zu was ist denn der Newsfeed da, wenn nicht um dich zur völligen Hingabe an das Soziale Netzwerke zu verpflichten?Facebook ignoriert die Gründe der Aussteiger jedenfalls auf eigene Gefahr. Auch wenn es manchmal schwer fallen mag, sich daran zu erinnern, das Facebook nur eine optionale Angelegenheit in deinem Leben ist. Die Studie der Cyberpsychologen zeigt, dass es Menschen gibt, denen es wichtiger ist, was sie preis geben, als was sie verpassen, und dass sie ihren Weg aus dem Sozialen Netzwerk heraus finden.
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