Dr. Seltsam
Dr. Seltsam in voller Blüte. Bild: Wikipedia | Public Domain

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Die unseriösesten Wissenschaftler der Filmgeschichte

Har, har, harrrr!
3.3.15

Wissenschaftliches Arbeiten folgt für gewöhnlich strengen Zeremonien: Sicherheitsbestimmungen für die Laborarbeit, Peer-Reviews vor der Veröffentlichung und eine grundsolide akademische Ernsthaftigkeit zur Wahrung wissenschaftlicher Präzision und Ethik. In der Fiktion allerdings dürfen sich die Forscher gerne auch einmal größere Schnitzer leisten und ihren mentalen Wirren freien Lauf lassen.

Der unseriöse Wissenschaftler vereint in seinem Wesen gerne Eigenschaften seines bekannteren Bruders, des verrückten Wissenschaftlers. In seiner gutmütigen Form zeichnet er sich durch liebenswerte Schrullen wie Vergesslichkeit oder kindliche Naivität aus. Ist dieser Typus in seinem Wesen jedoch nicht gefestigt oder psychisch von vornherein ein wenig labil, dann gerät er allzu leicht auf die schiefe Bahn und verfällt massenhaft dunklen Mächten wie Sadismus, Größenwahn und einem zwanghaften Herrschaftsdrang. Es heißt schließlich nicht umsonst: Genie und Wahnsinn liegen nahe beisammen.

Dr. Thorkel (Dr. Zyklop)

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Reputations-Index:

5 von 20 möglichen Schrumpfköpfen

Unseriösitätsfaktoren:

Menschenexperimente, Mord, Kaltblütigkeit, Vortäuschung falscher Tatsachen, Kidnapping

Bild: Wikipedia | Public Domain

Verdienst:

Dr. Zyklop (bürgerlich Dr. Thorkel) erlangte sein Ansehen durch biologische Experimente mit Pechblende, wodurch es ihm gelang, Menschen und Tiere auf ein Fünftel ihrer Körpergröße schrumpfen zu lassen. Wissenschaftlich gesehen hat er also einiges auf dem Kasten und könnte sich—würde er seine Projekte gesellschaftlich akzeptierter angehen—durchaus ein gewisses Renommee aufbauen. Unglücklicherweise leidet er jedoch nach mehreren einsamen Jahren in Peru unter extremer Sehschwäche und hartnäckigem Miniaturisierungszwang.

Nachdem er dann auch noch ein paar Sievert zu viel seiner experimentellen Strahlung abgekommen hat, wurde sein geistiger Zustand auch nicht besser. So reagiert Dr. Thorkel hochgradig unentspannt, sobald jemand sein Labor wieder verlassen möchte.

Fazit:

Durch seinen langen Aufenthalt in in einem abgeschiedenen, von Inkamauern umschlossenen Dschungellabor, büßte er verständlicherweise einige soziale Kompetenzen ein. Daran konnte auch die Gesellschaft seines Gehilfen Pedro wenig ändern, dessen Pferd er ebenfalls schrumpfte.

Eines hat er jedoch geschafft: Der kinderlose Dr. Zyklop ist der zwielichtige, geistige Vater von Wayne Szalinski aus „Liebling, ich habe die Kinder geschrumpft".

Dr. Seltsam (oder Wie ich lernte, die Bombe zu lieben)

Reputations-Index:

1 von 5 löcherigen Uraniumfässern

Unseriösitätsfaktoren:

Megalomanie, Faschismus, Führerkult

Verdienst:

Dr. Seltsams akademisches Vermächtnis ist nicht weniger als das Überleben der amerikanischen Nation nach der atomaren Apokalypse in einem Bergwerksstollen. Für dieses Hexenwerk bringt der mäßig rehabilitierte Nazi-Forscher den genialen Vorschlag auf den Tisch, die verbleibenden Menschen in polygynen Lebensgemeinschaften (zehn Frauen pro Mann) mit der Zucht der eigenen Spezies zu beauftragen.

Inwieweit er dabei von seinen persönlichen Interessen geleitet wurde, ist nicht überliefert, seine Initiative sorgt jedoch für großen Zuspruch—insbesondere unter männlichen, amerikanischen Wissenschaftlern. Ausgewählt würden die tüchtigsten und genetisch passendsten Begattungsteams von einem Elektronengehirn. Bevor es jedoch so weit kommt, geht alles so richtig schief.

Fazit:

Dr. Seltsam präsentiert sich uns als die perfekt durchemulsionierte Mischung deutscher Nazi-Raketenforscher mit einer ungesunden Dosis Wernher von Braun, Kissinger und McNamara. Sein völlig autonomer, kaum zu bändigender Hitlergruß-Arm macht die menschliche Karikatur nicht sympathischer. Eine Kolonie polygyner Zuchtmenschen möchte man sich unter seiner Koordination nicht vorstellen.

Frank N Furter (Rocky Horror Show)

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Reputations-Index:

3 von 5 frisch entrosteten Charles Atlas-Kupfermünzen

Unseriösitätsfaktoren:

Mord, Kannibalismus, sexuelle Übergriffe

Verdienst:

Hier ist vor allem das eigene erotische Verlangen der Antrieb für die halbseidenen Experimente des (selbst ernannten) Wissenschaftlers. Furter gelingt es zwar, einen gestählten Bodybuilder namens Rocky zum Leben zu erwecken, doch wird der Toyboy schon an seinem ersten Tag auf unserem Planeten seinem Schöpfer untreu und steigt mit einer dahergelaufenen Vorstadtschönheit ins Bett.

Fazit:

Ein oberflächlicher Transvestit vom Planeten Transilvania, der sich in seinem Forschungslabor den Gespielen seiner feuchtesten Träume erschafft und auch prompt sexuell von ihm betrogen wird. Auch, wenn nicht jeder Physiker oder Humangenetiker ein stilsicheres Fashionvictim sein muss, legt Doktor Furter mehr Wert auf puren Hedonismus als so manche Bachelor-Kandidatin des sehr realen Alptraums Trashfernsehen.

Dr. Clayton Forrester (Mystery Science Theater 3000)

Reputation-Index:

Mysteriöse 300 von 5000 Mad Science-Filmrollen

Unseriösitätsfaktor:

Kidnapping, Weltherrschaftsbestrebungen

Verdienst:

Dr. Forrester—nicht zu verwechseln mit dem Held aus Krieg der Welten—fließt das lebenserhaltende Blut des verrückten Wissenschaftlers durch jede Vene und seine Verdienste für das Depot des Wahnsinns sind zahlreich. Forresters Hauptanliegen ist, nach jahrzehntelanger Forschungsarbeit in weniger bahnbrechenden Themenbereichen nun, einen ganz bestimmten Film aufzutun. Das Problem, den richtigen Film zu finden, kennt jeder Hobbycineast schon von zu Hause, doch Forresters Suche ist noch wesentlich diffiziler. Bei der Rezeption dieses speziellen Machwerks sollen die Menschen ihre geistige Zurechnungsfähigkeit verlieren, damit der Doktor die Weltherrschaft an sich reißen kann. Was sonst.

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Fazit:

Ein umtriebiger Geselle mit der Vision, die Welt mit schlechten Filmen zu unterjochen. Würde er sich mit seinem Vorhaben nicht so unangenehm in die persönlichen Belange der Weltbevölkerung einmischen, wäre er eine wunderbare Koryphäe für die nächste Trash-Film-Movienacht im städtischen Filmmuseum.

Dr. Michael Hfuhruhurr (Der Mann mit den 2 Gehirnen)

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Reputations-Index:

15 von 87 Mikrovolt, fast ohne Netzbrummen

Unseriösitätsfaktor:

Missachtung der Organspendegrundsätze, Missachtung des Nürnberger Kodex

Verdienst:

Auch bekannt als der Mann mit den zwei Gehirnen, ist Dr. Michael Hfuhruhurr eine Art Schleimfetischist, der sein Leben seiner Begeisterung für den wabbeligen Denkapparat unterstellt hat. Das geht so weit, dass er mit einem weiblichen Gehirn eine rein platonische, aber dennoch romantische Gedankenbeziehung eingeht und dieses nach dem Mord an seiner Frau in deren Kopf einpflanzt. Ein fantastischer, aber dennoch nicht unbedingt den allgemeinen Normen und Regeln der Organtransplantation entsprechender, Geniestreich.

Fazit:

Der Neurowissenschaftler Dr. Hfuhruhurr ist nicht unbedingt ein schlechter Mensch, er ist nur einfach extrem einseitig interessiert und unterliegt zusätzlich den faszinierenden Gedankenwindungen seines eigenen Weichteils im Kopf. Auch kann es einem fast schon leid tun, dass der Witwer eine Frau heiratet, die sich als unsympathisch und geldgeil entpuppt, während die Liebe zu der Hirndame auf reinen Gefühlen und der Anziehungskraft ihres Schwabbelkörpers fußt. Wer weiß, vielleicht hätten wir in seiner Lage nicht anders gehandelt?! (Hätten wir vermutlich doch.)

Dr. Josef Heiter (Der menschliche Tausendfüßler)

Reputations-Index:

2 von 15 Rollen frisch verkettetes Chirurgengarn

UnseriösitätsFaktoren:

Entführung, Mord, Missachtung des Nürnberger Kodex, Grausamkeit

Verdienst:

Hauptcharakter in diesem niederländischen Horrorfilm ist der deutsche Doktor namens Josef Heiter. Er hat die fantastische Idee, einen menschlichen Tausendfüßler zu erschaffen, was in Sachen Kreativität schon einmal unschlagbar gut ist. Dafür näht er verschiedene Personen an Kopf und After zusammen, was auch erstaunlich gut funktioniert und er beginnt, sein Geschöpf wie einen kleinen Hund zu trainieren. In der markantesten Szene des Film muss übrigens einen Teil des Tausendfüßlers in den Mund des anderen defäkieren.

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Fazit:

Dr. Heiter macht seinem Namen wenig Ehre und erfüllt das Klischee des gerne verwendeten genialen, aber grausamen, wahnsinnigen und bösartigen deutschen Wissenschaftlers. Ein Charakter, der auch bei James Bond immer eine Bella Figura macht. Mit Klischees wurde in diesem subkulturellen Meisterwerk sowieso nicht gespart: Zwei Junge Frauen bleiben nachts in einer einsamen Gegend liegen, ein mysteriöser Fremder täuscht vor, den Pannendienst zu rufen, er heißt sie in seinem Haus willkommen und betäubt sie mit Rohypnol. Der komplette Spaß wartet noch mit zahlreichen weiteren Anekdoten auf und reizt auf wunderbar originell-schauerliche Weise das gesamte Spektrum des Nischenfilms aus.

Der grüne Kobold (Spiderman)

Reputations-Index:

minus 43 von 2 Hektolitern Spinnensekret

Unseriösitätsfaktoren:

Machtgier, Anstiftung zu Schreckenstaten, Mobilisation einer Untergrundarmee, Mord

Verdienst:

Der grüne Kobold hat der Menschheit leider nicht viel Gutes beschert. Neben unangenehm egozentrischen Experimenten an sich selbst, entwarf er noch verschiedenste andere Scheußlichkeiten, die kein Zoll dieser Welt anstandslos passieren lassen würde. Dazu gehören brennende Granatenkürbisse, Wurfmesser und als Clou ein Demaskierungsgas für Spiderman. Ziemlich uncool, da Spiderman ja nicht nur ein voll süßer Typ, sondern auch noch ein Beschützer der Menschen ist.

Fazit:

Wenn ein skrupelloser, machthungriger und hinterlistiger Geschäftsmann dank eines Serums (selbst gebraut nach einem geklauten Rezept) den Verstand verliert und noch stärker wird, dann ist der Weitergang der Geschichte wohl eher kein Krippenspiel. Der Erzfeind Spidermans ist ein ziemlicher Mistkerl, den kein seriöser Laborleiter in die Nähe seiner Forschung lassen sollte.

Professor Hubert Farnsworth ( Futurama)

Reputations-Index:

Das klingt toll, vielen Dank auch!

Unseriösitätsfaktoren:

Senilität, Weltfremdheit, teilweise gefährlich ausgeprägte Verwirrung

Verdienst:

Professor Farnsworth schleift nicht nur eine lange Spur des Scheiterns hinter sich her, sondern wird zwischendurch auch von dem ein oder anderen Geistesblitz überrascht wie beispielsweise die Was wäre Wenn-Maschine oder das Riechoskop beweisen. Seine absolut unsäglichen Erfindungen sind jedoch in der weiten Überzahl. Dazu gehören der Finglonger Schmusetoaster oder die Todesuhr welche jedoch entweder nicht neu, nervig, unbrauchbar oder einfach schrecklich sind. Schätzungsweise ist keine seiner Kreationen patentiert, da er nach ihrer Fertigstellung und der Verschiffung durch sein extrem heterogen aufgestelltes Zusteller-Team eh schon wieder vergessen hat, woran er gerade so geschuftet hat.

Fazit:

„Good News Everyone! Heute dürft ihr eine Lieferung an den Virus-Planeten Ebola 9 überbringen, den mysteriösen Planeten in den düstersten Ecken der verbotenen Zone." Der unermüdliche Professor aus Futurama, der seine halbseidenen Erfindungen auch in die hintersten Einbahnstraßen des Universums verschickt ist ein klassischer Vertreter des vergreisten Wissenschaftlers, der auf verwirrend autistische Weise nicht mitbekommt, was in seiner Umgebung so vor sich geht. Er mag harmlos aussehen, doch durch seine ausgeprägte Verwirrtheit könnte er auch morgen eine entsicherte Handgranate als stolze Erfindung präsentieren.

Dr. Will Caster (Transcendence)

Reputations-Index:

1 von 5 WiFi-Empfangsstrichen

Unseriösitätsfaktor:

Manipulation und Kontrolle

Verdienst:

Der KI-Forscher Dr. Will Caster wird von einer radioaktiv beschichteten Kugel getroffen und kopiert vor seinem Tod sein Gehirn auf einen Quantencomputer. Digital erwacht braucht er erst mal Internet und mehr Strom, um damit dann lauter Blödsinn zu machen. Eine Heldentat besteht darin, andere Menschen mit Hilfe von Nanopartikeln seinem Willen zu unterstellen. Für die umfassende Allmachts-Science Fiction kopiert sich die technische Singularität auch gleich noch auf weltweit alle Computer.

Fazit:

Die autonome KI hat mit dem Wissenschaftler Caster nur noch wenig zu tun. So wird der eigentlich ziemlich okaye Mensch von seinem eigenen Gehirn in die unangenehme Rolle einer menschenverachtenden Gefahrenquelle gebracht. Dumm gelaufen und zu guter Letzt wurde das Hirn auch noch vollständig missverstanden. So viel Verwirrung kann nicht gut sein, was der Film eindrücklich belegt.

Ein paar Gemeinsamkeiten bringen also alle unseriösen Wissenschaftler mit. Sie sind durch die Bank egozentrisch bis zur Selbstsüchtigkeit, haben wenig Empathie für ihre Mitmenschen und sind nahezu besessen von der Verwirklichung ihrer Visionen. Der perfekte Plot für Filme, in denen dann nur noch die schrulliger Nebencharakter fehlt.

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