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Die klimatisierte Kuppelstadt Dubais wäre eine zementierte Dystopie

Unter einer riesigen Kuppel soll in Dubai eine schicke Konsumwelt entstehen. Doch solche Kuppelstädte haben schon verschiedene Sci-Fi Dystonien geprägt.

von Brian Merchant
14 Juli 2014, 10:51am
Pressebild: Dubai Holdings

Dubai baut gerade die „erste klimatisierte Stadt der Welt“—eine knapp sieben Kilometer lange Mall, überdacht von einer schwenkbaren Kuppel, um die Besucher vor der Sommerhitze zu schützen. Diese „Mall of the World“ soll die spektakulärste Attraktion des sowieso für spektakuläre Attraktionen bekannten Dubais werden. Und schon kurze Zeit später könnte sich diese utopische Fußgängerzone zu einer wahren Real-World-Dystopie entwickeln.

Die Stadtväter von Dubai wollen eine ungefähr 279.000 Quadratmeter große Fläche von der City abteilen und diese mit einer klimatisierten Kuppel überdachen, in der sich 100 Hotels und Apartmentkomplexe befinden sollen, sie sich mit angenehm kühler Temperatur in ein makabres enternainmentgeschwängertes Konsumentenparadies schmiegen.

Pressebild: Dubai Holdings

Massen unterbezahlter Immigranten, die zweifelsohne für den Bau eingespannt werden, dürfen dann zwar durch die Zukunftsvision flanieren, ein bezahlbares Zimmer werden sie dort jedoch nicht finden. Laut UN sind 88,5 Prozent der Einwohner der Arabischen Emirate Ausländer, die meisten Arbeiter, die durch die staatlichen Arbeitsrechte kaum abgesichert sind. Allein in Dubai sind hunderttausende von Migranten beschäftigt, die sich unter nahezu sklavenartigen Bedingungen plagen müssen.

Und mit der Klimaveränderung, die in der Region jetzt schon zu regelmäßigen Rekordtemperaturen führt, nimmt die Schlucht zwischen Arm und Reich oder anders ausgedrückt, den Gekühlten und den Schwitzenden, permanent zu.

Eine klimatisierte Kuppelstadt, die eine glitzernde internationale Attraktion sein soll, könnte in einem völlig gegensätzlichen, häßlichen Spektakel enden. Es mag sein, dass es nicht allzu lange dauert, bis manche verzweifelt herein wollen, was gleichzeitig bedeutet, dass Türsteher oder Sicherheitsbeamte über den Einlassbegehr entscheiden werden.

Wie mein Kollege Alex Pasternack zeigt, hat eine Kuppel über einer Stadt einen ziemlich traurigen Beigeschmack. Es bedeutet, dass etwas draußen gehalten werden muss, auch wenn es sich bei dem Bau um eine überwältigende Verstädterungsmaßnahme handelt. In Dubai sind es die Hitze und die Nicht-Konsumenten, die vor der Tür bleiben. In China ist es die Umweltverschmutzung. In den USA war es Mitte des letzten Jahrhunderts die Kälte.

Kuppelutopie eines Sci-Fi-Illustrators. Bild: Wikimedia | Lizenz: CC BY 3.0

In der Science Fiction sind solche Kuppelbauten gleich dazu da, eine gesamte Welt draußen zu halten, die für die Bewohner wild und unbewohnbar geworden ist und jeden, der auf der falschen Seite des Trennglases lebt zu einer unglücklichen Seele macht.

Abgeschottete Städte sind ein Kernbereich dystopischer Geschichten wie Zardoz, wo eine Zukunft gezeigt wird, in der die Menschen außerhalb zu Wilden geworden sind und die innerhalb des geschützten Bereichs ein ausgefülltes Leben genießen.

Eine weitere Analogie zu den Plänen Dubais ist Flucht ins 23. Jahrhundert (im Original: Logan’s Run), ein Science Fiction-Klassiker aus dem Jahr 1976, in dem die Bewohner in einer abgeriegelten, unterirdischen Stadt leben und allen Konsum- und Technikspielereien frönen können—allerdings ist der Spaß vorbei, sobald die Bürger das 30. Lebensjahr erreichen.

Die Medien haben größtenteils den nötigen ehrfürchtigen Ton ergriffen, der zu solch einer Story gehört—Erst gekühlte Strände, dann Indoor-Ski-Anlagen und jetzt das?! Das verrückte Dubai wieder!—doch diese letzte Entwicklung hat etwas Zynisches an sich.

Die Kuppelanlage ist nicht bloß eine Touristenattraktion mit Wow-Faktor, auch wenn das natürlich dazu gehört. Der Bau hat noch etwas unwahrscheinlich Ausschließendes in einer der eh schon exklusivsten Städte der Welt.

Vielleicht liegt es auch einfach daran, dass wir schon solch perfekte Vorlagen für diese Dystonie haben, dass der Kuppelbau von vornherein zum Scheitern verurteilt ist—und, wie auch immer, Dubai baut das Ding sowieso.

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