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Tech

Mit Oculus Rift auf dem Kopf in einem echten Auto durch die virtuelle Realität

Statt der echten Fahrbahn sahen die professionellen Rennfahrer eine virtuelle Rennstrecke, gaben aber trotzdem in einem realen Ford Mustang ordentlich Gas.

von Johannes Hausen
07 Dezember 2015, 2:40pm

Screenshot: YouTube

Kulturpessimisten hätten sich hier wohl eher nicht ans Steuer gesetzt: Auf einer Teststrecke in Los Angeles fuhren die beiden Profi-Rennfahrer Matt Powers und Ben Collins gerade ein virtuelles Rennen in der echten Welt.

Jeweils mit einer Oculus Rift auf dem Kopf setzten sich beide Fahrer ans Steuer ihrer Ford Mustangs, um zeitgleich auf zwei separaten, aber baulich identischen Teststrecken ihre Runden zu drehen. Die tatsächliche Fahrbahn konnten sie dabei nicht sehen, stattdessen hatten sie eine virtuelle Strecke vor Augen, die mit Hindernissen wie Felsbrocken, Feuer und Wasserfällen gepflastert war. Außerdem sahen beide Fahrer ihren jeweiligen Kontrahenten—denn über die Unreal Engine 4 wurden die Daten der beiden Autos in Echtzeit auf eine gemeinsame virtuelle Rennstrecke übertragen.

Der Produzent des Events, der britische Schmierstoffhersteller Castrol, hat mit dem virtuellen Kopf-an-Kopf Rennen nicht nur einen eindrucksvollen—und ziemlich penetranten—PR-Stunt kreiert, sondern auch einige interessante Ausblicke auf die Zukunft von Virtual Reality geliefert.

So zeigen die „Virtual Racers" das Potential von VR, zwei räumlich getrennte Personen in derselben Realität zusammenzuführen—auch wenn sich die Fahrer in diesem Fall auf demselben Gelände befanden, hätte man sie mittels der verwendeten Technologie auch ortsunabhängig voneinander in dem selben Rennen antreten lassen können. Die kreativen Köpfe hinter der Aktion, Glenn Snyder und Adam Amaral, haben es geschafft, mit Hilfe von physischen, optischen und Laser-Sensoren die Positionen der Autos über den gesamten Rennverlauf mit größtmöglicher Präzision zu tracken und in Echtzeit an die Head-Mounted-Displays der Fahrer auszuspielen.

„Eine der größten Herausforderungen war es, das Problem der Latenzzeit in den Griff zu bekommen und eine notwendige Rekalibrierung beim Tracken der Fahrer auszuschließen", erklärt das Duo. Die bei dem Projekt eingesetzte Technologie sei dieselbe, mit denen auch autonome Autos erfasst werden.

„Am schwierigsten war es, mich wirklich an die virtuelle Umgebung zu gewöhnen und mich fallen zu lassen—einfach Gas zu geben und auf meine Instinkte zu hören anstatt auf mein Hirn. Das ist echt hart, wenn dir dein ganzer Körper sagt, dass das, was du siehst, nicht echt ist, du aber weißt, dass du gerade ein echtes Auto mit hoher Geschwindigkeit fährst."

Der Mensch musste hier der Maschine also gleich auf mehreren Ebenen vertrauen und sich auf eine Situation einlassen, in der wohl das größte Potenzial von Virtual Reality liegt: Eine beliebige Realität mit allen Sinnen wahrnehmen zu können, ohne dass man sich tatsächlich in dieser befindet.