Anzeige
Tanz

In „Pixel“ reagieren digitale Kulissen aus Projection Mapping auf die Bewegungen von elf Tänzern

Die französischen Künstler Adrien M und Claire B verbinden die digitale mit der materiellen Welt und lassen projizierte Formen mit physischen Bewegungen verschmelzen.

von Becky Chung
05 Januar 2015, 4:48pm

©Raoul Lemercier

Alle Fotos: Raoul Lemercier

Die französischen Künstler Adrien M und Claire B verbinden seit über zehn Jahren die digitalen mit den darstellenden Künsten. Das Duo entwirft Kulissen für tänzerische Performances, die nicht gerade zu den traditionellen Bühnenbildern zählen– stattdessen verwandeln sie die Bretter, die die Welt bedeuten, nämlich per Projection Mapping in lebendige virtuelle Umgebungen, die auf für das Publikum überraschende Weise mit den Tänzern interagieren.

>> Pathfinder vereint Coding und Choreographie zu einer dynamischen Tanz-Performance

Das jüngste Werk von Adrien, Computerwissenschaftler und Jongleur, und Claire, Grafik- und Bühnendesignerin, ist eine Show namens Pixel, in der elf Tänzer verschiedene Figuren aus Breakdance, Akrobatik und HipHop miteinander verschmelzen und vor einer dynamischen Kulissen aus Licht und Formen darbieten. Die Künstler sehen Pixel als konsequente Fortsetzung ihres Experiments, die Poesie des menschlichen Körpers mit der erweiterten Realität optischer Illusionen aus Projection Mapping zu kombinieren. „Unser Job ist es, nicht-figurative Geschichten mit abstrakten, minimalistischen grafischen Formen zu verfassen, mit Bewegung als zentralem Erzähl-Instrument“, so das Duo gegenüber The Creators Project.

>> Mit der Software Nagual Dance könnt ihr durch bloße Körperbewegungen Musik erzeugen

Wir haben mit Adrien und Claire darüber gesprochen, wie es ist, Choreographien für digitale Kulissen zu entwerfen und woher sie ihre Inspirationen für Projekte wie Pixel nehmen.

The Creators Project: Wie seid ihr auf die Idee zu Pixel gekommen?

Adrien M / Claire B: Wir arbeiten bereits seit einigen Jahren mit Live-Tanz-Performances in Verbindung mit digitalen Künsten und kreieren Shows, Darstellungen und Installationen. Wir haben eine Software entwickelt, die es uns ermöglicht, grafische Formen auf eine Weise zu manipulieren, dass man sie für echt hält. Wir haben das Tool eMotion genannt. Im Prinzip ist es eine App, mit der man Interaktionen zwischen grafischen Objekten und Informationen aus der echten Welt kreieren kann. Programmiert wurde es in Objective C. Es ist ein auf physikalischen Informationen basierendes Animationssystem. Mit anderen Worten: ein Programm, mit dem du eine grafische Welt aus Objekten (wie Punkte, Linien, Bilder und Videos) definieren, ihre Bewegung festlegen und mit physischen Parametern kombinieren kannst. Außerdem kannst du die Art und Weise organisieren, wie du mit ihnen in Echtzeit interagieren möchtest (z.B. über Sound, Kinect, Wii Remote, Leap Motion etc.).

Die Idee, unsere Arbeit mit HipHop-Tanz zu verbinden, entstand, als wir den Tänzer und Choreografen Mourad Merzouki kennenlernten. Mit ihm teilen wir das Prinzip der optischen Illusion. Es machte uns großen Spaß, unsere Ideen und Grundsätze den Tänzern zu präsentieren und mit ihnen Interaktionsprinzipien zu erforschen.

Welcher kreative Prozess steckt hinter der Kombination von Tanz und Projection Mapping? Was war die größte Herausforderung?

Der kreative Prozess wird primär durch den Bühnenaufbau angetrieben. Wir haben uns entschieden, auf eine transparente Leinwand aus Tüll und auf den Boden zu projizieren, da mit diesen beiden Achsen ziemlich gut räumliche Illusionen und Anamorphosen erzeugt werden können.  

>> Diese Sounds und Visuals begleiten die Bewegungen von Trapezkünstlerin Elena Annovi in der Luft

Ein zweiter wichtiger Bestandteil ist die interaktive digitale Umgebung, in der wir bestimmen, wie die Körper der Tänzer in das Bild kommen und wie sich die digitale Welt mit der materiellen verbindet. Wir arbeiten nie mit Sensoren an den Körpern. Wir kontrollieren die digitale Umgebung per Hand–mit iPads, Leap Motion und Wacom Tablets. Wir arbeiten mit diesen Hightech-Tools auf sehr sensible Weise, wie bei einem Kunsthandwerk. Wir sind so etwas wie Puppenspieler. Die größte Herausforderung besteht darin, mit verschiedenen Tänzern zur selben Zeit zu arbeiten und einen Weg zu finden, mit ihnen zu interagieren.

©Raoul Lemercier

Was wollt ihr den Zuschauern mit dem Werk erzählen?

Unser Job ist es, nicht-figurative Geschichten mit abstrakten, minimalistischen grafischen Formen zu verfassen, mit Bewegung als zentralem Erzähl-Instrument. Wir versuchen jeden Tag diese neue Sprache zu enthüllen, die zum neuen digitalen Medium gehört, das wir benutzen. Wir sind ständig auf der Suche nach dem, was nur durch dieses Medium und kein anderes ausgedrückt werden kann. Uns gefällt die Idee einer erweiterten Realität als imaginärer Raum, der es dir ermöglicht, Tanz auf neue Weise zu betrachten. Es ist eine andere Realität und wir spielen mit ihr. Wir möchten, dass die Leute die Grenze zwischen reeller und virtueller, materieller und imaginärer Welt vergessen. Wirn wollen die Zuschauer überraschen.

>> In die Choreografie eingebundene Roboter ermöglichen euch atemberaubende neue Einblicke in die Kunst des Balletts

Was werden eure nächsten Projekte sein?

Wir arbeiten gerade an einer neuen Show mit fliegenden Tänzern, die in der Luft auf Bilder treffen. Außerdem entwickeln wir optische Illusionen, die auf dem Pepper's-Ghost-Trick aufbauen.

>> Besucht hier die Website von Adrien M / Claire B

>> Besucht hier die Website von Raoul Lemercier für weitere Fotos

©Raoul Lemercier

©Raoul Lemercier

©Raoul Lemercier

©Raoul Lemercier

©Raoul Lemercier

©Raoul Lemercier