Kunst

Der Künstler, der diese psychedelischen Welten erschafft, hat noch nie Drogen genommen

Er erschafft diese Kunstwerke ganz ohne Einfluss von LSD oder Psilocybin—doch das Ergebnis ist das gleiche.

von Laurel Tuohy
19 April 2016, 11:25am

Alchemy Resonance. Digital. Bilder mit freundlicher Genehmigung des Künstlers

Archan Nair erhält täglich etwa zehn E-Mails von Fans, die wissen wollen, welche Arten von Drogen er einnimmt. Manchmal fragen sie sogar, ob sie von ihm LSD oder psilocybinhaltige Pilze kaufen können. Seine Antwort lautet dann meistens „Sorry, Kumpel, ich nehme keine Drogen."

Zwar besitzt er unter Fans der surrealen Kunst bereits Kultstatus, und doch hat Nair, der in Neu Delhi lebt, noch nie LSD oder Psilocybin und auch nicht den traditionellen, indischen Bhang Lassi konsumiert, von denen die Leute glauben, dass sie für seine kreative digitale Kunst verantwortlich seien. Alkohol trinkt er nicht und selbst an einer Zigarette hat er noch nie gezogen.

Stattdessen stützt er sich auf einen Mix aus Meditation, Yoga und Pranayama, um Inspiration für seine Arbeiten zu schöpfen, die angefangen bei Kampagnen für Sony, Nike und Chevrolet bis hin zu Kanye Wests altem Blog bereits überall zu sehen waren.

Trotz seiner bekannten Kampagnen und Kooperationen mit Stars wie Chris Brown oder Lindsay Lohan hört man in der Öffentlichkeit erstaunlich wenig über Archan Nair .
 

Flutterby (featuring Lindsay Lohan). Mixed Media, Fotografie und digital

Das liegt wahrscheinlich daran, dass Nair ein Stubenhocker ist, der lieber Zuhause bleibt und sich bewusstseinserweiternden Konzepten wie der Quantenphysik, luzidem Träumen oder der Fibonacci-Folge zuwendet.

Normalerweise reagieren seine Fans auf die Tatsache, dass er keinerlei Drogen nimmt, um einen psychedelischen Zustand zu erreichen, positiv. Viele sind danach noch neugieriger und wollen mehr über seine Techniken wissen, um zu sie selbst auszuprobieren.

„Manchmal finden die Leute das faszinierender als so manche Drogenstory. Selbst diejenigen, die oft und viele Drogen konsumieren, sind daran interessiert zu erfahren, wie man solch einen Zustand auf natürliche Weise erlangen kann", erzählte Nair The Creators Project.

Devouring the Stars. Digital

„Kunst zu schaffen, ist für mich eine selbstverständliche Erweiterung der Meditation und ein Weg, auf natürliche Weise einen psychedelischen Zustand zu erreichen. Es erfordert aber ein wenig Geduld. Bewusstseinserweiternde Drogen stellen unser Gehirn sofort auf diese gewünschte Frequenz ein. Wir können das auch auf natürliche Weise erlangen, es dauert nur eben länger."

„Für mich ist das eine ganz bewusste Entscheidung. Ich möchte nicht die Abkürzung nehmen. Es geht darum, die Reise zu diesem Zustand zu einem Bestandteil meines täglichen Lebens zu machen. Das ist meiner Meinung nach viel aufregender, als Drogen zu nehmen", so Nair.
 

Nair bei der Arbeit in seinem Atelier, Neu Delhi

Er hat aber keineswegs etwas gegen Leute, die psychedelische Substanzen zu sich nehmen. „Ich kann mir vorstellen, dass es eine wunderbare Erfahrung für die Menschen sein kann. Es bringt sie dazu, sich Fragen über die Wirklichkeit zu stellen und leitet sie und zeigt ihnen, dass es deutlich mehr gibt als wir denken und sehen, mehr als nur die physische Realität, die uns umgibt. Es gibt Dimensionen, die sich uns eröffnen, wenn wir psychedelische Drogen einnehmen. Die Leute sollten diesen Zustand erleben. Wir hängen heutzutage so sehr an dem Physischen und manchen Menschen helfen gewisse Substanzen, sich von alledem frei zu machen."

Moasis. Digital

Der Künstler hat sich jahrelang mit dem Zusammenhang von Realität, Wahrnehmung und Sinn beschäftigt. „Graham Hancock war der erste, der mich echt umgehauen hat. Er schreibt über alte Zivilisationen und erweiterte Bewusstseinszustände."

„Es ist ein ewiger Kreislauf. Sobald man auf einige Fragen eine Antwort gefunden hat, ergeben sich daraus wieder neue Fragen. Man realisiert, dass das Universum wunderschön ist, man trifft dort auf Fraktale, Geometrie und Mathematik. Das alles zu betrachten und darüber nachzudenken, geht über ein normales High hinaus."

„Wenn ich Yoga mache, kann ich mich nach etwa einer halben Stunde von allem Weltlichen lösen und in Gedanken komplett abschweifen. Genau dann kann ich ganz loslassen und beginne zu fühlen, was Realität und was Illusion ist. Nach dem Yoga mache ich noch Pranayama, weil ich dann bereits auf hoher Frequenz vibriere. Durch das Pranayama wird mein Gehirn zu einer Art Satellitenverbindung zu einer noch höheren Vibration, die meinen ganzen Kopf zum Summen bringt", so Nair.

Wer braucht bei solchen Ergebnissen also noch LSD?

Iris Drops. Digital

Hier geht es zu Nairs Webseite.