peinliche gönnung

Wie sich die russische Staatsmacht über ihre Schampus-Kicker lustig macht

In einem Club in Monaco haben Russen 250.000 Euro für Champagner springen lassen. Bleibt nur die Frage: Waren es zwei EM-Versager oder dickbäuchige Herren mit Hang zu dicker Hose?
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EPA Images/Tolga Bozoglu

Den beiden russischen Nationalspielern Alexandr Kokorin und Pavel Mamaev wird vorgeworfen, Unsummen von Geld für Champagner in einem Club in Monaco ausgegeben zu haben. Das Peinliche: Das rauschende Fest soll sich kurz nach dem EM-Aus der Sbornaja abgespielt haben.

Mehrere russische Nachrichtenseiten hatten nämlich behauptet, dass die beiden Spieler in der Nobeldisse Twiga insgesamt 500 Flaschen Armand de Brignac in der Nobeldisse bestellt haben—im Wert von 250.000 Euro. Es gibt auch ein Video von dem berauschenden Fest. Man beachte die russische Hymne im Hintergrund.

Beide Spieler wurden indes von ihren Vereinen in die zweite Mannschaft degradiert und zudem mit heftigen Geldstrafen belegt. Mamaevs Arbeitgeber, der FC Krasnodar, nannte sein Verhalten „unverschämt und inakzeptabel". Kokorins Verein, Zenit St Petersburg, sprach von einer „extremen Enttäuschung" und ergänzte: „Leider finden sich manche russische Spieler in solch skandalösen Situationen wieder, weil ihnen gesunder Menschenverstand fehlt."

Ein Sprecher von Wladimir Putin nannte den Nachtclub-Besuch der beiden Spieler „schamlose Arroganz". Gleichzeitig wies er darauf hin, dass es auch gegensätzliche Berichterstattung gegeben habe.

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Sowohl Mamaev als auch Kokorin haben bestritten, 250.000 Euro für Champagner im Club geblecht zu haben. Kokorin zu Sports.ru: „Irgendjemand hat da seinen Geburtstag gefeiert. Natürlich sieht man überall Flaschen stehen und hört die Hymne, aber warum wird uns dafür die Schuld gegeben?"

Unterstützung unterhalten sie übrigens von Flavio Briatore, dem der Club auch gehört. Er bestätigt die Version der Spieler in einem leidenschaftlichen Instagram-Post: „Die beiden Jungs, Kokorin und Mamaev, waren zum Abendessen mit ihren Frauen da. Nach dem Essen sind sie noch geblieben, um Shisha zu rauchen."

„Es gab eine von Russen organisierte Privatparty. Ein paar dieser Gäste haben Kokorin und Mamaev erkannt und ihnen als Zeichen des Respekts, weil sie Fans sind, Champagnerflaschen bestellt und dem DJ gesagt, er solle die russische Nationalhymne spielen. Dann begannen auch andere Gäste, Flaschen an ihren Tisch bringen zu lassen. Das Lustige ist, dass die beiden nicht mal Alkohol trinken."

Noch lustiger aber ist der Spruch des Sprechers des russischen Untersuchungskomitee:

Разливать доверили другим. Эти бы точно в бокалы не попали…— Владимир Маркин (@VladimirMarkin)July 5, 2016

Übersetzt lautet der Seitenhieb: „(Zum Glück) haben andere eingeschenkt. Die beiden hätten die Gläser eh nicht getroffen."

Wer die Schampusorgie nun bezahlt hat, kann nicht geklärt werden. Beide Versionen scheinen aber glaubwürdig: Stinkreiche, dickbäuchige Russen, die einen auf dicke Hose machen wollen vs. überbezahlte Fußballer, die den Anschluss zur Wirklichkeit verloren haben.