So schmecken Tomaten vielleicht bald wieder wie richtige Tomaten

Im Fertigsalat oder als traurige Deko zum Schnitzel: Ein Stück wässrige Tomate darf nicht fehlen. Das könnte sich jedoch bald ändern.

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31 Januar 2017, 10:00am

Foto von Ruth Hartnup via Flickr

Die meisten waren froh, dass dieses schreckliche Jahr 2016 endlich vorbei war, doch jetzt im neuen Jahr merken alle, die vorher noch voll motiviert waren, dass 2017 auch nicht unbedingt ein Zuckerschlecken wird. Wenn deine Stimmung in letzter Zeit wegen der Gesamtsituation etwas im Keller ist,hier ein paar gute Nachrichten: Forscher haben einen Weg gefunden, wie Tomaten wieder besser schmecken könnten. Ist zumindest ein Anfang.

Vor allem außerhalb der Saison findet man die blassen, wässrigen, faden Tomatenstückchen in Fertigsalaten oder als Teil der traurigen Deko zum Schnitzel mit Pommes.Und obwohl sie so gar nicht wie eine richtige, perfekte Tomate schmecken, bekommt man diese bemitleidenswerten Imitate überall. Doch zum Glück kann die Wissenschaft jetzt etwas dagegen tun.

In einer vor Kurzem in der Fachzeitschrift Science veröffentlichten Studie hat eine Gruppe von Wissenschaftlern unter Leitung von Forschern der University of Florida die genetischen Merkmale perfekter, schmackhafter Tomaten herausgefunden. Für die umfangreiche Studie untersuchten die Forscher fast 400 Tomatensorten – von süßen kleinen Kirschtomaten bis hin zu ulkig aussehenden alten Sorten. Und die Ergebnisse könnten den Tomatenbauern helfen, endlich wieder leckere Tomaten zu züchten.

„Die handelsüblichen Tomaten sind zwar unglaublich robust, aber nicht geschmackvoll", heißt es in der Studie. „Alte Sorten hingegen haben einen intensiverenGeschmack und eine Süße wie früher."

Die Forscher haben die Genome von 398 verschiedenen Tomatensorten sequenziert. Dann züchteten sie 160 Sorten und gaben sie an 100 Studienteilnehmer zum Kosten, die die Tomaten nach Geschmack bewerteten. Die Forscher schauten sich dann das Erbgut der beliebtesten Tomaten an und konnten so herausfinden, welche genetischen Eigenschaften den Tomaten den optimalen Geschmack und Duft verliehen. Wie sich herausstellte, sind Tomaten gar nicht mal so einfach gestrickt wie Ananas oder Bananen: Bei diesen Obstsorten ist vor allem eine chemische Verbindung für den Geschmack verantwortlich, bei Tomaten hingegen entsteht der Geschmack durch ein komplexes Zusammenspiel verschiedener Verbindungen.

„Das wirklich Spannende beim Essen ist der Geruch", meinte eine der Autorinnen der Studie, Denise Tieman, gegenüber der Los Angeles Times. „Beim Kauen gelangen die Aromaverbindungen in unser Geruchssystem und erst dadurch schmeckt Essen lecker."

Außerdem konnten die Forscher so herausfinden, was bei so vielen Tomatensorten im Supermarkt falsch läuft. Die heutige Standard-Tomate ist entstanden, weil Bauern feste Tomaten züchteten, die widerstandsfähig gegen Schädlinge, eine schöne Farbe haben sollten und einen langen Transport und längere Zeit im Supermarkt überstehen sollten. Und dabei ist der Geschmack auf der Strecke geblieben.

Dank der neuen Forschungsergebnisse aus Florida können die Züchter Pflanzen mit Eigenschaften wählen, aus denen bessere und vielleicht so gar vollkommen neue Tomatensorten für verschiedene Geschmacksvorlieben entstehen. Diese Forschungsarbeit wäre für Tomatenzücher zu teuer und zu zeitintensiv, die Studie ist also ein kleines Geschenk an die Züchter.

„Es ist wie ein molekularer Werkzeugkasten, meinte Harry Klee, ein weiterer Co-Autor der Studie, gegenüber von The Verge. „Damit haben wir einen Weg gefunden, wie man den Geschmack der Tomaten um einiges verbessern kann."

Und so wird der imaginäre Staffelstab jetzt an die Bauern weitergereicht: Jetzt liegt es an ihnen, daraus bessere Tomaten zu machen.Die Forschungsergebnisse nützen allerdings vor allem den Landwirten, die ihre Produkte in der Region verkaufen und sie nicht über weite Strecken transportieren müssen, trotzdem ist es eine kleine Hoffnung auf qualitativ bessere Tomaten.

Mit leckereren Tomaten schmecken auch der Salat oder das Sandwich gleich besser – und das wäre doch wenigstens etwas.