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Drogen

Ein UN-Bericht zeigt, wie Frauen Drogen konsumieren

Wie high eine Frau vom Koksen wird, hängt vom Menstruationszyklus ab. Und andere Unterschiede, die dazu führen, dass die Drogenpolitik bei Frauen neu gedacht werden muss.

von VICE Staff
02 März 2017, 3:18pm

Wie sich eine halbe Ecstasy-Pille auswirkt, lässt sich im Vorhinein schlecht sagen. Zu viele Faktoren spielen eine Rolle: Körpergewicht, die tatsächliche Menge MDMA in der Pille, wie viel Alkohol man vorher getrunken hast und in welcher Umgebung man ist. Und eben auch, ob man ein Mann oder eine Frau ist.

Jedes Jahr veröffentlicht das International Narcotics Control Board (INCB) im Auftrag der UN einen Bericht über den globalen Drogenhandel und -konsum. Die Grundlagen des Berichts sind Forschungsergebnisse, Entwicklungen und Beobachtungen des INCB im vergangenen Jahr. Dieses Jahr ruft das INCB die Nationen dazu auf, die Todesstrafe für Drogendelikte abzuschaffen und Cannabis nicht als Genussmittel zu legalisieren. Die UN hat vor Jahrzehnten festgelegt, dass Weed verboten gehört, und hält bis heute unbeirrt daran fest. Aber vor allem ruft das INCB die Nationen auf, sensibler im Umgang mit dem Drogenkonsum von Frauen zu werden.

"Women and drugs" ist dieses Jahr der Schwerpunkt des Berichts. Ein Drittel der Drogenkonsumenten sind Frauen. Doch bisher wurde auf die Unterschiede im Drogenkonsum von Frauen und Männern in der Suchtbehandlung, Drogenpolitik und Forschung zu wenig Rücksicht genommen, urteilt der Bericht.

Cannabis, Kokain, Heroin, Crystal Meth und Medikamente

Laut INCB sind Frauen im Schnitt älter als Männer, wenn sie anfangen, Drogen zu nehmen – außer bei Crystal Meth und Heroin. Die Gründe für Drogenmissbrauch seien bei Frauen und Männern ähnlich: Experimentierfreude, Gruppenzwang oder Entspannung. Frauen würden aber auch häufig von ihrem Partner in die Drogen eingeführt – bei Heroin setzen besonders oft die Partner den Frauen oder Mädchen ihre erste Spritze. So wie bei der 30-jährigen Irene aus Berlin, die VICE erzählt: "Ich war damals 15 und er 19. Statt mich in die schönen Dinge einer Beziehung einzuführen, wie Sex oder Pärchenurlaub, hat er mir damals Heroin gespritzt."

Wenn Frauen mit dem Konsum von Cannabis, Opioiden oder Kokain angefangen haben, steigern sie ihre Dosen schnell und landen auch rascher in der Abhängigkeit, so der Bericht. Heroin konsumieren Frauen allerdings in kleineren Mengen und für kürzere Zeit als Männer – und spritzen es sich weniger oft.

Das INCB berichtet weiter, Frauen würden häufiger verschriebene Medikamente wie Schlaf- und Beruhigungsmittel missbrauchen – mit dem Alter ansteigend und am häufigsten in ihren Dreißigern. In Deutschland sterben mehr Frauen als Männer an einer tödlichen Überdosis von Medikamenten (56 Prozent der Verstorbenen sind weiblich) so der Bericht. Als besonders gefährdet für Drogenmissbrauch und -abhängigkeit sieht das INCB Gefängnisinsassinnen, Sexarbeiterinnen und lesbische Frauen.

Drogen und Menstruationszyklus

Studien hätten außerdem gezeigt, dass das Drogenerlebnis einer Frau (und das Erholen davon im Anschluss) von Hormonen, dem Menstruationszyklus, der Fruchtbarkeit, Schwangerschaft und der Menopause beeinflusst werden. So reagiert der Körper je nach Zyklusphase unterschiedlich stark auf eine Droge. Frauen in der Lutealphase, die direkt auf den Eisprung folgt, gaben an, von Koks weniger high zu sein als Frauen in der Follikelphase (vor dem Eisprung).

Die UN fordert die Nationen jetzt auf, Drogenforschung und -politik stärker geschlechtsspezifisch zu betreiben. Dafür soll auch mehr Geld in die gezielte Suchtprävention für Frauen und die medizinische Versorgung von drogenabhängigen Frauen fließen.

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