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Food-Blogger

Wir vertrauen dünnen Food-Bloggern mehr als dicken

Neue Forschungsergebnisse der Cornell University zeigen, dass wir, wenn wir durch Food Blogs stöbern, nach Kriterien wie der Erscheinung des Bloggers beurteilen, wie gesund die Rezepte sind.
Phoebe Hurst
London, GB
29.9.15
Foto von Alpha via Flickr

In der Zeit der klobigen Wordpress-Einträge ist der Food-Blogger zu einer umstrittenen Figur aufgestiegen, die mit ihrer zu großen Kamera herumläuft und den Ruf eines Restaurants mit einem einzigen frechen Post an die Legionen von loyalen Lesern zerstören kann. Aber jetzt tut nicht so, als hättet ihr keine #foodinspo-Blogs in eurem Browser als Lesezeichen gesetzt. Das Moussaka von letzter Woche hättet ihr ohne den sehr informativen Post vom „begeisterten Foodie" aus München nie hingekriegt.

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Egal, welche Meinung ihr zu Food-Blogs vertretet, wenigstens können wir stolz sagen, dass wir die Beiträge der Blogger ausschließlich auf Basis ihres Wissens über Essen und ihrer Kochkünste beurteilen. Und vielleicht noch ihrer Rechtschreibung und Grammatik.

Dachtet ihr. Eine neue Studie zeigt, dass wir als Kriterien zur Beurteilung, wie gesund die Rezepte eines Food-Bloggers sind, nicht die Gerichte oder vielleicht die Fotos herziehen, sondern die äußerliche Erscheinung der bloggenden Person.

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In einem Experiment der Fakultät für Kommunikationswissenschaften der Cornell University wurden 230 Studienteilnehmer nach dem Zufallsprinzip in zwei Gruppen eingeteilt. Beiden Gruppen wurden die gleichen Bilder von Mahlzeiten gezeigt. Darunter befanden sich Bilder von grünem Salat mit Croutons, von Quesadillas mit schwarzen Bohnen und Käse und von Rindfleisch mit Gemüse.

Zu jedem Foto gab es ein keines Bild vom vermeintlichen Autor des Blogposts. Der einen Gruppe wurde jedoch ein Foto des Bloggers vor dem Gewichtsverlust gezeigt, während die andere ein Foto nach dem Gewichtsverlust zu sehen bekam.

Die Teilnehmer wurden gebeten, zu beurteilen, wie gesund sie das Gericht auf dem Foto auf einer Skala von ein bis sieben einschätzen würden.

Dabei ließ sich Folgendes beobachten: Die Probanden, die ein Foto einer übergewichtigen Frau sahen, nahmen die Gerichte als weniger gesund wahr als die, die das Foto einer dünnen Food-Bloggerin sahen.

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Jonathon Schuldt, der Assistenzprofessor der Kommunikationswissenschaften an der Cornell University und leitender Autor der Studie, erklärte: „Wenn wir im Internet nach Gesundheitsinformationen suchen, gibt es viele Auslöser, die unsere Wahrnehmung auf eine Weise beeinflussen, der wir uns nicht immer bewusst sind. Ein Bewusstsein über diese Beeinflussung könnte uns dabei helfen, uns besser in Meer von Gesundheitsinformationen online zurechtzufinden."

Im Artikel zur Studie, der in der Fachzeitschrift Health Communications veröffentlicht wurde, stand, dass das Aufdecken dieser Vorurteile uns dabei helfen könnte, „zu vermeiden, von Ernährungsinformationen beeinflusst zu werden, nur weil sie von jemandem gepostet wurden, der dünn und nicht dick ist."

In einem zweiten Experiment stellten die Forscher zu den Bildern zusätzlich Informationen über den Kalorien- und Fettgehalt der Mahlzeit zur Verfügung. Trotz der Tatsache, dass der Nährwert schwarz auf weiß neben dem Foto stand, ließen sich die Teilnehmer immer noch vom Aussehen der Person auf dem Foto beeinflussen.

„Wir stellten fest, dass sich die Probanden immer noch stark vom Körpergewicht des Empfehlenden beeinflussen ließen, auch wenn wir Nährwertangaben zur Verfügung stellten, die für die gesundheitsbezogene Qualität des Essens viel relevanter sind", sagte Schuldt.

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Um die Vorurteile der Probanden noch weiter auf die Probe zu stellen, veränderten die Forscher den Fett- und Kaloriengehalt neben den Fotos und sie zeigten manchen beispielsweise einen bis zu drei Mal höheren Fettgehalt. Von diesen Informationen ließen sich die Testpersonen genauso beeinflussen wie vom Körpergewicht der Food-Blogger—egal wie gesund die Gerichte wirklich waren.

Schuldt fügte hinzu: „Voreingenommenheit und Vorurteile bezüglich des Gewichts—die in unserer Gesellschaft so grassierend sind—können sich dahingehend ausweiten, dass sie sich nicht nur auf die Schlüsse, die wir über Leute ziehen, sondern auch auf die Schlüsse, die wir über Objekte, die wir mit ihnen in Verbindung bringen, ziehen, auswirken können."