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Schwarze müssen in Berliner Kneipe draußen bleiben

Kreuzberg ist vorgeblich das multikulturelle Herz Berlins. Ein Kneipenbetreiber in diesem vermeintlich liberalen Stadtteil hat schwarzen Menschen nun Hausverbot erteilt, da in seinen Augen jeder Schwarze ein Dealer ist.

Gizem Eza

Der Görlitzer Park ist eigentlich ein idyllischer Fleck in Kreuzberg. Doch seit der Problematik rund um den besetzten Oranienplatz und die okkupierte Gerhart-Hauptmann-Schule ist auch der Park in den Blickpunkt der Öffentlichkeit gerückt und wird von der Berliner Boulevardpresse als „Drogenhölle“ tituliert. So wurde berichtet, dass erst vor Kurzem Kleinkinder beim Spielen Kokain gefunden haben und zwei Männer ausgeraubt und zusammengeschlagen wurden.

Soweit so populistisch, doch für viele afrikanische Flüchtlinge, die unter anderem aus dem Kongo, Senegal oder Sudan stammen und in Deutschland keiner Beschäftigung nachgehen dürfen, ist illegaler Drogenhandel im 14-Hektar-Park tagtäglich die einzige finanzielle Chance.

Kneipier Günther Liesert, der seit 48 Jahren die Kneipe Liesert‘s Falckensteiner in unmittelbarer Nähe des Parks betreibt, hat dies dazu veranlasst, dem Berliner Kurier folgendes Statement zu geben: „Das hat alles schlimme Ausmaße angenommen. Ich bin kein Rassist, aber ich habe mich dazu entschlossen, dass Schwarze bei mir in der Gastwirtschaft Hausverbot haben, weil die Schwarzen hier so viele Drogen verkaufen.“ Eine simple Rechnung, die der Gastronom da präsentiert. Da alle Dealer schwarz sind, schert er alle schwarzen Menschen über einen Kamm und erteilt ihnen Hausverbot.

Natürlich kann man verstehen, wenn die Restaurants, Bars und Kneipen mit den Drogengeschäften nicht in Verbindung gebracht werden wollten—doch solch ein Statement ist Rassismus in Reinform.

Ich beschloss deshalb, als Halb-Schwarze in diese Kneipe zu gehen, um Günther Liesert persönlich zu fragen, was denn der Scheiß soll, oder zu sehen, ob er mich wegen meiner Hautfarbe gleich vor die Tür setzt.

Mit einem mulmigen Gefühl betrat ich Liesert‘s Falckensteiner. Hinter dem Tresen konnte ich Liesert bereits erkennen—ein älterer Mann mit dickem Bauch und Hornbrille. Er plauderte fröhlich mit seinem einzigen Gast, beide rauchten und tranken Bier. Mit einem „Guten Tag, ich würde gerne etwas trinken“ setzte ich mich direkt an den Tresen, bestellte eine Fanta, erklärte ihm, weshalb ich gekommen war und fing an, Fragen zu stellen. Die Verwunderung der beiden Männer über meinen spontanen Besuch am Nachmittag war spürbar.

Günther machte mir gleich klar, dass er keine Lust auf ein Interview hat und ihm die Sache „mit den Schwarzen“ zwar leidtat, er aber in seiner Situation keine andere Möglichkeit sieht, als jedem Schwarzen Hausverbot zu erteilen. Ganz schön konsequent, der Günther. Als Rassist würde er sich aber nicht bezeichnen, schließlich hätte eine seiner Mitarbeiterinnen auch mal einen Schwarzen als Freund gehabt, und bevor die Dealerei losging, hatte er ab und zu auch mal einen schwarzen Gast in seiner Kneipe.

Ich musste tief durchatmen. Ich sagte ihm, dass er wohl rassistisch ist, weil er davon ausgeht, dass jeder schwarze Mann mit Drogen dealt, und fragte, wieso er nicht ein personenbezogenes Hausverbot erteilt. Man könne doch nicht erkennen, wer genau zu „denen“ gehört und wer nicht, deswegen müssten halt alle draußen bleiben. „Was ist mit Roberto Blanco?“, fragte ich.

Stille.

Langsam begann ich, Günther und seinen Kumpel, der immer noch Bier trank, zu bemitleiden. Ich versuchte, Günther zu erklären, dass seine Maßnahme menschenverachtend sind—doch es gab keine Einsicht. Ich wollte auch nichts mehr wissen. Höflich bedankte ich mich für die Fanta und dafür, dass ich überhaupt in die Kneipe durfte. Er würde zwar verstehen, dass es unfair ist, aber man müsste eben Abstriche machen, sagt er mir noch, als ich die Kneipe verließ.

Draußen beschloss ich, noch durch den Görlitzer Park zu laufen, um herauszufinden, ob der ein oder andere Dealer Günther und sein Lokal kannte. „Ich wollte mir dort mal Zigaretten kaufen, aber der Mann hat mich rausgeschmissen. Ich wusste den Grund nicht“, erzählte mir einer. „Wir sind daran gewöhnt, das ist nichts Neues hier“, sagte ein anderer. Selbst das vermeintlich liberale und mulitkulturelle Kreuzberg scheint also nicht mehr vor Rassismus im Alltag gefeit ...