Diese Methoden helfen, sich Filme bei der Viennale auszusuchen

Alle Jahre wieder findet man sich zwischen der schieren Masse an geilen Festivalfilmen und der eigenen Ahnungslosigkeit wieder und vor allem nicht zurecht. So knackt ihr mit Leichtigkeit das diesjährige Programm!
19.10.16
VICE Media

Es ist wieder soweit. Ich sitze vor diesen hunderten bunten Kacheln voller exotischer Titel im Viennale-Programm und habe, wie viele meiner cinephilen, zelluloidzernagten Zeitgenossen, in den meisten Fällen einfach null Ahnung, was das für Filme sein sollen.

Wie besagte Zeitgenossen lasse ich mir diesen Umstand natürlich nur äußerst ungern anmerken und lege stattdessen den Finger nachdenklich an den gespitzten Mund, um mein Wohlwollen darüber auszudrücken, dass diese oder jene Retrospektive ENDLICH beim Festival gezeigt wird. Tatsächlich fühle ich mich dabei aber wie ein "I have no idea what I'm doing"-Hund und will doch nur die echten Entdeckungen des Programms von den Kommerzstreifen unterscheiden, die eh jeder sehen will, sofort ausverkauft sind und zwei Monate später sowieso regulär ins Kino kommen.

Die Beschreibungen der Filme im Programmheft sind da ein erster Anhaltspunkt; aber gleichzeitig sind sie auch literarische Texte, die den besprochenen Film prosaisch umrahmen und nicht so wirklich den Inhalt wiedergeben. Also machen wir—"wir", die das Kino vor lauter Projektionen nicht mehr sehen—es uns einfach: Keiner wird jemals mit Sicherheit wissen, welche Filme im Programm die besten oder hohe Kunst sind! Man kann genauso gut eine der folgenden genialen Methoden zur Hand nehmen, um sich die Last des Auswahlverfahrens abzunehmen.

"DART HOUSE"

Ja, die erste Methode ist extrem aufgelegt, auf dem Titelbild des Artikels abgebildet und repräsentiert überhaupt relativ entzaubernd das Fundament dieser Wahlverfahren hier. Das Prinzip dahinter heißt Zufall. Wenn ihr euch also einen Carpenter schießen wollt, dann auf in das nächste Pub oder in die Mancave des Freundes mit dem durchtrainierten Unterarm, der mit Zielscheiben und Darts-Pfeilen volltätowiert ist. Das Programm wird schnell auf die Darts-Scheibe gepinnt und wie bei The Deer Hunter ist jeder Schuss ein Ticket—außer ihr zielt so richtig mies, dann müsst ihr zuhause bleiben und die Sachen illegal herunterladen. "Di Di Mau!"

"Suchleisten-Roulette"

Hier wird die integrierte Suchfunktion auf der Viennale-Programmseite utilisert. Gib einfach dein Lieblingswort in der Leiste an oder tippe ganz assoziativ ein, was dir gerade im Kopf herumschwirrt. Der Film, der dir dann als Suchergebnis angezeigt wird—keine Ahnung, wie der Logarithmus bei so Profanem funktioniert, aber lass es uns herausfinden!—, ist der Gewinner. Ob das nun die österreichische Produktion Stille Reserven oder ein netter italienischer Nachkriegsstreifen ist, soll, muss und darf uns egal sein. Einfach Freud'sches Tippen, schnelles Zuschlagen und gleich Karten sichern.

"Kevin Baconing it"

Vielleicht kann euch auch der Mann mit dem schönsten Nachnamen dabei helfen, das Viennale-Programm zu entschlüsseln. Das ist etwas zeitaufwendiger, dafür umso unterhaltsamer. Ihr nehmt einfach immer die allererste Person, die im Cast des Viennale-Films steht und gebt sie bei dem Oracle of Bacon ein. An diese Suchmaschine erinnert ihr euch vielleicht noch aus den Kinderschuh-Zeiten des World Wide Webs beziehungsweise ist euch womöglich das "Kleine-Welt-Phänomen"—dass man jede Person auf der Welt über sechs Ecken oder weniger kennt—ein Begriff.

Der Darstellende, der am wenigsten cineastische Schritte bis zu Kevin Bacon braucht, hat gewonnen und du musst auf der Viennale alle seine oder ihre Filme schauen. Bacon hat gesprochen—mehr "Internet" geht echt nicht. OK, vielleicht mit Nicolas Cage, aber das ist im Viennale-Kontext sogar uns zu viel. Aaron Purvis und sein Dark Night sind abgesehen von der Batman-Thematik mit 3 kurzen Schritten schon einmal ein guter Tipp.

"FuNationalism"

Nein, damit meine ich nicht, dass man nur noch Peter-Alexander-Musicals und Prinz-Eugen-Dokus im Keller und unterm Reichsadler schauen soll—so jemand hätte wohl auch nicht viel Spaß auf der Viennale. Stattdessen muss man sich einfach für ein ansprechendes Kino-Land entscheiden. Sagen wir, du nimmst Japan, dann darfst du nur Filme aus diesem Land anschauen—wie in diesem Fall die kleine feine Doku Furusato, in der der Naturbegriff der Japaner zerlegt wird. Dazu kämen noch die Emo-Love-Power von Romansuoder Kaze nu nureta onna. Frankreich nehmen nur Lulus (und ja, Godard ist das cineastische BuzzFeed der Bobos, wir haben es hiermit gesagt).

"Nomen Est Omen"

Hierfür geht ihr einfach auf die Viennale-Seite mit den dutzenden diesjährigen Gästen, drückt "Steuerung+F" und probiert solange Vornamen von Familienmitgliedern, Liebhabern oder Haustieren durch, bis ein dazu passender Gast darauf anspringt. Der dazugehörige Film oder die Reihe der glücklich gefundenen Personen bestimmt dann dein Programm, gratuliere! Selbst Schuld und auch bisschen geschummelt, wenn ihr "Patti" eingebt, Zwinkersmiley.

Screenshot von www.viennale.at

"Knapp daneben"

Das ist eine meiner Lieblingsmethoden für die großen Viennale-Kinoentscheidungen. Sie besteht darin, den Übersichtsplan der Festivalfilme durchzugehen und sobald du auch nur irgendwas zu kennen glaubst—Titel, Regisseur, Hair-Stylist von Johnny Depp—, nimmst du direkt den Film darunter. So wird aus Manchester by the Sea oder La La Land , die man irgendwie so wabbelig im Kopf hat von diversen Filmschwerpunkten der letzten Wochen, plötzlich Beautiful aus Hong Kong oder L'Avenir von Mia Hansen-Love. Das ist sogar für Filmverständigere spannend.

"Walken Alone"

Die Methode wollte ich ursprünglich "Coole Sau" nennen, aber Wortwitze gewinnen immer. Man kann nämlich auch auf Nummer sicher gehen und ausschließlich zu den Viennale-Tributfilmen von Christopher Walken gehen.The Deer Hunter haben wir eh schon erwähnt, aber auch The Dead Zone oder The Addiction machen diese Wahlmethode zu einer sehr vernünftigen.

Außerdem ist Christopher Walken der wahrscheinlich beste Mensch der Welt und hat uns mit diesem Zitat gesegnet: "None of us are getting out of here alive, so please stop treating yourself like an after thought. Eat the delicious food. Walk in the sunshine. Jump in the ocean. Say the truth that you're carrying in your heart like hidden treasure. Be silly. Be kind. Be weird. There's no time for anything else."

"Verlosung"

Die unoriginellste, aber auch effizienteste Form der Filmauswahl ist aber wahrscheinlich immer noch die Teilnahme bei unserem Gewinnspiel. Es ist nicht kreativ, aber wer ist das schon. Immerhin habt ihr ja keinen Film gemacht, sondern wollt nur einen anschauen. Also, los!

Wir haben 5x2 Karten für Nirvanna the band the show (23.10., 16:00, Metro) und 2x2 für die wunderbar politisch phallische Doku Weiner (22.10., 15:30, Gartenbaukino). Dann gibt es noch jeweils 1x2 Tickets für Dark Night (22.10., 18:00), Operation Avalanche (23.10., 23:00), Goksung (24.10., 23:00), Junun (28.10., 23:30) und The Addiction (30.10., 23:00), auch alle im Gartenbaukino. Schreibt uns einfach eine Mail an "win@vice.at" mit dem Film eurer Wahl als Betreff und erklärt uns, wie ihr eigentlich Filme im Viennale Programm aussucht!

Josef auf Twitter: @theZeffo