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So landest du in drei Klicks immer bei Hitler

Ein Wikipedia-Spiel erobert das Internet. Wir erklären dir, wie es geht.

Daniel Frevel

Daniel Frevel

Titelfoto: imago | Entertainment Pictures

Das Phänomen des Wikipedia-Holes kennt so gut wie jeder. Du schaust etwas im Onlinelexikon nach, sagen wir mal, das amerikanische Wahlsystem, weil du diesen Irrsinn endlich begreifen willst. Ach, aber in Absatz zwei gibt es einen Link, der irgendwie dann doch spannender ist, als Wahlmänner. Du klickst, dann auf einen weiteren, dann wieder auf einen... Und plötzlich sind drei Stunden vergangen und du liest deinem Mitbewohner einen Artikel über die R&B-Karriere von Bruce Willis vor.

Wikipedia hat dich in ein Loch gesogen. Man erwacht daraus ähnlich desorientiert wie aus einem K-Hole: Man hat Abgründe gesehen, weiß nicht, wie viel Zeit vergangen ist und schwört sich, dass es einem nie wieder passiert. Aber beim nächsten Mal, wenn man den vorletzten Bundespräsidenten googelt, ist man Stunden später wieder bei sowas gelandet.

Jetzt haben gelangweilte Menschen einen Weg gefunden, daraus einen Sport zu machen. Das Prinzip ist einfach. Du startest mit einem beliebigen Wikipedia-Artikel und musst, indem du ausschließlich auf die blauen Links innerhalb des Artikels klickst, möglichst schnell auf den Wikipedia-Eintrag von Hitler kommen. Wenn du alleine bist, kannst du gegen die Uhr spielen, nach dem Motto: Schaffe ich es, mich in zwei Minuten von "Tyrannosaurus Rex" zum "Tyrannen des deutschen Reichs" zu klicken? Wenn du gegen eine Freundin oder einen Kollegen antrittst, gewinnt der, der mit weniger Klicks bei Hitler ist. Super, um Zugfahrten/Schulstunden/Arbeitstage totzuschlagen. Und wenn man Schnäpse als Strafe für die Langsamen einbaut, könnte das Ganze auch als ein halbwegs intellektuelles Trinkspiel fungieren.

Wie aber funktioniert das praktisch? Hier ein Fallbeispiel: Von "Filzläusen" zu "Hitler".

Schritt 1:

Wir beginnen mit dem Eintrag zu "Filzlaus". Um auf Hitler zu kommen, lohnt es sich nach Begriffen zu suchen, die etwas mit Deutschland zu tun haben könnten, wie zum Beispiel dem Eintrag zu "Apotheke".

Sieht Hitler doch schon recht ähnlich: eine Filzlaus. | Foto: Screenshot Wikipedia

Schritt 2:

Beim Apothekenlogo finden wir den Link zum Artikel über "Runen".

Ein sehr deutsches Zeichen: Das "Apotheken A" | Foto: Screenshot Wikipedia

Schritt 3:

Von Runen ist es nicht mehr weit zur "Hitlerjugend".

Falls ihr vergessen habt, eure Großeltern danach zu fragen, hier ein paar Infos zur Hitlerjugend. | Foto: Screenshot Wikipedia

Schritt 4:

Und ta-dah:

Sie haben ihr Ziel erreicht... | Foto: Screenshot Wikipedia

Du wirst überrascht sein, wie schnell man im deutschsprachigen Internet bei Hitler landet. Profi-Tipp: Als ersten Klick auf deutsche Ortschaften, Personen oder sogar deutsche Gerichte klicken. Von dort ist es nicht weit zum Eintrag zu Deutschland, und somit zu "nationalsozialistischen Diktatur" und deren Frontmann. Natürlich muss nicht immer Hitler das Endziel sein. Auch Sponge Bob oder Bob Ross eignen sich als Finallinie. Aber Hitler ist nicht schlecht für den Einstieg. Auch Anfänger klicken sich in drei-vier Spielzügen zu ihm durch. Wenn man eines von diesem Spiel lernen kann: Im deutschsprachigen Internet führen alle Wege zu Hitler.

Und hier noch ein paar Beispiele, wie ihr das Spiel aufpeppen könnt:

Der Klassiker

Zwei Leute treten an zwei Endgeräten gegeneinander an. Man einigt sich auf einen Startartikel und dann geht's los. Wer nicht weiß, wo er anfangen soll, dem hilft die Option "zufälliger Artikel", die einen Eintrag aus den Tiefen Wikipedias vorschlägt. Diese findest du in der linken Leiste der Seite.

Die Artikel-Lotterie findest du beim vierten Punkt von oben | Foto: Screenshot Wikipedia

Diese Ausführung des Spiels ist übrigens schon so beliebt, dass es dazu "Lets Play"-Anleitungen auf Youtube gibt.

Als Onlinespiel

Du sitzt allein zuhause und hast niemanden zum Spielen? Hier kannst du gegen Wikipedia-Pros aus aller Welt antreten.

Leider bisher nur auf Englisch: The Wiki Game | Foto: Screenshot The Wiki Game

Ein Zufallsgenerator weist dir den Start- und den Zielbegriff zu und ein Countdown sorgt für den nötigen Druck. Das Beste: Du spielst online gegen anonyme Gegner und landest nach jeder Runde, die jeweils 115 Sekunden dauert, auf einer Rangliste. Na, wer kommt am schnellsten von Ipod auf Litauen, oder von Pennsylvania auf Schlafentzug?

Das Trinkspiel:

Wir wissen schon: Ihr braucht keine besonderen Kreativitäts-Hilfestellungen, wenn es darum geht, ein Spiel in ein Besäufnis zu verwandeln. Aber hier ein kleiner Trink-Anstoß. Nehmt als Siegeskriterium nicht die Geschwindigkeit, sondern die Anzahl der Klicks vom Start bis zum Ziel. Die Verlierer müssen für jeden Extra-Link, auf den sie geklickt haben, einen Kurzen trinken.

Das Beste: Dieses Trinkspiel macht kein schlechtes Gewissen. Immerhin hast du deine Zeit auf einer Wissensplattform versoffen. Du hast etwas für deine Bildung getan. Und weißt jetzt wichtige Dinge. Zum Beispiel alle Titel von Kim-Jong-Il oder wie viele Leute beim Sex gestorben, oder durch Kokosnüsse umgebracht wurden. Viel Spaß!