Die unbekannte Seite des Iran

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Die unbekannte Seite des Iran

Ein wilder Mix aus Hidschab, Nasen-OPs und Lippenstift.
13.12.15

Esfahans Bazar am frühen Morgen

Wenn man im Westen etwas über den Iran liest oder hört, stehen die Chancen gut, dass dabei die Schlagworte Atomprogramm, Hinrichtung, Verfolgung Homosexueller oder Anti-Israel-Rethorik fallen. Das trifft auch durchaus zu, aber es ist noch lange nicht alles.

Gleichzeitig ist das Land nämlich auch jung, progressiv, offen und hochgebildet. Das Straßenbild ist ein wilder Mix aus Hidschab und Lippenstift. Von der Vorstellung, man müsse in jeder Sekunde befürchten, dass einem der Kopf abgeschnitten wird, ist die Realität hier genauso weit wie vom Chaos in den Nachbarländern.

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Facebook ist zwar offiziell gesperrt, aber jedes Kind weiß, wie man die Sperren umgeht und Tinder funktioniert einwandfrei. Iraner trinken mehr Alkohol als Menschen in fast allen anderen muslimischen Ländern.

Nirgends lassen sich Menschen öfter die Nase operieren. Frauen haben 70 Prozent der Studienplätze in technischen Fächern. Der Iran hat mehr Minister mit US-Doktortiteln als die USA. Und die Werke eines hedonistischen Dichters aus dem 14. Jahrhundert werden mehr geschätzt als der Koran. Iraner weinen, lachen und erzählen schlechte Witze. Das Fremde ist uns manchmal näher, als man sich denkt.

Chris auf Twitter: @chrislettner

Pouryia am Parkplatz von Persepolis, der früheren Hauptstadt des persischen Reichs, mit seinem '79 Cevrolet Caprice—noch mit original New York State Kennzeichen.

Shiraz

Wehrdienst dauert im Iran zwei Jahre und ist nicht sonderlich beliebt. Aber wer nicht ausgenommen ist und seinen Wehrdienst nicht abschließt, bekommt keinen Pass und darf das Land nicht verlassen.

Tabak und Grillkohle, die auch gerne zum Opiumrauchen gekauft wird.

Der historische Teil von Shiraz.

Ein neues Shoppingcenter direkt neben Shirazs historischem Bazar.

Afshin spielt Geige, Klavier und studiert Komposition. Seine Leidenschaft ist die Oper—auch wenn er noch nie eine Aufführung live gesehen hat, weil es im Iran keine gibt.

Der Amir-Chakhmaq-Komplex in Yazd.

Teherans Museum für Moderne Kunst beherbergt Werke von Picasso, van Gogh, Monet und Warhol. Der Wert der Sammlung wird auf 2,5 Milliarden Euro geschätzt.

Das Publikum bei einem Fußballspiel in Shiraz. Laut Gerüchten dürfen Frauen möglicherweise auch bald auch ins Stadion. Seit 1979 ist ihnen das verboten.

Eine Umwelttechnikstudentin mit einer Heinz-Ketchup-Flasche während den Verhandlungen über die Aufhebung der internationalen Sanktionen gegen den Iran.

Ein Metzger.

Ghalat, ein kleiner Ort außerhalb von Shiraz, wird von der Moralpolizei nur selten aufgesucht. Die Umgangsformen sind dementsprechend lockerer und seine Gärten und Cafés ein beliebtes Ausflugsziel für junger Shirazis. Wer es noch lockerer mag, bringt ein Zelt.

Viele junge Iraner haben keine eigene Wohnung. Feiern spielt sich deshalb oft beim Autofahren ab—auch, weil trinken in der Öffentlichkeit zu gefährlich wäre.

Ein Automechaniker posiert für ein Foto in Shiraz.

Alkohol ist zwar verboten, durchgesetzt werden kann das Gesetz aber nur in der Öffentlichkeit. Nur in zwei islamischen Ländern wird mehr getrunken als im Iran. Religiöse Minderheiten sind vom Alkoholverbot ausgenommen.

Straßenfeiern auf Teherans Valiasr-Straße nach der vorläufigen Einigung zur Aufhebung der internationalen Sanktionen gegen Iran.

Schnee in Kerman, laut städtischer Website das „Paradis im Herzen der Wüste“, eineinhalb Autostunden vom heißesten Ort der Erde.

Chahārshanbe Suri, das persische Fest des Feuers, ist prä-islamisch und den Mullahs deshalb ein Unding. Knallkörper sind deshalb seit ein paar Jahren verboten—und heute beliebter denn je.