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Musik

Way out West ist schwul

21.8.10

Ich habe gehört, dass Schweden das schwulste Land auf dem ganzen Planeten ist. Also habe ich mit meinem Freund einen Ausflug nach Göteborg, zum Way Out West Musik Festival unternommen, um zu sehen, wie schwul es wirklich ist. Wenn ich Schweden mit einem Promi vergleichen müsste, wäre es Ben Vereen von Zombilee Zoo. Ja, Way Out West ist tatsächlich das schwulste, was ich je gesehen habe.

Laut Presse, ist Way Out West „die unikale Verschmelzung der aufblühenden Göteburgs Musikszene“. Ich fand es zwar ein wenig merkwürdig, dass die meisten Bands aus Amerika kamen, aber es war nicht überraschend, dass all diese Bands wie ein Skandinavischer Landschaftstraum Orchester-Soundtrack geklungen haben. Also ist es auch verständlich, dass ganz Schweden sich in diese weiche, süße Musik verliebte, Homo-Ehen legalisierte, und uns damit beweis, dass sie politisch das neutralste Land seit dem ersten Weltkrieg sind. Wer braucht also die Revolte, wenn man sich mit wunderschönen Schweden küssen und umarmen kann. Trotz der Heringe und Hamburger, die sie alle essen.

Die schwulste amerikanische Band, die ich auf dem Festival gesehen habe, war Local Natives aus Kalifornien. Taylor Rice ist einer ihrer Sänger… Wie soll ich ihn beschreiben? Ok. Manche Typen, die enge Klamotten tragen, sehen aus wie Schauhunde, den man ihre Schwänze abgeschritten hat um der Jury die Eier besser präsentieren zu können. Das ist die Masche des Taylor Rice. Sogar wenn er sein rotes Jäckchen auszieht. Die Menge hat ihn geliebt.

Als Sicherheitsmenschen waren Schwedische freiwillige Mädchen und Daddys engagiert. Also wenn es irgendwo krachen würde, wäre es kein großer Akt sie alle umzuhauen.

Eine schwedische Band, mit der ich rumgehangen bin hieß Graveyard (echt grausige Typen), über die Vice schon mal berichtet hat. Alex, der Drummer, war darüber übrigens sehr amüsiert, da wir sie zutreffenderweise als Kotzgesichter bezeichnet haben. Also hat er sich aufgeregt, nach dem Motto: „Ihr habt uns Kotzgesichter genannt!“. Und wir nur so: „Wir wissen  - das war nicht gut“. Es zeigt bloß, gute Typen keine gute Musik spielen dürfen sondern wissen müssen, wo es guten Hasch gibt, was Graveyard definitiv auch tun.

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Also haben sie uns ein cooles Tattoostudio gezeigt, gleich neben dem Göteborgs Classic Friedhof. Zu ihrem Auftritt sind wir jedoch nicht hingegangen. Um bloß nicht zu zeigen, das wir es vermasselt haben. Stattdessen haben wir uns in den Slow Club und The Anthem, die besten Klubs in Göteborg hingeschleppt.

The Low Anthem ist eine dieser „Gospel- letzter Walzer“ Bands, die Oboe mit Kettensägensounds und viel Bass spielen…die Liste ist lang. Die Leute waren außer sich.

Habe ich euch erzählt, wie heiß die Mädchen hier sind? Es sind schüchterne Elfen, die sich auf den Baumästen wiegen und wegflattern, sobald du sie fangen willst.

Es waren so viele Bands aus Amerika, dass ich beschämt war zu erzählen woher ich komme. Denn niemand in Schweden mag diesen Ort besonders. Eine andere Enttäuschung war das Gespräch mit dem wenig beeindruckendem Jack Tatum von den Wild Nothings, der sich von meinem Jack Daniels Flachmann beeindrucken ließ. Ich habe mit ihm circa 15 Minuten über das Essen und die Vans gesprochen und schmiedete anschließend einen Fluchtplan. Sein Tourmanager, der in der Ecke saß und etwas in sein Notebook tippte, schaute mich an, nach dem Motto: „Wolltest du ihn nicht über seine Musik ausfragen“?

The Nationals haben gespielt. Der Hauptsänger trug ein Unterhemd.

Einmal über den Globus sind WuTang, Iggy und Pavement geflogen. Skandinavische Gangster schleimten beim Ghost World und ließen ihre Herzen an solchen Sätzen aufwärmen: „Ich weiss nicht viel über dich, aber ich bin fotherfucking happy hier in Schweden zu sein.“ Diese blöden Schweden haben ihn geliebt, bevor er den Satz zu Ende sprechen konnte.

Iggy hatte sich angesabert und ich weiß nicht, ob er das wusste. Dann sagte er zu den Security Daddys, dass sie sich selbst ficken sollen und hat ein Paar Leute bei sich auf der Bühne tanzen lassen. Das war echt süß.

Peavement-Pavement haben den Todesabgang geschafft. Stephen Malkmus schwätzte auf der Bühne über die anderen Bands: „Wir haben A HA in Japan gesehen. Es kamen, 100 Leute dahin. Habt ihr von einer Band namens Made in Sweden gehört? Die sind in Ordnung“. Und jetzt spielen sie auch so fucking good. Jeder Bandmitglied hat in den letzten 10 Jahren das Vergnügen versäumt für die Anderen zu spielen. Also haben wir einen Grund, im schwulsten Land der Erde zu sein, um sie hören zu können.

Es war ein großer Spaß drei Tage lang besoffen durch Göteborgs „aufblühende Musikszene“ zu stampfen. Als Amerikaner, kann man das im Prinzip überall machen, nur man hätte nicht so viel Freude daran. Jeder ist höflich und die Musik macht dich lustig und glücklich. Sonst passiert hier nicht viel. Jeder ist hübsch. Nach einer Weile siehst du das aber gar nicht mehr.

TEXT: HALLIE NEWTON
FOTOS: MIKE MOOSE