The VICE Guide to Kopenhagen 2014

Sex, Drogen und Schweinerippchen.

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30 Juni 2014, 3:05am

Alle Fotos von Sandra Vinge Jensen, es sei denn es wird auf jemand anderen verwiesen.

Die dänische Hauptstadt ist deshalb so super, weil du hier ein mit Schweinefleisch belegtes Sandwich  essen kannst, während du gerade Sex in irgendeiner Anarcho-Kommune hast. Wenn Fleisch, Gras, Sex oder Anarchisten aber eher nicht so dein Ding sind, bist du hier definitiv auf der falschen Seite.

Zu den einzelnen Rubriken:

FEIERN
WIE SIEHT’S AUS MIT DROGEN?
POLITIK, DEMOS UND WIE RASSISTISCH SIND DIE LEUTE HIER?
ESSEN
WAS ESSEN DIE EINHEIMISCHEN?
TRINKEN
ÜBERNACHTEN
LGBT KOPENHAGEN
ORTE, DIE AUCH NÜCHTERN SPASS MACHEN
WIE DU NICHT ZUSAMMENGESCHLAGEN UND AUSGERAUBT WIRST
WIE DU DICH NICHT WIE EIN BESCHISSENER TOURIST VERHÄLTST
LEUTE UND ORTE, DIE DU MEIDEN SOLLTEST
TRINKGELD UND SÄTZE, DIE DU KENNEN SOLLTEST
EINE YOUTUBE-PLAYLIST MIT FRAGWÜRDIGER EINHEIMISCHER MUSIK
DER VICE-STADTPLAN

Kopenhagen langweilt dich jetzt schon? Hier haben wir noch 16 andere Städte-Guides.

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FEIERN

Eine durchschnittliche Donnerstagnacht in Kopenhagen geht bis circa sechs Uhr morgens. Ein beschissener Samstag mit beschissenen Cranberry-Cocktails endet am nächsten Mittag im Bett. Aber ein richtig guter Freitagabend mit Freunden und MDMA in einer der unzähligen Deep-House-Kaschemmen der Stadt kann, wenn du Glück hast, auch schon mal bis zum späten Sonntagnachmittag dauern. Wenn du raven willst, ich meine, so richtig, richtig raven willst, dann ist Kopenhagen definitiv der richtige Ort für dich. 

Die Schlange vor der Culture Box wird die ganze Nacht nicht kürzer. Egal, ob es regnet, stürmt oder schneit, die Deep-House-Bros stehen sich hier die Beine in den Bauch, während sie Billig-Bier in sich hineinschütten und darauf warten endlich reinzukommen, ein paar Lines Koks zu ziehen und zu den Sets ihrer Lieblings-DJs auf dem Dancefloor abzugehen. Ich sage Bros, weil sich das Männer-Frauen-Verhältnis in der Culture Box meist um die 70 zu 30 Prozent verhält. Das Line-up beinhaltet einige der größten Namen in der Techno- und Deep-House-Szene, von Marcel Dettmann zu Ben Klock, Jeff Mills oder Richie Hawtin. Die Preise für die Drinks und den Eintritt sind definitiv „gehobenes Niveau“, also solltest du hier tunlichst nicht nüchtern oder mit leeren Taschen auflaufen.

Exile ist ein neuer Club für Raver der hartgesotteneren Sorte. Die Party steigt einmal monatlich in Vesperbrot und konnte schon mit DJ-Sets von  Triky, J. Tijn und Reeko aufwarten. Die Bar scheint sich hauptsächlich durch den Verkauf von Wasser und Kaugummi zu finanzieren. 

Wenn du auf Musik stehst, die etwas mehr in die Mainstream-Richtung geht, und darauf, am helllichten Tag vor eine Bäckerei zu pissen, während du dich mit Wodka aus Wasserflaschen besäufst, mach dich bereit für Distortion, das bescheuerteste Straßenfestival in ganz Dänemark. Jedes Jahr werden verschiedene Stadtteile für Open-Air-Partys abgesperrt, die erst dann zu Ende sind, wenn das Feiervieh irgendwann in die Clubs strömt, um noch mehr zu trinken. Unglaublicherweise geht das Ganze fünf Tage lang und die Partys, die tagsüber laufen, sind alle komplett umsonst. Pop, Indie, HipHop- und Techno-Fans können beim Distortion alle auf ihre Kosten kommen—solange sie nüchtern genug sind, dass richtige Zelt zu finden.

Um es kurz zu machen: Es geht eine Menge in Kopenhagen. Außerdem sind die Leute hier wirklich nett, also besauf dich oder nimm Drogen oder was auch immer dir Spaß macht und lern dabei ein paar neue Freunde kennen.

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Foto: Esben Elborne

WIE SIEHT'S AUS MIT DROGEN?

Amsterdam ist einfach beschissen deprimierend, deshalb ist Kopenhagen so ziemlich der beste Ort für alle Kiffer. Christiania, eine Anarcho-Hippie-Kommune, ist sowas wie eine Stadt in der Stadt. Seitdem die Hippies in den 70er Jahren anfingen, das alte Militärgelände zu besetzen, ist Christiania ein riesiger Gras-Umschlagplatz. Hier findest du um die 50 Shops mit einem großen Sortiment an Cannabis-Produkten aus aller Welt.

Vor ein paar Jahren startete die Polizei einen Versuch, den Handel zu unterbinden, doch der Versuch ging höllisch daneben, trieb die Händler in die Innenstadt und führte dort zu einem waschechten Bandenkrieg. Als Folge dieser unrühmlichen Ereignisse lässt die Polizei Christiania inzwischen weitgehend in Ruhe. Alle 50 Shops sind weiterhin geöffnet—Tag und Nacht. Wahrscheinlich sind es sogar noch viel mehr als 50. Du kannst ruhig draußen dein Bier trinken und rauchen, ohne dass die Polizei dich deswegen belästigen wird. Was du allerdings nicht tun kannst, ist, mit Karte zahlen, Fotos machen oder mit einem Joint auf der Hauptstraße herumlaufen. Gerade die letzten beiden Dinge können dir ziemlichen Ärger einbringen.

Die Polizei patrouilliert nicht in Christiania, aber sie werden versuchen, dich anzuhalten, sobald du wieder rauskommst, also sei vorsichtig. Geh zu Fuß und nimm auf dem Weg nach Hause die Metro. Im restlichen Teil der Stadt ist die Polizei was Gras angeht immer noch ziemlich entspannt und du bekommst es weitgehend problemlos in den meisten öffentlichen Parks. Solltest du erwischt werden, beträgt die Strafe beim ersten Mal ungefähr 275 Euro.

Außerhalb von Christiania kostet dich ein Gramm Koks oder MDMA zwischen 60 und 90 Euro. Dabei sagt der Preis nicht notwendigerweise etwas über die Qualität aus. In letzter Zeit ist es in Kopenhagen im Allgemeinen schwerer geworden, an Drogen zu kommen, nachdem die Polizei das Handy eines prominenten Dealers abgehört und hunderte Leute mit ihm auffliegen ließ. 

Falls dich ein Dealer im Rotlichtviertel „Istedgade”, gleich hinter dem Hauptbahnhof, ansprechen sollte, sei lieber vorsichtig. Sicherlich kannst du hier alle Arten von Drogen bekommen, aber die Dealer sind ziemlich zwielichtige Typen. Wenn du Pech hast, wirst du nicht nur übers Ohr gehauen, sondern gleich abgestochen.

Wenn du mit MDMA oder Koks erwischt werden solltest, richtet sich das Bußgeld nach der Menge, die du bei dir trägst, liegt aber bei ungefähr 350 Euro. Verglichen mit anderen Ländern sind die Polizisten in Dänemark eher zurückhaltend, und wenn sie dich hochnehmen, dann weil sie genau gesehen haben, dass du Drogen nimmst oder ein Türsteher dich dabei erwischt hat, wie du zusammen mit all deinen Freunden in der Klokabine verschwunden bist. 

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Foto: Esben Elborne

POLITIK, DEMOS UND WIE RASSISTISCH SIND DIE LEUTE HIER?

Die übereifrigen unter Kopenhagens politischen Fraktionen haben die Stadt ganz sinnvoll unter sich aufgeteilt, so dass jeder seine eigene Ecke hat, in der er in Frieden vor den anderen leben und nach Lust und Laune durchdrehen kann.

Im Stadtgebiet von Kopenhagen gibt es eine kleine Minderheit von Neonazis. Diese Idioten verstecken sich vornehmlich am Sydhavn (dem Südhafen). In die Innenstadt trauen sie sich eher selten—wahrscheinlich aus Angst davor, dass der Rest von uns ihnen dort ihre hässlichen Schädel einschlägt.

Nordvest ist ein ethnisch vielseitiges Viertel in Kopenhagens Nordwesten. Mit seinen unzähligen Gemüsehändlern, Moscheen und orientalischen Fast-Food-Läden ist Nordvest ein bunter und lebendiger Teil der Stadt. Davon abgesehen ist das Viertel eine Hochburg der radikalmuslimischen Vereinigung Hizb ut-Tahrir, die gern die Scharia auf den Straßen der Hauptstadt einführen wollen. Sie halten die Khilafa für „die einzig wahre Lebensordnung“ und setzen sich für einen islamischen Staat ein. Die Mitglieder der Hizb ut-Tahrir, die in Deutschland verboten ist, sind außerdem gegen die Demokratie und raten Muslimen dazu, sich nicht an Wahlen zu beteiligen.

In Nordvest findest du außerdem noch Kopenhagens größtes autonomes Kulturzentrum. Nach dem das legendäre besetzte Haus Ungdomshuset 2006 geräumt wurde, brachen Straßenkämpfe aus, die die Gemeinde schließlich dazu zwangen, den Anarchisten der Stadt eine neue Bleibe anzubieten. Diese Bleibe wurde das Dortheavej 61: eine Hochburg der Stachelfrisuren und veganen Suppenküchen. Außerdem ist das Haus das Zentrum der lokalen Punkrock-Szene. Jeden Monat geben sich hier große Namen wie Sommerfuglebræk (Schmetterlingskotze) oder Bestiality die Ehre. Sie sind alle ganz reizend, wirklich. Die politische Ausrichtung des Hauses ist traditionell links außen und glücklicherweise sind sie vom Prinzip der Egalität so überzeugt, das sie es bis hin zu den Preisen ihrer Drinks durchziehen. Die sind hier nämlich verdammt günstig.

In Christiania werden politische Entscheidungen hauptsächlich unter dem Einfluss von Cannabis getroffen. Und unter bunten Ponchos. Das politische Leben der Kommune wird ausschließlich von ihren Bewohnern, den Christianitern, selbst bestimmt. Die Kommune zu finden ist nicht schwer—nimm die Metro bis Christianshavn und folge dem Meer aus Dreadlocks, das sich auf das Eingangstor zuwälzt.

Foto: Esben Elborne

Dafür, dass es sich bei Kopenhagen um die glücklichste Stadt der Welt handeln soll, wird hier sehr häufig demonstriert. Die Proteste gehen meist ganz friedfertig vonstatten, weshalb sich das Demonstrieren inzwischen zu einer Art Nationalsport entwickelt hat. Einem Nationalsport mit jeder Menge konkurrierender Teams. In letzter Zeit traten gegeneinander an: studentische Reformgegner, Brasilianer, die gegen die WM in ihrem Heimatland protestierten und natürlich die unvermeidlichen Hanf-Aktivisten, die jedes Jahr wieder für die Legalisierung von Cannabis auf die Straße gehen. 

Das Einzige, was die Stadt in einen richtigen Ausnahmezustand versetzen kann, sind die Rechtsextremen, die dagegen protestieren, dass in Dänemark Moscheen gebaut werden—weil diese Extremisten beherbergen. Die Linken bringen diese Demos ziemlich auf die Palme und die Polizei kommt bei Zusammenstößen teilweise brutal zum Einsatz.

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ESSEN

Kafa-X, Nørrebro
Wenn du dir die Mühe machst, ein bisschen zu suchen, wirst du eine Menge dieser „Volksküchen“ in Kopenhagen finden. Sie sind eine wahre Goldgrube für Budget-Reisende, da du hier ein komplettes veganes Dinner für weniger als drei Euro bekommen kannst. Die Angestellten arbeiten alle auf freiwilliger Basis und die Gäste sind hauptsächlich Ausländer und Studenten. Du wirst dich also ziemlich problemlos auf Englisch unterhalten können, was ziemlich praktisch ist, wenn sich dein dänischer Wortschatz auf die Wörter „Lego“ und „Duplo“ beschränkt—wobei du dir noch nicht mal sicher bist, ob „Duplo“ wirklich ein dänisches Wort ist.
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Madklubben Grill Royal, Kongens Nytorv
Hier sollte dir die Information ausreichen, dass du für 26 Euro eine halbe Kuh serviert bekommst.
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Bror
Auf der Speisekarte des Bror finden sich Dorschköpfe, Sperma vom Seehasen und Rinderhoden—die hier auch liebevoll als „Rocky Mountain Oysters“ bezeichnet werden. Das Bier ist erschwinglich und extrem stark. Nach dem Essen wirst du dich fühlen, als hättest du mindestens 15 Kilo zugenommen, was für dänische Verhältnisse nichts Besonderes ist. Wenn eure Länder von verantwortungsvollen Erwachsenen regiert werden würden, würdet ihr auch alle das Geld zum Fenster rauswerfen und Sperma essen.
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Relæ, Nørrebo
Nørrebo war einst nichts Anderes als eine schäbige Gasse voller Drogendealer, doch mittlerweile findest du hier eine Menge angesagter Bars und Restaurants. Trotzdem solltest du die Straße nicht einfach als eine Flaniermeile voller Hipster abschreiben, weil das Essen hier so verdammt gut ist. Das Relæ, zum Beispiel, gilt als eines der besten 60 Restaurants der Welt—weswegen es extrem schwierig ist, hier einen Tisch zu bekommen und billig ist es auch nicht. Doch für das Essen lohnt sich das Warten und die hohen Preise definitiv. Nicht umsonst hängt hier alles voller Michelin-Sterne.
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Foderbrættet, Vesterbro
Wirtschaftsexperten rechnen damit, dass die Tage der liberalen dänischen Wohlstandsgesellschaft ein für alle mal gezählt sind. Und wenn das Land in nicht all zu ferner Zukunft wirklich vor die Hunde gehen sollte, wissen wir zumindest, dass dieser Niedergang an dem Tag eingeläutet wurde, an dem ein paar Verwirrte auf die Idee kamen, eine Champagner und Hotdog Bar zu eröffnen. Aber was soll’s? Lass uns ein paar Gourmet-Hotdogs vernaschen, einige Cocktails hinterher kippen und darauf anstoßen, dass Skandinavien bald genauso am Arsch sein wird wie er Rest Europas.
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Grød, Nørrebro
Porridge ist ein ziemlich großes Ding in Dänemark. Und nirgendwo bekommst du so guten wie im Grød. Hier findest du eine große Auswahl an verschiedenen Sorten, zum Beispiel Risotto-Porridge. Das Restaurant liegt in der Jaegersborggade, was danach klingt, als würdest du hier auch Porridge mit Jägermeister drin bekommen. Tust du aber nicht.
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WAS ESSEN DIE EINHEIMISCHEN?

Ribbensstegssandwich (Schweinerippchen-Sandwich)
In Dänemark essen wir von morgens bis abends Schweinefleisch. Sehr, sehr viel Schweinefleisch und wir wissen, was wir tun. Trau dich, am Hotdog-Stand also ruhig etwas mutiger zu sein und entscheide dich für etwas Anderes als eine Wurst. Versuch es zum Beispiel mal mit einem Schweinerippchen-Sandwich, komplett mit Kruste, Gürkchen und Rotkohl drauf. Dazu trinkst du am besten einen leckeren Kakao—hier ist es total OK, wenn du wie ein Kleinkind isst.

Stegt Flæsk (Schweinebraten mit Kruste und Petersilienkruste)
Eigentlich das gleiche wie oben. Eine Art Speck für Erwachsene und ganz Unerschrockene. Ich habe dich gewarnt, dass wir hier Schweinefleisch vergöttern.

Smørrebrød
Bei einem Sandwich gegen die obere Toastscheibe zu protestieren, mag zu erst blödsinnig erscheinen, ist es aber ganz und gar nicht. Im Ernst, in Wirklichkeit ist eine zweite Toastscheibe auf deinem Sandwich nichts als ein vollkommen überflüssiger Luxus. Probiere einen dänischen Klassiker wie Leberpastete auf Roggenbrot oder eine „Sternschnuppe“ mit Lachs, Krabben und Kaviar und du wirst nie wieder ein anderes Sandwich essen wollen.

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TRINKEN

The Free Beer Club
Je reicher die Stadt, desto weniger müssen die Leute für ihre Drinks zahlen. Jeden Abend gibt es irgendeinen Event, der irgendwas mit Mode, Kunst oder Musik zu tun hat, und bei dem irgendwer Freigetränke an die Gäste verteilt. Die Dänen lieben es! Und wie kommst du rein? Schließe dich einfach den Freibier-Freunden bei Facebook an.
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Mikropolis, Kopenhagen K.
Das Mikropolis ist eine wahre Bereicherung für die Barszene der Stadt und hat sich auf Bier-Cocktails spezialisiert. Obwohl der Laden damit wirbt, „deine Geschmacksnerven herauszufordern“, dürfte die Tatsache, das hier hauptsächlich Bier mit Hochprozentigem gemischt wird, darauf hindeuten, dass die Besitzer in Wirklichkeit ein ganz anderes Ziel verfolgen. Nämlich das, dich so schnell wie möglich besoffen zu machen.
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Vin Hanen, Nørrebro
Diese Weinbar importiert direkt vom Hersteller und lagert den Wein vor Ort in riesigen 900-Liter-Kanistern. Die Bar ist gemütlich und der perfekte Ort, um ein exzellentes Glas Wein und eine Käseplatte zu genießen. Außerdem kannst du hier auch ganze Flaschen zum Mitnehmen kaufen, und zwar günstiger als in jedem Supermarkt. Eine Flasche kriegst du schon ab 6, 40 Euro. Wenn du sie danach leer wiederbringst, bekommst du sogar noch einen Euro zurück. Also versuch sie nicht kaputt zu machen, egal wie betrunken du bist, und wie sehr du dich über den günstigen Preis freust.
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Floss, Kopenhagen K
Anders als du oder ich, glauben die Schweden immer noch an den Rock ’n Roll. Dieser Ort sieht genauso aus, wie du dir früher eine Bar vorgestellt hast. Damals, als du noch in deinem mit Postern vollgehängtem Kinderzimmer saßt und nie eine Bar von innen gesehen hattest: billiges Bier, dicke Rauschschwaden, fette Typen mit Bart, Punks, Künstler, Schriftsteller—kurz gesagt: der Himmel auf Erden.
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Kayak Bar, Kopenhagen K
Der richtige Ort für den Sommer. Du findest die Bar unter der Brücke, die die Innenstadt mit Christianshavn verbindet. Wie der Name schon sagt, handelt es sich tagsüber um eine Mischung aus Kayak Club, Sauna und Café, doch am Abend verwandelt sich das Ganze in einen hippen Kellerclub mit Live-Bands. Ich habe mal mitgekriegt, wie jemand ins Wasser gefallen ist, und irgendein unbekannter Held im Kanu rettete ihm das Leben.
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Kødbyen
Die definitiv sicherste Option für einen gelungenen Abend. Kødbyen ist sowas wie Kopenhagens Meatpacking District, voller Bars in ehemaligen Schlachthöfen. Wenn es in einer Bar Scheiße sein sollte, zieh einfach weiter in die nächste. Jolene, Bakken, Basement Bar und Maester og Laerling sind einige meiner Favoriten.

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ÜBERNACHTEN

Central Hotel and Café
Das Hotel Central & Café ist das kleinste Hotel der Welt und wahrscheinlich meistens ausgebucht. Es liegt eingeklemmt in einer Ecke zwischen zwei Häusern in Vesterbro, direkt über dem kleinsten Café der Welt und hat nur ein einziges Zimmer, das gerade mal 2,4 mal 3 Meter misst. Dafür bekommst du für 200 Euro die Nacht immerhin ein Doppelbett und eine Minibar. 

AirBnB
Wahrscheinlich wird Airbnb bald reguliert werden oder zu Scheiße verkommen. Aber solange dass noch nicht der Fall ist, such dir eine nette Wohnung in Vesterbro, Nørrebro oder Kopenhagen K., wo vor dir schon dutzende anderer Feriengäste das Schlafsofa vollgebläht haben.

Christiania
Die Hippies sind nette Leute, also freunde dich mit jemandem an und such dir ein Bett oder einen gemütlichen Baum aus, den noch kein Hund für sich beansprucht hat.

Durchmachen
Oder du lässt das Schlafen einfach bleiben. Die Sonne geht hier im Sommer sowieso schon um drei Uhr morgens auf. Probier es mal mit einem „Morgen Fest“ und  schließ dich den Leuten an, die die Nacht durchmachen. (Allerdings solltest du dir den Spaß nicht länger als drei Nächte hintereinander geben, weil die Wahrscheinlichkeit, dass du danach tot umfallen wirst, relativ hoch ist.)

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Foto: Mads Schmidt

LGBT KOPENHAGEN

Kopenhagen ist ungefähr so schwulenfeundlich, wie du es von einer europäischen Hauptstadt erwarten würdest. Aber versteh mich nicht falsch. Sobald du raus aufs Land fahren und in Städten wie Tønder (nein, hierbei handelt es sich leider nicht um eine skandinavische Dating-App) halt machen solltest, kannst du damit rechnen, allein für die Tatsache, dass du lange Haare hast oder enge Jeans trägst, ordentlich aufs Maul zu kriegen. Was passiert, wenn du hier mit deinem Freund in der Öffentlichkeit Zärtlichkeiten austauschen solltest, kannst du dir denken. Bleib also lieber in Kopenhagen. Dort, wo die Nächstenliebe großgeschrieben wird. Dänemark war das erste Land, das schwulen und lesbischen Paaren die eingetragene Partnerschaft ermöglicht hat. Heiraten dürfen sie seit 2012.

Heutzutage kommt es nicht selten vor, dass Gruppen von Heterosexuellen sich unter die schwul-lesbische Crowd einer Gay-Bar mischen, um sich dort zu besaufen. Obwohl einige der etwas deftigeren Schuppen inzwischen geschlossen sind, kannst du immer noch die legendäre Montagnacht Amateur Hour im Cafe Intime in Frederiksberg besuchen. Oder dir eine Drag-Show in der Popup-Bar Star Factory anschauen.

Besonders in der Gegend um das Rathaus findest du eine große Auswahl an Gay-Bars. Einige von ihnen sind seit mehr als 40 Jahren Teil der LGBTI-Szene Kopenhagens. Wenn dir danach ist, kannst du hier auch in einen Sauna-Club gehen, gleich um die Ecke von der größten Einkaufsstraße des Landes. 

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ORTE, DIE AUCH NÜCHTERN SPASS MACHEN

Parks
OK, es ist nicht sonderlich revolutionär, aber kauf dir was zu trinken und setz dich in den Park, wir haben ziemlich viele davon. Ein paar gute sind Nørrebroparken, Kongens Have und Enghave Parken. Dort erwartet dich der gleiche Kram wie in anderen Parks auch: Gras, Bäume und Frauen in Bikinis.

Strände
Im Sommer haben wir hier manchmal bis zu 25 Grad! Dann stürmen die Dänen aus Freude, einen weiteren Winter überlebt zu haben, die Strände, wo sie sich alle einen Sonnenbrand holen und jedes Mal irgendein Besoffener beim Schwimmen ertrinkt.

Dronning Louises Bro
Das ist eine Brücke, bro. Von Juni bis September ist hier alles voller junger Leute, die rumsitzen, Bier trinken und die Sonne genießen.

Die Kanäle
Hier weiß ich nicht so wirklich, was ich sagen soll. die Kanäle sind hübsch. Hol dir ein Bier und schau dir an, wie hübsch sie sind.

Bispebjerg Sex Clinic
In Kopenhagen wirst du mit jedem Sex haben. Was super ist, aber über kurz oder lang deinen Genitalien nicht gut tun wird, weshalb du dich irgendwann in diese Klinik für Geschlechtskrankheiten begeben solltest. Hier ist jeder willkommen und du brauchst nicht mal einen Termin. Du findest die Klinik im Bispebjerg Krankenhaus in Kopenhagen NV.Oder benutz einfach ein verdammtes Kondom—das du übrigens auch hier in der Klinik bekommen kannst.

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WIE DU NICHT AUSGERAUBT UND ZUSAMMENGESCHLAGEN WIRST

Als Tourist wirst du keine allzu großen Probleme haben, denn Kopenhagen ist eine sehr sichere Stadt. Die Straftat, die am häufigsten vorkommt, ist Fahrraddiebstahl. Wenn du also nicht zufällig dein Rad mit in den Flieger geschleppt hast, gibt es nichts, worüber du dir ernsthaft Sorgen machen müsstest. Wenn der Fall eintreten sollte, dass du die Hilfe der Polizei brauchst, ruf einfach die 112 an. In den allermeisten Fällen wird sich jemand melden, der gut Englisch sprechen und dir bei deinem Fahrrad-Problem behilflich sein kann.

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WIE DU DICH NICHT WIE EIN BESCHISSENER TOURIST VERHÄLTST

Jeder hier hat ein Fahrrad. Als hippe, gesunde Skandinavier sind wir geradezu besessen von ihnen. Also schwing dich auf den Sattel und mach mit. ABER Radfahren in Kopenhagen ist keine neue Art des Sightseeings. Nein, wir fahren Rad, weil wir zur Arbeit müssen, also respektier das bitte, auch wenn du ein Tourist bist. Also fahr so schnell du kannst, komm nicht auf die Idee zu überholen und entschuldige dich dabei ununterbrochen bei den anderen.

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LEUTE UND ORTE, DIE DU MEIDEN SOLLTEST

Typen, die sich ihren Ghettoblaster an ihr Christiania-Fahrrad montiert haben
Diese Typen fahren ohne erkennbares Ziel durch die Stadt und nerven alle mit ihrer beschissenen Musik. Und weil sie Dänen sind, wirst du das Zeug, das sie spielen, höchstwahrscheinlich weder mögen, noch verstehen.

Flaschensammler
Kopenhagen ist eine grüne Stadt und als solche sehr um das Wohl der Umwelt besorgt. Deswegen gibt es hier ein ziemlich hohes Pfand auf alle Plastik- und Glasflaschen, die du im Laden kaufen kannst. Eigentlich ist das natürlich super, bis auf die übereifrigen Flaschensammler, die dir die Flasche buchstäblich aus der Hand reißen, selbst wenn sie noch halbvoll sein sollte.

Die kleine Meerjungfrau
Kopenhagens Wahrzeichen wird dich nur enttäuschen. Es sei denn, du stehst drauf, dich durch Horden von Rentner-Touristen zu schlagen, um ein Foto von der Statue einer kleinen, blöden Meerjungfrau zu schießen. Geh lieber noch ein bisschen mehr Schweinefleisch essen.

Strøget 
Der skandinavische Ku'damm.

Tivoli
Der älteste Vergnügungspark ist eigentlich sehr schön. Das Problem ist, dass jeder einzelne Tourist, der nach Dänemark kommt, das genau weiß. Also geh lieber woanders hin, wenn du nicht den ganzen Tag Schlange stehen und dich über Arschlochkinder ärgern willst.

Das Rotlichtviertel
Mit einer Nutte zu schlafen ist für niemanden der Beteiligten gut. 

Billige Party-Bars 
Wer hätte gedacht, dass Läden mit so vielversprechenden Namen wie Sam's Bar, Billy Booze oder Den Glade Gris riesengroße Scheiße sind? Sie sind nicht nur riesengroße Scheiße, sie sind die Hölle. 

Nyhavn
In den Gassen, wo sich einst sexhungrige Seemänner auf die Suche nach der nächsten Hafenhure machten, nötigen heute verschlagene Touri-Guide-Arschlöcher 20-köpfige Junggesellininabschiede dazu, irgendwelchen beschissenen Bernsteinschmuck zu kaufen.

Der Großteil von Amager
Die Dänen nennen es „Scheiße-Insel“. Den verlassenen Gegenden von Amager einen Besuch abzustatten, sollte dich nur dann reizen, wenn du davon träumst im Urlaub ermordet zu werden.

Torvehallerne 
Eine Markthalle die nordische Blasiertheit und Arroganz mit dem Charme eines öffentlichen Schwimmbads verbindet. Geh da nicht hin, es sei denn, du brauchst wirklich ganz, ganz dringend welche von diesen unglaublich leckeren israelischen Gourmet-Oliven.

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TRINKGELD UND SÄTZE, DIE DU KENNEN SOLLTEST

Trinkgeld

In Dänemark ist der Service immer im Preis inbegriffen. Das bedeutet, dass Servicekräfte einen fairen Lohn erhalten und nicht auf dein Kleingeld angewiesen sind, um den Winter zu überleben oder so. Es bedeutet auch, dass du einem Kellner ohne schlechtes Gewissen sagen kannst, dass er sich verpissen soll, wenn er dich fragt, ob du auf die Rechnung noch ein extra Trinkgeld geben willst. Wenn der Service überirdisch gut gewesen sein sollte, sind 10 bis 15 Prozent OK, alles andere wäre übertrieben. Die Leute, die in Cafés und Bars arbeiten, fänden es merkwürdig, wenn du ihnen dein Kleingeld persönlich in die Hand drückst, dafür gibt es das Tipp-Glas. 

Sätze, die du kennen solltest

„Bitte“ ist etwas schwierig, weil wir dieses Wort in Dänemark nicht haben—denn wir sind unhöfliche Arschlöcher. Du kannst allerdings ein „tak“ (danke) an das Ende deiner Frage anhängen, wenn du dich dadurch besser fühlst.

Was Beschimpfungen angeht, wirst du in dem Fall, dass du dich mit irgendwelchen dosengebräunten Tussis anlegst, eventuell mit einem „Din fucking luder“ bedacht. Das bedeutet so viel wie „du verfickte Schlampe“.

„Kan jeg få en øl?” bedeutet „Kann ich ein Bier haben?“ Lass dich von den merkwürdigen Buchstaben nicht durcheinander bringen. Das å klingt ein bisschen wie das oh in „Oh mein Gott“ und das ø hört sich an wie ein langes Furzgeräusch—du wirst dir vielleicht blöd dabei vorkommen, aber du kannst uns vertrauen.

Falls der Typ oder das Mädchen deiner Träume noch einen kleinen Stoß in die richtige Richtung braucht, versuch es mit „Kys mit, for fanden“. Was so viel heißt wie „Jetzt küss mich endlich, verdammte Scheiße!“

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EINE YOUTUBE-PLAYLIST MIT FRAGWÜRDIGER DÄNISCHER MUSIK

Solche Musik kriegst du bei uns in den Bars zu hören. Gewöhn dich am besten jetzt schon mal dran, damit du nicht allzu schlecht draufkommst, wenn du in Kopenhagen ausgehst.

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VICE-STADTPLAN

So, nun weißt du alles Wichtige über Kopenhagen. Und wenn du herkommst, sind wir die ersten, die dich anschreien, wenn du den verdammten Radweg blockierst.

Alles Liebe

—VICE Dänemark

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