FYI.

This story is over 5 years old.

VICE News

Eurovision: Im Reich der Öldiktatur

Im zweiten Teil unseres Trips zum Eurovision Song Contest trafen wir den Schwiegersohn des Präsidenten und feierten mit Mafiosi.
20.6.12

Das Zentrum Bakus ist vergleichbar mit dem einer modernen westlichen Metropole. Der Eurovision Song Contest scheint die Herrscherfamilie des Landes motiviert zu haben, sich von ihrer besten Seite zu zeigen. Emin, Aserbaidschans größter Popstar und nebenbei noch Schwiegersohn des Präsidenten, präsentierte mir auf dem Dach des Hilton stolz seine Heimatstadt und schwärmte dabei von den Vorzügen und der Entwicklung seines Landes.

Anzeige

Die Militärpräsenz am Austragungsort war immens. Da der iranische Botschafter den Wettbewerb boykottierte und das Land aus Protest verlassen hatte, wurde ein Racheanschlag des iranischen Regimes nicht ausgeschlossen. Während ich eigentlich keine Lust hatte, mir den Tag des Halbfinales von einer iranischen Bombe vermiesen zu lassen, schien die angespannte Lage die anderen Kandidaten und Journalisten nicht zu stören.

Politik wird beim Eurovision Contest ausgeblendet. Der jahrzehntealte blutige Konflikt mit dem Nachbarstaat Armenien wird von der aserbaidschanischen Kandidatin Sabina lapidar mit „Eurovision is all about Music“ abgetan.

Aber nicht jeder in Aserbaidschan hält die Klappe. Rasul ist Anführer der Bewegung „Sing for Democracy“. Denn obwohl Aserbaidschan sich als Demokratie ausgibt, fehlen echte demokratische Reformen. Ich traf Rasul in einem ärmeren Vorort von Baku, um mit ihm über die Möglichkeiten des Contests zu reden, eine Botschaft von demokratischem Wandel zu verbreiten.