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It's still real to me, damn it!

Monster Brawl: Die Film-Review

Was ihr womöglich nicht wisst, ist, wie man als Fan einen Wrestling-Film disst, ohne dass man Wrestling anpisst.
04 Oktober 2011, 3:12pm

Dass das Slash Filmfestival für das Jahr 2011 gelaufen ist, muss ich euch, glaube ich, nicht erst erzählen. Zum einen, weil ihr das als anständige Movie Buffs auch ohne mich bereits mitbekommen haben solltet und zum anderen, weil all jene, die es bis jetzt noch nicht mitbekommen haben, sowieso verloren sind und von Werwölfen zertreten gehören. Was ihr aber womöglich nicht wisst, ist, wie man als Fan einen Wrestling-Film disst, ohne dass man Wrestling anpisst. Darum hier eine kleine Anleitung passend zum Abschlussfilm eines feschen Festivals.

Slash zeigt Nash! Slash zeigt Nash!! Der Mann, den man als fauler, früherer Fernseh-Wrestling-Fan unter dem Namen “Big Daddy Cool” Diesel kennen könnte, und der im echten (wenn auch nicht wirklich wahrhaftigeren) Leben Kevin Nash heißt, war eindeutig das Zugpferd von Monster Brawl.

Nicht, dass der Film für Leute wie mich ein Zugpferd gebraucht hätte: Jedes Bestien-Bewegtbild, dessen Synopsis darin besteht, dass MONSTER auf einem FRIEDHOF um ihr Überleben WRESTLEN, steht für mich automatisch auf der Winning-Seite potenzieller Mitternachtsvorhaben und schüttet in meinem von anhaltendem Fantum ins pathologisch Einfache aufgedröselte Hobo-Hirn auf Anhieb so viel Endorphin aus, dass eigentlich schon quasi wurscht ist, was dann tatsächlich über die Leinwand flimmert.

Trotzdem wartet Monster Brawl gleich mit zwei Cameos auf, die horrorfeindlichen Wrestling-Fans wie der Speck im Spandex-Höschen vorkommen müssen: Zum einen also mit Kevin Nash, dem einstigen Bodyguard von Shawn Michaels und aktuellen BFF von Triple H (an alle Nichtnerds: einfach drüberlesen), und andererseits Jimmy Hart, dem Wrestling-Manager der goldenen Ära mit der goldenen Schreistimme, der als “Mouth of the South” bereits Hulk Hogan oder die Nasty Boys vom Eingang bis in den Ring gebrüllt hat. Kurzum: zwei Untote , denen die Idee des Films, altgediente Horror-Stereotypen zum finalen Showdown vor die kritikfreie Linse zu stoßen, förmlich in die Stirnfurchen geritzt steht.

Das klingt bis hierher alles so unschlagbar gut, dass es einen eigentlich fast nicht mehr wundert, wenn sich das Spektakel am Ende doch als ein gigantischer Angelhaken herausstellt, der sich von der Leinwand her in unsre Retina bohrt, um uns Proleten wie Pangasius an einem Freitag um Mitternacht aus den Wellen des ersten Rausches zu ziehen und im staubtrockenen, handlungsarmen Ödland halbgarer Nicht-Fisch-Nicht-Fleisch-Ideen verdörren zu lassen.

Ihr könnt mir glauben, dass ich das nicht gerne sage. Welcher echte Fan würde Jimmy Hart freiwillig wehtun wollen? Den will man bestenfalls liebbumsen! Und eigentlich liegt das Problem mit dem Film auch weniger am Film, als vielmehr an uns. Jawohlja. Ruft ihr ruhig “Stockholm-Syndrom!” und “Schiebung!”, ich bleibe dabei. Denn die Wahrheit ist: Dieser Film ist keiner. Oder: Nur soweit, wie Wrestling selbst filmisch ist. Wenn die Monster ihren Einzug haben, kann man richtig hören, wie sehr die jubelnden und buhenden Fans auf der Tonspur fehlen; und das gilt für so ziemlich jede Einstellung, bei der nicht Harts legendärer Vokuhila den Kader mit angemessen stillem Schrecken erfüllt.

Wahrscheinlich hat auch nicht unbedingt geholfen, dass der Großteil des Publikums doch auf distanzierte Vergenusszwerglung eingestellt war und die einzigen, die mit uns abwechselnd Schreichöre anstimmten, das letzte Mal Wrestling gesehen hatten, als es am Jahrmarkt von Männern in Matrosen-Shirts vorgemacht wurde. Der Trailer gibt dennoch eine ganz gute Ahnung davon, was der Film hätte werden können, wenn die Plot-Holes mit deftigen Schreien aufgefüllt worden wären:

Hach, schade. Trotzdem habe ich an diesem Abend viel gelernt.

Erstens: Wer eine Flasche Wein in einer Stunde trinkt, dem kann selbst Wrestling schnell zu kompliziert werden. Zweitens: Wer einen World-Heavyweight-Champion-Gürtel aus dem WWE-Shop hat, ist noch lange kein Pro. Drittens: Wer seinen World-Heavyweight-Champion-Gürtel, den er aus dem WWE-Shop hat, ins Kino mitnimmt, ebenso wenig. Viertens: Wer mit seinem World-Heavyweight-Champion-Gürtel aus dem WWE-Shop einen auf Hulk Hogan macht und dabei Flairs Woooooooo-Schrei imitiert, sollte sofort aus der Smart-Zunft ausgeschlossen und mit einem Figure-Four-Leg-Lock niedergestreckt werden. Fünftens: Um etwas gegen Fans mit World-Heavyweight-Champion-Gürteln aus dem WWE-Shop tun zu können, muss man eine Smart-Zunft gründen. Und sechstens: Echte Wrestling-Buffs verhalten sich zu Typen mit World-Heavyweight-Champion-Gürteln aus dem WWE-Shop in etwa so, wie echte Nerds zu denen aus Big Bang Theory.

Traurig? Vielleicht. Aber nur, wenn man zuschaut. Nächstes Mal geht’s dann wieder weiter mit Mr. McMahons mächtigsten Milliardärs-Matches. Mahalo!