Hangover-News, 1. August 2016

Erdoğan-Anhänger fordern in Köln die Todesstrafe, ein Künstler will Drogendealern in Berlin ein Denkmal bauen und ein rammelndes Paar im Park hält Spaziergänger und Internetuser in Atem.

|
Aug. 1 2016, 5:00am

Die Demonstranten für Erdoğan in Köln erregten dieses Wochenende die größte Aufmerksamkeit. Sie schrien Parolen, die an die Grenzen dessen gingen, was wir an der Meinungsfreiheit schätzen. Ansonsten können wir uns in dieser Woche zum Glück dem Schönen und Abseitigen widmen: einem Künstler, der Drogendealern in Berlin ein Denkmal bauen will; einer Boeing 737, die im Gras stecken bleibt, und einem rammelnden Paar im Park. Willkommen bei den Hangover-News.

"Wir wollen die Todesstrafe"

Pro-Erdoğan-Demo in Köln | Foto: imago | Eibner

Rot-weiße Türkei-Fahnen. Einige Demonstranten rufen in Sprechchören: "Wir wollen die Todesstrafe!" Andere skandieren: "Gott ist der Größte!" Jugendliche tragen auf ihren Pullovern das Logo des heulenden Wolfes—Symbol der faschistischen Bewegung der Grauen Wölfe.

Rund 40.000 Menschen gingen in Köln für den türkischen Premierminister Recep Tayyip Erdoğan auf die Straße, der gerade in der Türkei seine autoritäre Führung ausbaut. Viele Pro-Erdoğan-Demonstranten schwenkten türkische Fahnen, aber auch deutsche. Insgesamt waren vier Gegenveranstaltungen angemeldet, unter anderem von Jugendorganisationen deutscher Parteien. Rund 650 Gegendemonstranten versammelten sich auf dem Kölner Heumarkt. Dort kam es zu einer Auseinandersetzung zwischen rund 80 rechtsnationalen Türken und mehr als hundert kurdischen Teilnehmern des linken Aufzugs, sagte die Polizei. Mehrere Rauchbomben seien gezündet worden.

Größere Ausschreitungen gab es nicht, aber die heftigen Worte der Erdoğan-Demonstranten blieben nicht ungehört:

Vor dem Kölner Bahnhof demonstrierten zeitgleich laut Polizei rund 250 Anhänger der rechten Partei Pro NRW, darunter auch eine "größere Anzahl" Hooligans. Viele der Teilnehmer seien stark alkoholisiert gewesen, bei Personenkontrollen sei Schutzbewaffnung sichergestellt worden, darunter Quarzsandhandschuhe. Besoffene Rechte standen also am Kölner Hauptbahnhof rum.

YouTuberin Melina Sophie sagt dir, wie gut du aussiehst

Dieses Mädchen hat am Wochenende Twitter verrückt gemacht. Vor genau einem Jahr hat sich YouTuberin Melina Sophie auf YouTube als lesbisch geoutet. An diesem Wochenende ging sie aber aus einem anderen Grund viral. Gleich zweimal fragte sie nach Selfies. Das Phänomen ist bekannt: Fans posten Bilder und ihre Stars schicken Liebesbotschaften zurück.

Dieser Aufforderung folgten Menschen aus Thailand, Mädchen mit Snapchat-Hundeschnauzen, höchstens zwölfjährige Jungs. Was das bedeutet? Teile dieser Antwort könnten Politiker und Journalisten, die sich sonst auf Twitter über den Tatort streiten, verunsichern.

Denkmal für Drogendealer

Dealern wie jenen im Görlitzer Park in Berlin will der Künstler Holmquist ein Denkmal bauen | Foto: imago | Kai Horstmann

Der in Berlin lebende Künstler Scott Holmquist möchte ein Denkmal bauen—nicht für einen Schriftsteller, einen Musiker oder Cristiano Ronaldo, sondern für die afrikanischen Drogendealer. Für die Jungs, die dich im Görlitzer Park oder an der Warschauer Straße in Berlin fragen, ob du Weed oder MDMA brauchst. Sogar Politiker begrüßen die Idee des Küstlers, den Dealern, die seiner Meinung nach "gerade für Berlin" so wichtig geworden sind, ein Denkmal zu errichten. (Geht es eigentlich noch jemandem so, dass sofort der Wir-sind-Helden-Ohrwurm kommt, wenn irgendwo ein Denkmal gebaut wird?) "Die Dealer erweisen einen wichtigen Dienst, der von vielen geschätzt wird—vor allem in Parks, wo sie für jeden einfach zu erreichen sind", sagt Holmquist.

Kritik kommt von Menschen, die seine Idee unwürdig gegenüber jenen finden, die durch ihren Drogenkonsum gestorben sind.

Fallen ohne Fallschirm, sieben Kilometer lang—wer macht sowas?

Der US-Skydiver Luke Aikins ist aus mehr als sieben Kilometern Höhe in ein Netz gesprungen—ohne Fallschirm, ohne Wingsuit. Damit hat der 42-Jährige am Sonntag den neuen Skydiving-Rekord aufgestellt. Am Ende fiel er in ein 30 mal 30 Meter großes, extra angefertigtes Netz. Aus eigener Kraft stieg er heraus und sagte: "Danke an alle, die das möglich gemacht haben, es ist unglaublich."

Aikins hat etwa 18.000 Fallschirmsprünge hinter sich. Er hat einige der Stunts zum Film Iron Man 3 beigesteuert. Für das, was er macht, bekommt er Geld. Der Sturz im freien Fall aus 7.620 Metern Höhe wurde von Red Bull gesponsert.

Schon mehr als einmal starben Springer ohne Fallschirm. "Wenn ich nicht nervös wäre, wäre ich blöd und sollte es nicht machen", sagt er. Warum macht ein Mensch sowas überhaupt? Ist es Lust am Fliegen? Das Spiel mit den Extremen? Wie viel Geld ist das Spiel mit dem eigene Leben wert?

Sex am Tag im Park in Berlin

Wir verzichten an dieser Stelle darauf, das Video zu zeigen. Ihr findet es, wenn ihr danach sucht (Tschüss an alle, die jetzt aussteigen!). Das eigentlich Spannende an der Geschichte sind doch nicht die Rammler, die mitten am Tag vertieft im Park vögeln, sondern ihr Publikum. Der Mann, der filmt, kriegt sich gar nicht mehr ein: "Das gibt's doch nicht", ruft er immer wieder. Am Ende versammelt sich eine ganze Schar männlicher Fahrradfahrer um die Liebenden, und während sie ihm ein letztes Mal auf den Arsch fasst, sagt der Filmer ohne Scham: "Ihr wollt Publikum, hier habt ihr Publikum!" Eine Mutter mit Kinderwagen ist im Übrigen einfach schweigend weitergegangen. So geht es nämlich auch.

Boeing 737 rollt in Stuttgart ins Gras

Die Boeing 737 auf der Wiese | Foto: imago | 7aktuell

Eine Boeing 737-800 der SunExpress Germany aus dem bulgarischen Varna kam nach der Landung in Stuttgart am Sonntagmittag von der Bahn ab. Das Flugzeug hielt auf einer Grünfläche. Es stand auf der Wiese so nahe an der Landebahn, dass andere Maschinen weder starten noch landen konnten, sagte Flughafengeschäftsführer Walter Schoefer. Die Passagiere konnten die Maschine aber unverletzt über Treppen verlassen. Am Nachmittag blieb der Flughafen außer Betrieb. Die Erde war wegen des Starkregens in der Nacht aufgeweicht und das Flugzeug sank in den weichen Untergrund ein.

Mehr VICE
VICE-Kanäle