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Der schier aussichtslose Kampf gegen die Aryan Brotherhood of Texas

US-Behörden versuchen fieberhaft, die Aktivitäten der Gefängnisgang einzudämmen. Ein Insider hat uns erzählt, was wirklich hinter der Agenda der Bruderschaft steckt.

von Seth Ferranti
19 November 2014, 9:44am

Eine typische Tätowierung der ursprünglichen Aryan-Brotherhood-Gefängnisgang | Foto: Karppinen | Wikimedia | Public Domain

Diese Woche wurden sieben Mitglieder der Aryan Brotherhood of Texas zu Gefängnisstrafen verurteilt. Das war das neueste Ergebnis des harten Vorgehens gegen die rechtsextreme Gefängnisbande, die 2013 in Houston der organisierten Kriminalität angeklagt wurde. Doch während das FBI sein Bestes tut, um die rassistische Gruppierung zu beseitigen, reichen die Tentakel der Bruderschaft auch jetzt noch über das Gefängnissystem hinaus.

Die Aryan Brotherhood of Texas (ABT) tauchte in den 1980er Jahren auf und nahm dabei den Namen der berüchtigten Gefängnisgang an, die Jahrzehnte früher in Kalifornien gegründet worden war. Es wird erzählt, dass die texanischen Gefängnisinsassen die kalifornische Gang um Erlaubnis gebeten haben, bevor sie ihre eigene Bruderschaft ins Leben riefen.

Anfangs wurde die ABT wegen der brutalen Morde gefürchtet, die ihre Mitglieder in den Bandenkriegen gegen Rivalen wie den Aryan Circle oder die Texas Mafia begingen. Doch als Mitglieder aus der Haft entlassen wurden, organisierten sie sich auf der Straße und stiegen ins Methamphetamingeschäft ein. Die Gegend um Dallas/Fort Worth ist ihre Hochburg, aber sie sind auch in Houston und San Antonio präsent. Obwohl die meisten ihrer Gründungsmitglieder in Isolationshaft sitzen, sorgen der Name und Ruf der Gruppierung auch außerhalb von Justizvollzugsanstalten für Angst und Schrecken. Die Gang ist für ihre Rachemorde und dafür bekannt, dass sie nach dem Motto „Gott vergibt, die Brüder nicht" handelt.

Wie die meisten ernstzunehmenden Gefängnisgangs funktioniert die Bruderschaft nach dem Bandenkodex „Blood in, Blood out. Bei ihren Anführern handelt es sich um langjährige Insassen, die für die Gang wie Generäle sind und Befehle von ihren Zellen in Hochsicherheitsgefängnissen aus geben.

„Es dreht sich alles um Brutalität. Die Gewalttätigsten verdienen sich den meisten Respekt. Sie müssen nur wissen, wie sie die Drogen ins Gefängnis schmuggeln, der Rest ist schiere Muskelkraft", sagte mir ein Insasse, den wir an dieser Stelle Crazy Billy nennen. Crazy Billy ist ein 35-jähriger Mann aus Ohio, der wegen eines Banküberfalls verurteilt wurde. Er sitzt schon seit zwölf Jahren und hatte häufiger mit der ABT und weißen Gefängnisbanden im Allgemeinen zu tun.

„Die Menschen schließen sich Banden an, weil sie Teil von etwas sein wollen, oder weil sie zu schwach sind, um allein dastehen zu wollen. Also wollen sie sich denen anschließen, die auf dem Gefängnishof das Sagen haben. Ich habe schon Typen aus New York gesehen, die sich der ABT angeschlossen haben, weil sie diejenige war, die das Sagen hatte", sagt Crazy Billy. „Ich mag diese Bande nicht besonders. Ich hatte so meine Schwierigkeiten mit ihnen. Aber eines weiß ich: Wenn sie in einem Gefängnis das Sagen haben, haben die anderen Rassen mehr Respekt vor den Weißen. Weil sie wissen, dass zumindest diese Gruppe sich wehren wird."

Da die Bruderschaft auch außerhalb der Gefängnisse wuchs, nahmen die Aktionen auf den Straßen zu und die FBI-Agenten konnten mehrere Anklagen gegen sie erwirken. Diese letzte Anklage wegen organisierten Verbrechens lässt sich bis in die frühen 80er zurückverfolgen und schließt eine Vielzahl von Gefängnis- und Straßenmorden, Überfällen und Entführungen sowie Anklagepunkten bezüglich einer Verschwörung zum Handel mit Methamphetamin mit ein. Die letzte Runde von Verurteilungen hat einen Großteil der Anführer der Gang außer Gefecht gesetzt.

„Ich weiß, dass die Mitglieder der ABT im Justizvollzug dauerhaft in Isolationshaft sitzen. Die Jungs sind nicht gerade glücklich über die Anklagen. Ein Teil ihrer Kommunikation wurde dadurch unterbrochen", sagt Crazy Billy. „Die meisten von ihnen wollen, dass man zu ihnen aufschaut. Sie mischen sich überall ein. Sie wollen überall dabei sein. Wieso? Weil sie nichts besseres zu tun haben. Sie versuchen nicht, an sich selbst zu arbeiten. Sie versuchen erstens, mehr Macht zu erlangen, und zweitens, an mehr Geld zu kommen."

Trotz der Anklagen durch das FBI, die zu 73 Verurteilungen geführt haben, wurde kein Gangmitglied wegen eines Verbrechens aus Hass angeklagt. Stattdessen hat das FBI wegen organisierter Kriminalität gegen die Bande aus rassistischen Weißen ermittelt. Die Aryan Brotherhood vertritt zwar rassistische Überzeugungen, hat allerdings schon mehrfach gezeigt, dass sie auch mit Latinos, Afroamerikanern und anderen Gruppen zusammenarbeitet, wenn es ums Geschäft geht. Die einzige Farbe die ihnen wirklich heilig ist, ist das Grün der Dollarscheine.

„Es gibt nicht allzu viele, die an ihren rassistischen Überzeugungen festhalten. Die meisten von ihnen sind nur Tattoo-Nazis und kümmmern sich nur um sich selbst und ihre Bande", sagt Crazy Billy. „Sie lassen aber auch nicht zu, dass irgendeine andere Rasse aufmüpfig wird. Das würde sie nicht überleben. Wenn es ums Geschäft geht, haben sie aber kein Problem mit anderen Rassen. Sie nutzen auch die schwächeren Weißen aus. Im Westen knöpft die Bruderschaft schwachen Weißen Schutzgeld ab, wenn sie sich im Gefängnishof aufhalten wollen."

Das Justizministerium hat die jüngsten Verurteilungen als „Dezimierung der Bandenführer, gewalttätigen Mitglieder und Partner" bezeichnet. Der amtierende Chef der Bande, der 52-jährige Larry „Slick" Bryan, wurde zu einer Freiheitsstrafe von 300 Monaten verurteilt. Crazy Billy betrachtet das Ganze allerdings aus einer anderen Perspektive.

„Wenn die ABT übernimmt, dann richtig. Sobald es um irgendwelchen rassistischen Scheiß geht, sind alle dabei", sagt Crazy Billy. „Ursprünglich beschützte die Bruderschaft in Kalifornien die Weißen. Dann haben sie Blut geleckt und angefangen ihresgleichen auszunehmen."

Selbst wenn die derzeitige Führungsriege der Aryan Brotherhood of Texas ausgedünnt wurde, werden das Stammestum im Gefängnissystem und die offensichtliche Fähigkeit der Bande, außerhalb des Justizvollzugs Geld zu verdienen, dafür sorgen, dass sie nicht so schnell von der Bildfläche verschwinden wird.