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Dieser Typ trollt Instagram mit Bildern von toten Tieren

Wir haben mit dem vermeintlichen Tierquäler gesprochen, dem „ Pferdemädchen aus Deutschland“ den Kampf angesagt haben.
30.10.14

Foto vom Deadanimalskilled-Instagram

Update: Mittlerweile ist der Instagram-Account deadanimalsikilled gesperrt. Wer für das Sperren verantwortlich ist oder ob der Account reaktiviert wird, ist noch unklar. Wir halten euch auf dem Laufenden, wenn wir mehr Infos haben.

Irgendwann letztes Jahr tauchte ein verschwommenes Foto eines toten Nagers in Hunderten von Instagram-Feeds auf. Es wurde von einem User namens Deadanimalsikilled gepostet. Die dazugehörige Bildunterschrift war simpel: „Dienstag. Tote Ratte.”. Das war umso erstaunlicher, weil niemand dem Account wissentlich gefolgt war, weshalb die meisten ihm sofort wieder entfolgten. Ein paar Leute schienen aber fasziniert zu sein. Oder sie waren zu faul zum Entfolgen. Oder hatten einfach einen Hass auf Ratten.

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Diejenigen, die dabeiblieben, sahen nun regelmäßig Posts—meistens von Ratten oder anderen Schädlingen, manchmal auch von einem toten Vogel oder einem Waschbären. Dann kam ein Reiher mit gebrochenem Hals, ein blutiges Eichhörnchen mit eingeschlagenem Kopf und eine halbverdorrte Topfpflanze. „Das ist zwar kein Tier, aber umgebracht habe ich sie trotzdem” lautete die Bildunterschrift.

Die Posts wurden verrückter und weniger realistisch: eine tote Kuh, ein toter Pfau, ein Weißkopfseeadler auf dem Rücken im Schnee. Die Posts von Deadanimalsiskilled waren ebenso eintönig, wie die beim Account von Helen Keller, auf dem nur schwarze Fotos gepostet werden. Der Account war wohl einfach nur dazu da, in einer dunklen Ecke von Instagram herumzugeistern, bis sein Besitzer genug davon hatte, Yahoo nach Bildern von toten Schafen zu durchsuchen.

Als ein Mädchen aus Deutschland über die englischsprachigen Posts stolperte, nahm die Geschichte um das semilustige Profil allerdings eine jehe Wendung—es wäre schließlich nicht das erste Mal, dass durch Sprachbarrieren Humor verloren geht. Das Mädchen und ihre Freundinnen waren vollkommen aufgebracht, starteten ein Internet-Offensive gegen Deadanimalsikilled und spammten Social-Media-Seiten mit Aufrufen zu, um sich gegen den—wie sie annahmen—angehenden Psychopathen zu wenden. Innerhalb der nächsten Monate schoss die Zahl der Follower des Accounts in die Höhe. Jedes Foto wurde mindestens 100 Mal kommentiert. Die meisten Kommentare wurden auf Deutsch oder in gebrochenem Englisch geschrieben, doch war jeder einzelne hasserfüllt.

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Wednesday. Dead.

A photo posted by Leroy Stevens (@deadanimalsikilled) on Oct 10, 2014 at 1:29pm PDT

Ich habe Deadanimalsikilled mehr oder minder zu der gleichen Zeit entdeckt wie die aufgebrachten Jugendlichen, habe ihm aber nicht besonders viel Aufmerksamkeit geschenkt. Bis ich diesen Kommentar unter einem Foto von einem toten Schwein gelesen habe:
„In Deutschland hatten wir einen Ort für Menschen wie dich. Der Ort war Auschwitz. Jetzt steig in den Zug.” Holla, die Waldfee.

Ich habe Deadanimalsikilled ausfindig gemacht, weil ich wissen wollte, welche Sorte Mensch sich dadurch einen Kick holt, dass er so viel Hass schürt. Ist er Künstler? Ist es eine soziologische Studie? Ist es ein Statement über die Hexenjagdkultur des Internets? Weder noch. Deadanimalsikilled ist bloß ein Typ aus New York, der nicht kapiert, weshalb die Menschen keinen Spaß verstehen.

Als ich mich mit ihm unterhalten habe, war seine Freundin kurz davor, ihn wegen des Accounts zu verlassen, seine Familie war wütend und seiner Band waren gerade Auftritte gestrichen worden, weil ihm vorgewurfen wurde, Tierquälerei zu befürworten. Aufhören wollte er damit aber trotzdem nicht.

Sunday. Dead.

A photo posted by Leroy Stevens (@deadanimalsikilled) on Aug 8, 2014 at 5:09pm PDT

VICE: Hast du irgendwelche Kindheitstraumata? Wieso hast du das Bedürfnis, andere Menschen dazu zu bringen, dich zu hassen?
Deadanimalsikilled: Vielleicht habe ich ja nicht genügend Aufmerksamkeit bekommen. Vielleicht wäre ich ja nicht gezwungen, solche furchtbaren Fotos zu posten, wenn man mir mehr Aufmerksamkeit widmen würde.

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Wo bekommst du die Fotos her?
Normalerweise von Yahoo. Ich dachte, das ist besser als Google, weil die Leute die Fotos dann nicht so leicht finden können und nicht so schnell merken, dass das alles ein Fake ist. Ich weiß nicht, ob das Sinn ergibt. Ich versuche mich einfach als Troll und versuche, dafür zu sorgen, dass die Leute sich schlecht fühlen.

Anscheinend versuchen die Leute auch, dafür zu sorgen, dass du dich schlecht fühlst. Wie lange machst du das schon?
Seit Oktober letzten Jahres. Ich habe mit einer Maus angefangen und arbeite mich langsam zu größeren Tieren hoch. Ich glaube, so würde das ein Serienmörder machen. Erst eine Ratte, dann eine Krähe, und so weiter. Ich bekomme viele Morddrohungen. Die Menschen wollen mir an den Kragen.

Wie sind die Menschen überhaupt auf deinen Account gestoßen? Wie hast du es zu so vielen Followern gebracht?
Mein persönlicher Instagram-Account hatte knapp 1000 Follower. Ich hatte aber den Eindruck, dass es bei dieser App einzig und allein darum geht anzugeben. Ich hatte die Nase voll davon. Also habe ich eines Tages meinen Namen in Deadanimalsikilled geändert, alle Fotos gelöscht und das Bild von der Ratte gepostet. Über Nacht habe ich ungefähr 700 Follower verloren. Doch ein paar sind geblieben.

Deine wahren Fans.
Und dann entdeckten ganz viele 14-jährige Pferdemädchen aus Deutschland meinen Account. Sie starteten Hashtags gegen mich, baten Instagram, meinen Account zu sperren, und machten Memes darüber, wie furchtbar ich sei. Die Leute tweeten ziemlich häufig über mich. Ich mache gern Screenshots von den besten Kommentaren und poste das dann.

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A photo posted by Leroy Stevens (@deadanimalsikilled) on Sep 9, 2014 at 9:02am PDT

Ein Kommentar lautet: „Du bist verrückt. Ich bin wirklich sprachlos! Ich weiß gar nicht, was ich schreiben soll. Du bist ein Monster und du machst mich wütend. Du bist krank.”
Wenn die Leute mir sagen, dass ich krank wäre, schreibe ich ihnen häufig: „Ich weiß. Ich brauche Hilfe. Bitte hilf mir.” Darauf antworten sie dann normalerweise nicht mehr.

Wissen deine Freunde und deine Familie von deinen Umtrieben?
Sie haben es mitbekommen. Meine Familie, na ja, meine Mutter, versteht es schon irgendwie. Sie weiß, dass das Spaß ist. Aber sie hat mich inständig darum gebeten, nicht mit dir zu sprechen oder dich zumindest nicht meinen richtigen Namen verwenden zu lassen. Sie ist davon überzeugt, dass das mein Leben ruinieren würde. Meine Freundin ist auch richtig sauer. Sie liebt Tiere und findet die Sache überhaupt nicht lustig.

Und trotzdem postest du weiterhin Fotos von toten Tieren.
Ich versuche, das unauffällig zu machen, während sie gerade duscht zum Beispiel. Ich darf es aber auf keinen Fall erwähnen. Wenn ich es ihr gegenüber erwähne, ist der Tag im Eimer. Sie wird dann richtig sauer. Auftritte meiner Band bei Festivals wurden wegen meines Accounts auch schon gestrichen.

I need help.

A photo posted by Leroy Stevens (@deadanimalsikilled) on Sep 9, 2014 at 9:33am PDT

Was ist passiert?
Ich war gerade auf dem Weg nach Boston, um dort aufzutreten, als ich eine SMS vom Headliner erhielt. Er hatte den Instagram-Account gefunden und schrieb, dass er anstößig sei und beweist, dass ich einen schlechten Charakter habe. Er schrieb, dass er es ganz toll fände, dass ich gern unschuldige Lebewesen umbringe, und fragte, ob ich die Katze unseres gemeinsamen Bekannten umbringen würde. Ich nehme mal an, dass er den Account nicht lustig fand.

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Ich finde, letztlich ist doch die Idee witzig, dass ein junger, dummer Psychopath Fotos von seinem Weg zum Serienmörder auf Instagram postet.

Wie häufig postest du?
Ich gebe mir Mühe, jeden Tag etwas zu posten. Ich liebe es einfach. Aber es ist schwer, die richtigen Fotos zu finden. Ich suche ja nach ganz bestimmten Fotos. Es muss ein POV-Shot sein, man muss auf den Kadaver runterschauen.

Es gibt online viele Fotos von gehäuteten Tieren. Aber ich bevorzuge es, wenn so gut wie keine Wunden zu sehen sind. So kann es ja auch sein, dass die Tiere vergiftet wurden. Vielleicht vergiftet diese Figur, die ich erschaffen habe, ja gern Alpacas und Weißkopfseeadler. Oh, wegen des Weißkopfseeadlers war jemand wirklich wütend. Diese Person schrieb, dass ich den Adler ihres Landes vergiftet hätte. Der Satz hat mir sehr gut gefallen.

Das Adlerfoto war wirklich gut, weil es so aussah, als ob der Adler eine blutige Nase hatte. Wusstest du, dass Adler eine blutige Nase bekommen, wenn du sie umbringst?

Wendesday.

A photo posted by Leroy Stevens (@deadanimalsikilled) on Sep 9, 2014 at 1:27pm PDT

Nein.
Im Allgemeinen bemühe ich mich, keine Bilder zu posten, auf denen Blut zu sehen ist, weil ich Instagram ungefähr 15 Mal am Tag gemeldet werde. Ich möchte nicht, dass sie meine Fotos des Blutes wegen löschen. Bis jetzt waren die Leute von Instagram aber total umgänglich. Ich gehe mal davon aus, dass sie Sinn für Humor haben.

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Gibt es ein Tier, das du nicht umbringen würdest?
Ich hätte ein schlechtes Gewissen dabei, ein totes Katzenbaby zu posten. Aber ich härte ja langsam ab. Vielleicht werde ich in ein paar Monaten auch das posten.

Hast du Lieblingskommentare?
Lass mich mal überlegen. „Wenn ich wüsste, wo du wohnst, würde ich dich umbringen, ein Foto davon schießen und es auf Instagram posten. Was würdest du davon halten, du Arschgeburt?” Das gefällt mir. Jemanden Arschgeburt zu nennen, ist schon ziemlich originell.

Ich habe einen Kommentar von einem zehnjährigen Jungen aus Deutschland erhalten, der sich wie der Dalai Lama anhörte: „Es gibt etwas auf dieser Welt, das dich dasselbe erleiden lassen wird, was diese Tiere erlitten haben, und ich bin der Einzige, der diesen Augenblick auf Instagram festhält.“ Darüber habe ich schon eine Weile nachgedacht.

Du machst das jetzt seit einem Jahr. Wie lang soll das noch weitergehen?
Als du mich wegen des Interviews heute angerufen hast, saß meine Freundin gerade neben mir. Sie hat mich gebeten, dir kein Interview zu geben. Meine Mutter findet es auch schrecklich. Und trotzdem bin ich hier. Ich kann einfach nicht damit aufhören.

Du bist angefixt.
In einem Jahr wirst du vielleicht herausfinden, dass ich diese Tiere wirklich umgebracht habe. Hm, könntest du meinen richtigen Namen bitte doch nicht verwenden?

Wenn euch das noch nicht genug Fotos von toten Tieren waren, könnt ihr euch mehr auf Instagram anschauen.