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„Wo die Grenze zwischen Fiktion und Realität war, wusste nicht mal ich“

Ein Interview mit ATV-Kultfigur Robert Nissel über die FPÖ, Emotion Management und die Liebe.
24 Oktober 2014, 12:30pm

„Wir sind wirklich ein Herz und eine Seele in zwei Körpern" | Foto mit freundlicher Genehmigung von Robert Nissel

Gestern haben wir euch hier erzählt, warum Robert Nissel der beste Mensch der Welt ist. Lange Zeit war er an der ATV-Serie Das Geschäft mit der Liebe beteiligt, in der er in Ost-Europa die große Liebe gesucht hat. Durch sein skurriles Auftreten und sein Love Coaching wurde er zur österreichischen Kultfigur, die wahrscheinlich ebenso viele Fans wie Gegner hat. Seine Kandidatur als FPÖ-Gemeinderat hat er aus Zeitgründen zwar wieder zurückgezogen, Robert Nissel will aber trotzdem in der Politik aktiv werden—vielleicht sogar mit seiner eigenen Partei.

In einem Statement auf Facebook hat er sich zu unserem Artikel geäußert und darum haben wir heute mit ihm über die FPÖ, fließende Energie und Das Geschäft mit der Liebe gesprochen.

Screenshot: VICE Media

VICE: Sie haben gestern in einem Statement zu unserem Artikel geschrieben, dass in Das Geschäft mit der Liebe einiges gespielt war. Wie viel war gespielt und wie viel echt?
Robert Nissel: Das Ganze liegt irgendwo zwischen Fiktion und Realität. Ich habe oft selber nicht gewusst, wo der Übergang war, weil man sich so überdreht und überspitzt zeigt. Natürlich ist da Wahrheit dahinter, aber alles ist übertrieben. Man kann ja nicht sagen, dass das alles unwahr war—und genau das war der Erfolg der Serie, sie war einfach authentisch—aber halt überzeichnet. Wo da die Grenzen zwischen Fiktion und Realität waren, hab irgendwann nicht mal mehr ich gewusst.

Wie denken Sie jetzt über Ihre Zeit in der Sendung? Konnten Sie irgendwas daraus mitnehmen?
Jede Situation ist eine Erfahrung, wenn man versteht, daraus zu lernen. Das Wichtigste dabei ist aber—und da komme ich wieder zu meinem Love Coaching, das ich ja doch irgendwo beherrsche, aber nicht gewerblich nutze—, dass man sich selber erreichen muss. Wenn einem das gelingt, kann man sich selbst aus mehreren, distanzierten Blickwinkeln sehen. Das macht alles leichter—eigentlich das ganze Leben. Man darf nicht alles so persönlich nehmen, genau so wie ich diese vielen Angriffe zur Zeit nicht persönlich nehme. Da ist einfach die ATV-Figur gemeint und nicht ich persönlich. Das muss man halt unterscheiden können.

Also sind Ihnen die Angriffe und Beleidigungen auf Facebook egal?
Ja. Die Leute kennen mich nicht. In dem Augenblick, wo man Leute persönlich kennt, ist das was Anderes. Wenn mich jemand persönlich kennenlernt, lernt er mich kennen und nicht die ATV-Person. Ich meine, ich bin kein Schauspieler, und die ATV-Figur bin schon ich, es war nur überzeichnet—das will ich noch einmal betonen. Das hat auch der Regisseur super umsetzen können. Das war teilweise von ihm gesteuert, der ist ein grenzgenialer Dokufilmer. Der hat das wirklich super regisseurt. Wie heißt das? Recherchiert?

Regie geführt!
Ja, Regie geführt [lacht laut]. Und sehen Sie, ich kann über mich selbst lachen. Ich hab immer das Positivierte und das fehlt den Menschen einfach. Sie denken immer nur an das Negative aber ich steh einfach dazu—auch zu meinem Englisch. Darüber wird ja ständig gelacht aber ich lache da genauso drüber.

Was sagen Sie zu dem Rummel, der wegen Ihrer FPÖ-Kandidatur in den letzten Tagen passiert ist?
Also ich hab das Ganze schon ein bisschen analysiert und schon entdeckt, was da Schuld war. Am Dienstag, als ich in der Heute war, war gleichzeitig eine ATV-Pressekonferenz. Da können Sie sich vorstellen, was da passiert, wenn die ihr Programm für 2015 präsentieren und alle Redakteure nur wissen wollen, was mit dem Nissel ist und was der in der Politik machen will. Durch das zufällige Zusammentreffen der Pressekonferenz und dem Heute_-Bericht hat dann sogar _Die Presse was darüber gebracht. Das war wirklich schon eine Eigendynamik und ein Zusammenspiel günstiger oder ungünstiger Komponenten—nehmen Sie es, wie Sie wollen. Für ATV ist das sicher auch nicht schlecht, wenn da ein bisschen Leben reinkommt. Ich seh da immer das Positive.

Stimmen Sie mit allen Ansichten der FPÖ überein oder gibt es etwas, das sie an der FPÖ ändern würden, wenn Sie könnten?
Also ich fahre eine mittlere Schiene, ich mag immer das Mittelmaß. Die FPÖ hat gute Ansätze, ich kann auch größtenteils mit der Ausländerpolitik was anfangen. Nur muss man auch an die Absichten der Menschen denken. Mir ist das egal, wo jemand herkommt oder was er für eine Hautfarbe hat—es zählt nur die Absicht der Menschen. Die Absichten eines Menschen kann man aber nicht sofort erkennen, das ist das Problem. Es müsste ein Testverfahren in die Welt gesetzt werden, sodass man erkennen kann, ob die Menschen gut sind und wirklich in Österreich leben wollen. Da hat ja kein Mensch was dagegen. Das, was die FPÖ über einen Kamm schert, würde ich einfach ein bisschen mehr differenzieren. Die ganz Schlimmen, die nur zum Abzocken da sind, sind nicht in Ordnung und sind auch schlecht für die Ausländer, die in Österreich integriert sind—und auch für uns Österreicher. Die Spezifizierung geht bei der FPÖ unter, aber die Richtung ist schon gut. Wir können nicht immer nur zahlen, zahlen, zahlen und wenn zu viele Ausländer da sind, herrscht einfach ein Ungleichgewicht. Es fehlt halt eine Partei, wo jeder sagen kann „Das brauch ich."

Und das wäre dann die Partei, sie Sie, wie Sie selbst sagen, vielleicht gründen wollen?
Genau so ist es. Die Partei hätte von allem ein bisschen was und würde die menschliche Komponente in den Vordergrund setzen. Ein Staat besteht letztendlich aus menschlichen Bürgern, nicht aus Banken. Und das ist das große Ungleichgewicht—alle Regierungen sind zu geldbezogen. Letztendlich stimmt das Sprichwort „Geld regiert die Welt".

Zurück zum Thema Liebe. Was ist das Rezept für die große Liebe?
Bevor man über Liebe reden kann, muss man sich selbst klarer sehen und sich selbst lieben. Nicht auf eine kranke Art und Weise, sondern ich rede von einer natürlichen Selbstliebe. Wenn ich mich selbst nicht liebe, kann ich auch niemand anderen lieben. Man fühlt das ja selbst. Das Interessante ist ja, man kann einem Anderen nur Energie geben, wenn man selbst genug Energie hat. Wenn ich ein kranker Mensch bin, kann ich auch keine Energie geben. Der Durchfluss muss stimmen. Das ist alles eine Durchflussache. Wo auch immer Liebe her kommt—egal—sie geht durch einen durch und dann zum Nächsten hin. Mit mehr Menschlichkeit würde sich einfach alles regeln—nicht nur in der Politik sondern auch privat.

Wollen viele Leute Liebestipps von Ihnen?
Überhaupt nicht. Ich hab das Ganze nur für ATV gemacht und ich habe einfach eine Begabung, ja, eine Berufung, die ich aber nicht gewerblich nutze. Ich habe natürlich vorher alle möglichen energetischen Schulungen gemacht und bin im Shaolin-Tempel herumgehüpft, und so bin ich zum Emotion Manager geworden. Ich habe die Gefühle von überall bezogen und dann gemanaged. Ich kann den Menschen nicht helfen, zu sich selbst zu finden, das müssen die Leute schon selber machen. Gefühle kann man nur selbst lernen. Ich kann den Menschen zwar den Weg zeigen, aber verändern können sie sich nur selbst. Ich nenne mich jetzt eben deswegen nicht mehr Love Coach, sondern Emotion Manager, weil es bei Gefühlen nicht nur um Beziehungen geht, sondern um viel mehr.

Screenshot via YouTube

Warum glauben Sie, sind Sie mittlerweile zur Kultfigur geworden?
Ich kann Ihnen sagen, was das ist. Die Menschen nehmen mich unterbewusst anders wahr. Die fühlenden Menschen spüren von mir die Energie, die ich ausstrahle. Viele Menschen nehmen aber nichts wahr, und das sind die Menschen, die dann schimpfen. Diese Menschen, die mich nicht wahrnehmen, nehmen mich aber trotzdem wahr und sind dann überfordert. Die einen können mit mir was anfangen, die anderen nicht. Viele hassen und sind neidisch—aber sie reden trotzdem über mich. Das ist Ihnen bestimmt auch schon aufgefallen, oder?

Ja, stimmt.
Genau, das ist das Unterbewusste. Ich kann Ihnen das auch nicht erklären—niemand kann das erklären. Aber es funktioniert. Was genau wie funktioniert, werden wir nie erfahren. Die Schöpfung werden wir nie durchschauen, aber das macht ja nichts.

Eine letzte Frage habe ich noch. Was war das Schlimmste, das Sie je über sich gelesen haben?
Das Schlimmste, was ich vor Kurzem lesen musste, war, dass ich ein Kindervergewaltiger bin. Ich liebe Kinder besonders und Kinder brauchen Schutz, weil Kinder unsere Art erhalten. Kinder sind die Zukunft und das ist meine Message. Diese Menschen, die eine Fehlfunktion haben und Kinder missbrauchen—egal, ob die aus der Kirche sind oder nicht—mag ich nicht. Als meine Frau schwanger wurde, haben auch viele gesagt, dass ich ein Kind geschwängert hätte. Eine Frau mit 25 Jahren ist aber definitiv kein Kind mehr. Ja, Philippininnen schauen jung aus und sind zierlich—das heißt aber nicht, dass sie Kinder sind. Das hat mich schon sehr getroffen.

Das wars auch schon, vielen Dank für das Gespräch.
Und, sind Sie zufrieden? Haben Sie sich das so gedacht, dass der Robert Nissel so ist, wie er ist?

Ja, eigentlich schon. Genau so hab ich mir Sie vorgestellt.
Ja, ich bin einfach ein naturguter Mensch und das fühlt man einfach. Bei mir fühlt man sich wohl—das nennt man einfach eine angenehme Ausstrahlung. Das ist etwas, was man nicht spielen kann—wo wir wieder bei Fiktion und Wahrheit sind.

Bringt Verena auf Twitter in den richtigen Energiefluss: @verenabgnr