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In Frankreich beweisen gewalttätige Clowns, warum man vollkommen zu Recht Angst vor ihnen hat

Baseballschläger schwingende Irre, die unerkannt Menschen zusammenschlagen? Ein Grund mehr, Clowns endlich zu verbieten.

von Joel Golby
30 Oktober 2014, 4:47pm

„Diabolische Clowns” in Südfrankreich (Foto: Facebook)

Jedes Mal, wenn ich neue Menschen kennen lerne und wir an einen Punkt kommen, an dem wir über unsere Ängste sprechen, bin ich am Ende enttäuscht. Wieso? Nun ja, begründeterweise Angst hat man normalerweise vor folgenden Sachen: Geldautomaten. Kampfhunde. Tests auf sexuell übertragbare Krankheiten. Gerichtsvollzieher. Dieser nervenaufreibende Augenblick, wenn ihr ein Foto von eurem Gehänge macht und es per Snapchat an jemanden schickt, dessen Name mit demselben Buchstaben beginnt wie der eines Familienmitglieds. Dass euer Haus nachts abbrennt.

Angst vor Clowns zu haben hingegen gehörte lange Zeit zu den schwachsinnigsten Dingen überhaupt. Es ist eine Angst, die sich Teenager einreden, weil sie interessant wirken wollen und es nicht besser wissen. Es ist eine Angst, die daher rührt, dass jemand ein Bild von Pennywise aus Stephen Kings Es sieht und sich denkt: „Hey, das wäre doch ein coole Phobie.”

Doch jetzt, wo aus jungen Männern bestehende Banden als Clowns verkleidet durch Frankreich marodieren und unschuldige Passanten mit Schusswaffen, Brechstangen, Messern und Baseballschlägern verfolgen, bekomme ich den Eindruck, dass es vielleicht doch gerechtfertigt sein könnte, Angst vor Clowns zu haben.

Letztes Wochenende wurden 14 als Clowns verkleidete Teenager vor einem Gymnasium in Agde in Südfrankreich festgenommen. In Montpellier wurde ein Mann von einem als Clown verkleideten Typen und seinen zwei Komplizen mit einer Stange zusammengeschlagen. Letzte Woche wurde ein Metzgerlehrling zu sechs Monaten auf Bewährung verurteilt, nachdem er sich als Clown verkleidet und Kinder in Douvrin in Nordfrankreich in Angst und Schrecken versetzt hatte.

Manche Menschen sagen, es sei schlimm, dass echte Clowns durch diese Sache ihre Arbeit verlieren würden. Denen kann ich nur eines antworten: „Weshalb gibt es überhaupt noch echte Clowns?”

„Am Besten wäre es, wenn die Menschen aufhören, darüber zu sprechen”, sagt Philippe Herreman, Leiter der Association Ch’tiClown, einer sozialen Organisation, die Krankenhäuser und Pflegeheime besucht, um die Patienten abwechselnd aufzuheitern und in Angst zu versetzen. Phil, ich muss dir an dieser Stelle widersprechen. Ich muss an dieser Stelle einfach mal mit der Faust auf den Tisch hauen und sagen: „Das Beste, was mit diesen „diabolischen Clowns” passieren kann, ist, dass sie aufhören Menschen anzugreifen. Weil diese Angriffe vielleicht das Schlimmste sind? Weil es vielleicht wirklich schrecklich ist, von einem Clown zusammengeschlagen zu werden?

Frankreich ist nicht das einzige Land, in dem Clowns gewalttätig werden. In London erhielt die Metropolitan Police im letzten Jahr 117 Anrufe, die mit dem Auftauchen von Clowns in Verbindung standen. Was sich nach ziemlich viel anhört. Letzten Oktober wurde der Student Alex Powell als berüchtigter Clown von Northampton entlarvt. Er hatte sich gelegentlich als Clown verkleidet und war bis zu den Knien in Teiche gewatet, um den Passanten zuzuwinken. (Wir haben ihn um eine Stellungnahme gebeten, aber bisher hat er uns noch nicht geantwortet.) Im Dezember titelte die Hull Daily Mail: „Is there a Spooky Clown scaring people in Hull?”

Gab es einen gruseligen Clown, der die Einwohner von Hull in Angst und Schrecken versetzte? Vielen Menschen sagen ja. Aber niemand hat eine Erklärung dafür, warum. Die Polizei in Frankreich sucht die Schuld bei viralen Internetvideos, in denen sich jemand als Clown verkleidet und jeden erschreckt, der durch einen unglücklichen Zufall nachts allein über einen Parkplatz läuft. Ich suche die Schuld bei Hull.

„Colin der Clown” in den 1980er Jahren

„Colin der Clown” spielt seine Rolle schon seit über 20 Jahren und ist für die Queen und John Terry aufgetreten. Er hat verständlicherweise kein Verständnis für die Clowns, die Menschen mit Stangen verprügeln. „Natürlich bin ich gegen Gewalt”, sagte er mir mit ernster Stimme am Telefon. „Gewalttätig zu werden und die Schuld dann Clowns in die Schuhe zu schieben … Clowns sollen die Menschen unterhalten und sie glücklich machen. Das ist doch das genaue Gegenteil davon.” Colin hat mich auch darauf aufmerksam gemacht, dass ein Clownskostüm einer Straftat eher abträglich ist. „Ich meine, ich trage häufig diese riesengroßen Clownsschuhe, in denen ich nicht rennen kann. Daran kann man einen echten Clown erkennen: an richtigen Clownsschuhen”, fügte er hinzu.

Damit hat er Recht. Obwohl mir wohl die Tatsache am meisten Angst einflößt, dass da draußen Menschen herumlaufen, unverkleidete Menschen, die sich gelegentlich als Clowns verkleiden und andere angreifen. Vielleicht bist du ja heute morgen mit einem Mörder-Clown in zivil in die U-Bahn gestiegen. Vielleicht ist die Person, die gerade in der Büroküche neben dir steht und Kaffee kocht, in ihrer Freizeit ein Hackbeil schwingender Irrer. Kennst du jemanden, der Ölfarbe hortet? Oder jemanden, der einen Haufen gruseliger Perücken zu Hause hat? Jemanden, der besonders gut darin ist, durch eine Hecktür ein- und auszusteigen? Hält einer deiner Freunde wasserspritzende Blumen für lustig? Vielleicht handelt es sich ja um einen französischen Horror-Clown.

Falls ja: Sprecht ein ernstes Wörtchen mit diesem Menschen. Bis dahin: Verbietet bitte Clowns.