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Popkultur

Wie man sich 2014 im Internet verhalten sollte

Egal ob Facebook, Twitter, Kickstarter, Snapchat oder Tinder—viele Leute schaffen es immer noch regelmäßig, einfache Regeln beim Nutzen dieser Plattformen zu missachten. Wir zeigen dir, wie du nicht zu diesen Menschen gehörst.

von Joel Golby
20 Oktober 2014, 3:01pm

Foto: Andrew B. Mayers 

Vor Kurzem kam es zu „The Snappening“. Das heißt, dass sich gerissene Computer-Hacker wahrscheinlich genau jetzt dein Geschlechtsteil und die Geschlechtsteile Hunderttausender anderer Menschen zu Gemüte führen. Schuld an dem Ganzen ist eine inoffizielle App, mit der Snapchat-User die ihnen geschickten Fotos speichern können (und damit das Konzept von Snapchat zunichte machen). Hacker haben behauptet, dass sie 200.000 dieser gespeicherten Bilder gestohlen haben. Jetzt sind sie auf einschlägigen Seiten und Datenbanken zu finden.   

Es wurde auch gemutmaßt, dass es sich nur um einen Hoax handelte. Der Punkt ist jedoch, dass wird im Jahr 2014 leben—Technologie kann einem echt Angst machen und ist verwirrend und du kannst dich vor Geschlechtsteilen kaum retten. Wie kannst du es da verhindern, dass andere Menschen deine Titten, deine Eier oder vielleicht auch nur deine Schambehaarung sehen können? Und wenn wir schon dabei sind: Gibt es beim Schießen von Schwanz-Fotos gewissen Regeln zu beachten? Wie sieht es mit der Annahme einer Freundschaftsanfrage aus? Ist es cool, bei Etsy handgemachten Blödsinn zu kaufen?

Das Internet hat die gesellschaftlichen Benimmregeln zu einem komplexen Wirrwarr werden lassen. Wir erklären euch hier, wie ihr digitale Fettnäpfchen gekonnt umgeht. 

WAS IST SNAPCHAT UND WIE OFT SOLLTE ICH DORT MEINE BRÜSTE ODER MEINEN PENIS FOTOGRAFIEREN?

Snapchat ist eine App, mit der Teenager versaute Nachrichten hin- und herschicken und mit der sich mein Mitbewohner beim Joggen fotografiert. Ein Bild, das nicht für die Öffentlichkeit bestimmt ist, solltest du damit allerdings nicht machen—es sei denn, du bist dir total sicher, dass so etwas wie „The Snappening“ in naher und in ferner Zukunft nie wieder geschehen wird. 

SOLLTE ICH DEN MARATHON MEINES KUMPELS FINANZIELL UNTERSTÜTZEN?

Ich bin stark dafür, niemandem Geld für einen Langstreckenlauf zu geben, wenn am Ende des Laufes eine Medaille wartet. Es ist nämlich folgendermaßen: Fast jeder, der an einem Marathon teilnimmt, macht dies aus Freude am Laufen. Du hasst Laufen? Warum willst du dann bei einem Marathon mitmachen, du Volltrottel? Von mir siehst du keinen Cent!

Meine Bekannten und ich—wir essen auch eine ganze Pizza auf einmal—sind von einer Sache überzeugt: Kein Marathonläufer der Welt wurde jemals wirklich gezwungen, an einem Marathon teilzunehmen. Ich werde diese Leute erst dann finanziell unterstützen, wenn ich ebenfalls Geld dafür bekomme, Dinge zu tun, die ich gern mache. Dazu gehören zum Beispiel Nichts, das Tragen von Pullovern und das langsame Auspacken eines iPhones. 

SOLLTE ICH BEI TINDER NACH DER WAHREN LIEBE SUCHEN?

Hättest du mir diese Frage vor einem Jahr gestellt, wäre meine Antwort „Auf jeden Fall, du Loser“ gewesen. Inzwischen ist Tinder jedoch zu einem Sammelbecken für Leute geworden, die dort Witze reißen, Screenshots der Witze machen und dann darauf hoffen, dass einer dieser Screenshots auf einer BuzzFeed-Liste landet. 

Glaubst du wirklich, dass du so einen Menschen wahrhaftig lieben kannst? Dachte ich’s mir doch. 

SOLLTE ICH ETWAS BEI DEN ETSY-SHOPS MEINER FREUNDE BESTELLEN?

a. Stellen deine Freunde Dinge wie Kissen oder iPad-Hüllen her, also etwas, das du auch mit echtem Geld günstiger und in besserer Qualität in einem normalen Laden kaufen könntest? Falls ja: Nein, bestelle nichts bei den Etsy-Shops deiner Freunde.

b. Basteln deine Freunde Sachen, die besser oder zumindest genauso gut sind wie etwas, das du auch in einem normalen Laden bekommst? Falls das der Fall ist: Vielleicht. Es kommt ganz darauf an, ob du handgemachte Perlenketten oder kleine Filzbeutel voller Würfel wirklich brauchst. 

SOLLTE ICH EINE WILLKÜRLICHE FACEBOOK-FREUNDSCHAFTSANFRAGE ANNEHMEN?

Ich denke schon. Ich würde fast sagen auf jeden Fall. Folgendes Szenario ist das Schlimmste, was dann meiner Erfahrung nach passieren kann: In deinem Newsfeed landen ein paar unscharfe Party-Fotos eines Unbekannten, den du anschließend nicht mehr abonnierst. Lebe dein Leben. Geh doch mal ein Risiko ein. Sag ja, wenn irgendein Weirdo dein Facebook-Freund sein will. Vielleicht ist er ja auch einfach nur ein dir unbekannter Arbeitskollege, wer weiß. 

So ein Foto könnte in deiner Timeline erscheinen, wenn du einen komplett Fremden addest.

SOLLTE ICH DIE „PROFESSIONELLEN“ FACEBOOK-SEITEN VON BEKANNTEN „LIKEN“, MIT DENEN ICH DORT SCHON BEFREUNDET BIN UND DAMIT SOWIESO JEDEN LINK ZU IHRER NÄCHSTEN OPEN-MIC-SESSION ODER IHREM NEUSTEN BLOG-EINTRAG ZU SEHEN BEKOMME?

Nein. 

WIE REAGIERE ICH, WENN BEI TWITTER JEMAND EINEN GUTEN WITZ MACHT, MIR ABER KEINE GUTE ANTWORT DARAUF EINFÄLLT?

Tweet favorisieren, weitermachen. 

WIE VIEL SOLLTE ICH BEIM KICKSTARTER-PROJEKT MEINES FREUNDES DAZUGEBEN?

Kickstarter ist der Ort, wo fein polierte Holzblöcke zu akustischen iPhone-Halterungen werden. Allerdings wirst du dort auch täglich von deinen Freunden dazu gedrängt, Geld für ihr neues „Reggae—FOR KIDS!“-Album zu spenden. Als Gegenleistung bekommst du dafür „unendliche Dankbarkeit!“ und „einen Sticker“. Hier nun die drei Geldbeträge, die du ruhigen Gewissens zu den Kickstarter-Projekten deiner Freunde beitragen kannst. 

1. Du kannst 25 Euro zusichern, wenn du mit absoluter Sicherheit sagen kannst, dass die Kampagne niemals das vorgegebene finanzielle Ziel erreichen wird. Dann musst du das Geld nicht wirklich zahlen. Eine richtige Win-Win-Situation—außer natürlich für die Person, die das Projekt gestartet hat. 

2. 25 Euro sind OK, wenn du unbedingt die 800-seitigen, auf ganz dünnem Papier gedruckten Memoiren deines Bekannten lesen willst. 

3.0 Euro. Es ist nicht schlimm, wenn du nicht an deine Freunde glaubst. 

SOLLTE ICH MEINE FREUNDE BEI LINKEDIN ADDEN?

Nein. Adde niemanden bei LinkedIn. LinkedIn ist eine Plattform für Leute, die mehrere passende Outfits für ein Bewerbungsgespräch besitzen und die beim Ansehen ihrer Kontoauszüge keine Schweißausbrüche bekommen. Lass am besten ganz die Finger davon. 

Foto: Anthony Topper | Flickr | CC BY-2.0

SOLLTE ICH AUF EINE FACEBOOK-EVENT-EINLADUNG ANTWORTEN?

Das habe ich einmal gemacht. Ich habe mir den Termin in meinem iPhone-Kalender eingetragen, bin zu der Party gegangen und alles war gut. Es gab sogar Snacks. Allerdings bekam ich jede der hundert Millionen Lebensgeschichten mit, die einfach nur eine Ausrede dafür sein sollten, dass man es nicht auf die Snack-Party schafft. 

„Ich bin in der Woche und in den sechs Wochen davor in Indonesien! Snackt was für mich mit!“

„Wir wollten eigentlich extra deswegen zu euch fahren, aber [hier steht dann eine total komplizierte Story, die aber eh gelogen ist. Der Lügner hat nur auf „Teilnehmen“ geklickt, weil ihm nicht bewusst war, von wem die Einladung kam.]“

Es ist ganz einfach: Antworte niemals auf Facebook-Event-Einladungen. So bekommst du nicht ständig irgendwelche Benachrichtigungen. Ich muss jedoch zugeben, dass ich so auch ungefähr 60 Prozent der Veranstaltungen vergesse, auf die ich eingeladen bin. Das nehme ich allerdings gerne in Kauf, wenn dafür mein Handy nicht alle paar Sekunden vibriert. 

SOLLTE ICH DAS BILD EINER KÜRZLICH VERSTORBENEN PERSON BEI INSTAGRAM „LIKEN“?

Das ist jetzt knifflig. Einerseits willst du nicht so rüberkommen, als würdest du den Tod dieser Person gutheißen, aber andererseits willst du auch nicht die Tatsache ignorieren, dass jemand gestorben ist und jemand anderes deswegen bei Instagram trauert. So etwas muss man von Fall zu Fall entscheiden. Eines steht jedoch fest: Schreibe niemals so etwas wie „Verdammt, dein Großvater war echt ziemlich sexy.“ Das kommt nicht gut an. 

SOLLTE MAN BEI TWITTER PRIVATE NACHRICHTEN ALA „HEY, DAS IST MEIN SCHWANZ“ VERSCHICKEN?

Wenn man aus Vorfällen wie diesem eine Sache lernen kann, dann folgende: Nein, Nacktbilder haben auf Twitter nichts zu suchen.

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