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Sex

Diese Nacktmasseuse sieht sich als feministische Erzieherin

„Manchmal bemerke ich die Erektionen gar nicht, da ich bei der Arbeit eh in Gedanken schwelge.“

von Catherine Cochard, Fotos: Yves Bachmann
11 August 2014, 9:19am

Kelly Rumjaun bietet Nacktmassagen an—strikt ohne Handjob oder einer anderen Form von Sex. Sie sagt, diese Massagen sind ein kalifornisches Exportgut.

Zwischen den freundlichen Nutten, den Quartierdealern, den zahlreichen Champagner-Bars und den Fünf-Sterne-Hotels in Genfs Pâquis-Quartier hat Kelly Rumjaun 2011 ihren Naturisten-Massagesalon eröffnet. Der Name „Crystal Massage“ erinnert zwar an einschlägige Rotlicht-Etablissements, am Eingang hängt aber ein Schild mit der klaren Message „No sex". Ein Reminder für jeden Kunden: Diese Massagen sollen keine sexuelle Konnotation haben.

Kelly Rumjaun kommt mit Freund und Chihuahua in ihrem Salon an. Die braungebrannte Schönheit stammt von der Insel La Réunion und arbeitet so nackt wie ihre Kunden. „Ich will dir nicht sagen, wieviel ich im Monat verdiene, aber es ist gutes Geld, sehr gutes Geld“, kichert sie, während sie die tätowierten Augenbrauen mit dem schweren Diamantring am Mittelfinger glättet.

Niemand wacht eines Morgens auf und will von Nackmassagen leben: „Ich war früher Model, hatte Shows und Shootings in Paris und Bordeaux. Darum hatte ich La Réunion ursprünglich verlassen. Aber ich fing an, mich nach einem regelmäßigen Job zu sehnen.“ So begann Kelly als Naturisten-Masseuse in Lille, Frankreich.

„Nach vier Jahren hat mir jemand dieselbe Stelle in Genf angeboten, mit dreifachem Einkommen. Also zog ich hierhin.“ Als ihr Arbeitgeber das Angebot auch auf sexuelle Gefälligkeiten ausweiten wollte, war es für Kelly aber vorbei: „Ich hab gekündigt und Crystal Massage eröffnet.“ Heute ist sie die einzige in der Stadt, die „No sex"-Nacktmassagen anbietet.

Wie bei jeder Ganzkörpermassage geht es auch bei der Naturisten-Massage darum, den ganzen Körper zu entspannen. Dazu kommt aber die visuelle Stimulierung: „Eine Masseuse braucht volle Kontrolle über ihren eigenen Körper. In jedem Moment muss sie gut aussehen. Eigentlich bin ich mehr Performerin“, erklärt uns Kelly—fast zu ernst.

Kelly Rumjaun bietet auch traditionelle Massagen, bei denen sie bekleidet ist—„Aber niemand will die!“ Beliebter ist da das  „Reflet du miroir“-Angebot, eine Nacktmassage in einem Raum mit Spiegeln an allen Wänden, „so dass der Kunde mich aus jedem Winkel betrachten kann.“

Außerdem gibt es die Vier-Hände-Massage, bei der eine Kollegin mit Kelly zusammen massiert. Oder Pärchenmassagen, die dann auch wirklich ins Geld gehen: „Der Preis ist es wert ! Wir haben immer so viel Spaß, wenn wir alle vier nackt sind. Und Männer schauen gerne zu, wenn eine nackte Frau ihre Frau, Freundin oder Affäre anfasst.“

Kelly beginnt immer mit dem Rücken und wenn dort alles relaxet ist, sitzt sie dem Kunden zwischen die Beine und bittet ihn, sich zu drehen. „Meistens haben die Kunden einen Steifen, aber ich sag mir immer: Männer haben ständig Erektionen. Das ist sowas von natürlich! Manchmal bemerke ich die Erektionen gar nicht, da ich bei der Arbeit eh in Gedanken schwelge.“ Kelly beendet ihre Massagen jeweils beim Kopf—ihren Schritt nur wenige Zentimeter vom Gesicht des Kunden entfernt. „Ich nenne das die Kirsche auf der Torte, aber ich mach es nicht immer. Nur wenn der Kunde so scheu ist, dass ich ihn auf diese Weise voll aus der Reserve locken kann!“

Die Kunden von Kelly sind zwischen 35 und 70 und oft ziemlich vermögend. „Viele werden von den Fünf-Sterne-Hotels zu mir geschickt. Manche kommen wegen dem Kick: Sie betrügen ihre Frauen nicht—es ist ja kein Sex—aber sie schütten so viel Adrenalin aus, da sie einer anderen Frau so nah kommen.“ Als ich frage, was sie an ihrem Job am meisten mag, wird Kelly fast zur Feministin: „Männern Selbstkontrolle beizubringen! Auch wenn sie potent und mächtig sind, können sie nicht alles kaufen.“

Auch einige Frauen gehören zu Kellys Klientel. „Mit ihnen ist es schwieriger! Sie sind laut, sie stöhnen und sie versuchen immer, mich anzufassen. Ab und zu muss ich eine von ihnen dran erinnern, dass das nicht erlaubt ist.“

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