Ich frage für einen Freund

Besoffen einpennen: Gesunder und tiefer Schlaf oder das Gegenteil?

Eine Expertin erklärt, was mit "deinem Freund" passiert, wenn er betrunken irgendwo einschläft.

von Juno DeMelo
08 Juli 2016, 9:35am

Titelfoto: imago | Ralph Peters | bearbeitet

Das Szenario: Dein "Freund" ist quasi jeden Abend in irgendwelchen Bars unterwegs. Dabei verwandelt sich der angepeilte eine Drink schnell in sieben und das Ganze endet mit einer nächtlichen Fertigmahlzeit sowie etwas, das man entweder als Bewusstlosigkeit oder als Schlaf bezeichnen könnte. Das kommt ganz darauf an, wie ehrlich du zu dir selbst bist—ähm, ich meine natürlich, wie ehrlich er zu sich selbst ist.

Die Hoffnung: Er hält einfach nur seinen Schönheitsschlaf.

Die Realität: OK, Alkohol lässt dich schneller wegpennen und das fühlt sich vielleicht tatsächlich wie ein tiefer und fester Schlaf an. Dann setzt jedoch eine Art Rebound-Effekt ein: "Wenn der Körper den Alkohol verstoffwechselt hat und die betäubende Wirkung nachlässt, kommt es zu winzigen Aufwachreaktionen, die den Schlafzyklus stören", erklärt uns Holly Phillips, eine Internistin und die Autorin des Buches The Exhaustion Breakthrough. Die Anzahl der Drinks, die zum Erreichen dieses Zustands nötig sind, variiert dabei von Person zu Person. Im Allgemeinen lässt sich allerdings sagen, dass ein oder zwei Gläschen direkt vorm Zubettgehen sehr wohl ein Garant für unruhigen Schlaf sind.

Normalerweise macht man zuerst vier Phasen von immer tieferem Schlaf durch. Danach folgt der REM-Schlaf, bei dem das Gehirn die Geschehnisse des vergangenen Tages verarbeitet und im Langzeitgedächtnis abspeichert. Durch ein paar Bierchen wacht man während der ersten beiden (noch leichten) Schlafphasen jedoch immer wieder auf und wiederholt sie damit auch. Das hat zur Folge, dass sowohl der Tief- als auch der REM-Schlaf kürzer ausfallen. In anderen Worten: Beschissene Nachruhe und unzureichende Erinnerungsverarbeitung sind die Folge. "Dazu fördert der Alkohol den Harndrang, was ebenfalls zum Aufwachen mitten in der Nacht führen kann", meint Phillips. "Außerdem dehydriert der Körper. Am nächsten Morgen fühlt man sich dementsprechend müde—selbst wenn der Schlaf in Ordnung war."

Es gibt zudem noch Grund zur Annahme, dass sich verkürzter REM-Schlaf langfristig gesehen nicht nur negativ auf das Erinnerungsvermögen auswirkt. Zwar gibt es keine offiziellen Aufzeichnungen von durch Schlafentzug verursachten Todesfällen, aber es existiert eine Krankheit namens "Tödliche familiäre Schlaflosigkeit", die Schlaf unmöglich macht. Menschen, die daran erkranken, sterben normalerweise innerhalb von 7 bis 36 Monaten (Wissenschaftlicher sind sich jedoch nicht sicher, wieso genau). Ratten, die man vom REM-Schlaf abhält, sterben ebenfalls innerhalb von fünf Wochen. Und Propofol—das Medikament, das Michael Jackson umbrachte—hielt den Sänger 60 Nächte lang davon ab, REM-Schlaf zu erreichen. Einige Ärzte gehen davon aus, dass das wohl zum Tod geführt hätte, wenn die Überdosis nicht zuvorgekommen wäre.

Was zu tun ist: Man kann es einfach nicht beschönigen: Wenn du vor dem Zubettgehen mehr als nur ein paar Drinks konsumiert hast, dann helfen dir weder Kohlenhydrate noch irgendwelche Sportgetränke oder kalte Duschen dabei, trotzdem gut zu schlafen. Falls du es partout nicht schaffen solltest, nach dem zweiten Glas aufzuhören, dann solltest du drei Stunden vor der Nachtruhe zumindest versuchen, zum Wasser überzuwechseln. Diesen Tipp kannst du auch gerne an deinen "Freund" weitergeben!