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Sex

Frauen stehen nicht auf Arschlöcher

Dass Frauen darauf stehen, schlecht behandelt zu werden, ist ein weit verbreiteter Mythos. Es ist einfach nicht wahr.

von Nadja Brenneisen
13 Januar 2015, 10:00am

Foto von Danielteolijr

Wahrscheinlich haben 90% der Männer, die als Arschloch betitelt werden , diese Bezeichnung nicht verdient. Brich einer Frau das Herz und du bist in ihren Augen ein Arschloch. Ein echtes Arschloch ist aber ein männliches Ekelpaket von grundsätzlich egomaner und rücksichtsloser Natur. Sein oberstes Ziel ist immer die eigene Profilierung, ob im Büro oder beim Sex. Egal auf wessen Kosten. Wieso also stehen Frauen auf diesen Typ Mann? Diese Frage stellen mir lustigerweise nur Männer.

Ich war noch nie mit einem echten Arschloch zusammen. Zwar frage auch ich mich, was zur Hölle aus ein paar meiner Verflossenen geworden ist, aber diesen Moment des Erwachens und Realisierens, dass ich wertvolle Lebenszeit mit einem oberflächlichen Chauvinisten verplempert habe, der mich zum Bierholen vom Sofa schubst, während er seinen zwei Affären rülpsend Snapchats schickt, ist mir bisher erspart geblieben. Eine einzige meiner Freundinnen hat einen solchen Mann ein zweites Mal getroffen.

Foto: Frank Weber |Flickr |CC BY 2.0

Sie hatte ihn in einer Bar kennengelernt. Er war dort Türsteher und mächtig stolz darauf, sie an der Schlange vorbei zu lotsen und mit einem Klaps auf den Po zur Garderobe zu manövrieren. Ich hätte ihm wahrscheinlich schon da etwas erzählt, aber meine Freundin hat die Angewohnheit, etwas Gutes in jedem Menschen zu suchen. Vielleicht eben auch in Arschlöchern, was meine Theorie bestätigt, dass diese Art von Frau eben nicht auf Idioten steht. Diese Frauen wollen Arschlöcher nur vom Bösen befreien, aber eigentlich ist es ihr Ziel, den erretteten Prinzen zu heiraten.

Neben der Kategorie „Gute Fee" gibt es eine weitere Sparte Frau, die sich mit Arschlöchern abgibt. Diese Frauen sehen solche Typen als Mittel zum Zweck; den ekelhaften Charakter als Beigemüse zu Hauptgerichten wie Geld, Drogen oder Fame.

Es geht hier schlichtweg um Prioritätensetzung und Selbstprofilierung. Dass sich eine Frau von Dan Bilzerian nackt vom Dach in einen Pool werfen lässt („Blitz" trifft noch nicht einmal den Pool, sondern den Beckenrand), kann man sich nicht mit ihrer Vorliebe für Vollidioten erklären.

Foto/Titelbild: Danielteolijr |Flickr |CC BY-SA 4.0

Sogar wenn Playboy Hugh Hefner optisch dem Geschmack seiner Bunnys entspräche, darf man sich doch fragen, wieso er vier Tage vor der Hochzeit von seiner 60 Jahre jüngeren Crystal abserviert wurde.

Meine Freundin traf sich mit ihrem Türsteher erst zum Kaffee, dann in einer Bar. Nach dem zweiten Date fuhr er sie nach Hause. Nach heftigem Rummachen im Auto war klar, dass er mehr wollte.

Als sie seine fordernde Hand bestimmt von sich schob, sah er ihr in die Augen und meinte todernst: „Wenn du mich bei dir nicht reinlässt, dann lass ich dich in der Bar auch nicht mehr rein." Das reichte ihr und so gab sie es auf, nach der zerbrechlichen Seele im Muskelmann zu suchen.

Foto: 401 (K) | Flickr | CC BY-SA 2.0

Nein, Frauen stehen nicht auf Arschlöcher. Es gibt einfach auch weibliche Arschlöcher, die auf Geld stehen und sich andere Arschlöcher schöngucken. Den Champagner, um sich seinen Sponsoren schönzutrinken, kann man sich dann auch leisten.

Foto: York Berlin | Flickr | CC BY-ND 2.0

Der Irrglaube, dass Frauen auf solche Männer stehen, hält sich vielleicht auch deshalb so hartnäckig, weil auch clevere Frauen hin und wieder an Idioten geraten und sich in ihnen verbeißen.

Der wahre Grund ist aber nicht die Lust an Selbstkasteiung, sondern lediglich das eigene, bösartige Ego, das in uns allen schlummert. Wir finden es nicht unglaublich berauschend, versetzt und verletzt zu werden. Wir quälen uns nicht gerne stundenlang vor einem stummbleibenden Handy und warten auf den versprochenen Anruf. Wir finden unsere sexuelle Befriedigung nicht in einem zweiminütigen „Drüberrutschen"—bevor uns der Typ dann in Unterwäsche vor die Tür stellt.

Diese Typen sorgen dafür, dass unser Ego in eine tiefe Schlucht voll emotionaler Selbstzweifel stürzt. Anstatt aufzugeben, sagen wir aber lieber den Kampf an. Wir leben mit der Hoffnung, den Spieß noch irgendwie umdrehen zu können, damit wir uns nicht am Grunde dieser Schlucht mit unserer eigenen Psyche auseinandersetzen müssen.

Wir wollen uns beweisen, dass wir wertvoll sind. Die Ironie dieses Spiels ist leider, dass der schützende Stolz meistens als Erstes geopfert wird. Natürlich ist es irrwitzig, seinen Selbstwert von anderen Menschen abhängig zu machen, doch wir sind auch nur Menschen und darum verletzlich.

Foto: Franesco D'Macho | Flickr | CC BY-SA 2.0

Wenn ein Mann ein fleischgewordenes Arschloch ist, dann ist es wohl Julien Blanc. Nicht nur metaphorisch produziert er Scheiße. Nein, ich steh nicht drauf, wenn mir ein Typ auf der Straße entgegenläuft und aus dem Nichts heraus meinen Kopf in seinen Schritt drückt. Mr. Blanc ist anderer Meinung und erklärt verkorksten Jungs, wie sie Frauen mit grässlich sexistischen Übergriffen rumbekommen.

Blancs Arschloch-Jünger sind jene Männer, die immer zu lieb waren. Die uns früher ihre Hausaufgaben abschreiben ließen und immer mit dem Satz „Du bist für mich wie ein bester Freund" abgespeist wurden.

Sie schreiben uns noch am Abend nach dem ersten Date vier SMS. Und wenn wir bei einem „Nice Guy" wittern, dass ihm gerade Stolz und Achtung flöten gehen und sein Ego in kürzerer Zeit den Grund der Schlucht erreicht, dann werden wir zum weiblichen Pendant des Arschlochs: Zur arroganten Zicke. Diese von Frauen eingeschüchterten Männer zahlen gestörten Pick-Up-Artists nicht nur eine Menge Kohle für unnütze Seminare. Es sind auch die Typen, die den Mythos erschaffen, bei Frauen als Idioten besser zu punkten.

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