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Popkultur

​Wer diese Filme nicht im Sommerkino schaut, ist selber schuld

Egal, ob ihr gerne öffentlich rauchen, schwitzen oder schmusen wollt—diese Filme sind die ultimativen Pflichttermine des Outdoor-Kinos.
11.6.15
Foto von VICE Media

Wir alle lieben Filme. Wir alle lieben es auch, bei sommerlichen Temperaturen im Freien herumzuliegen, Bier zu trinken, einen Joint weiterzugeben und einfach bisschen die Seele baumeln zu lassen. Gerade deshalb ist Outdoor-Sommerkino die wahrscheinlich beste Erfindung der Welt, zumindebst seit der Pizzazustellung.

An einigen öffentlichen Plätzen Wiens kann man die Wanderkinos bereits antreffen. Und auch das Kino am Dach, wo wieder die verpartnerten Rooftop Films aus New York bis London laufen werden, sowie das Arena Sommerkino bespielen uns bald mit Cine-Schmankerln und gestörten Bewegtbild-Highlights. Und Kino wie noch nie am Augartenspitz mit ihrem Hammerprogramm braucht sowieso keine große Vorstellung.

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Wir haben euch die besten Filme der kommenden heißen Monate zusammengefasst und die ultimative Watchlist zusammengestellt—perfekt für alle Schmuser, Gelsenstich-Kratzer uknd Bierbecher-Umwerfer. Der Artikel wird voraussichtlich mit weiteren Film-Goodies aktualisiert werden, also behaltet diese heilige Liste gut im Auge.

20.000 Days on Earth

(c) Stadtkino

Woran denkt man bei Nick Cave? Mir schießen als erstes die Heroinabhängigkeit, herzzerreissende Mörderballaden und der sehr gute Kleidungsstil des mageren Musikers durch den Kopf. 20.000 Days on Earth ist eine Doku, die sich als surrealistischer Film tarnt und zudem noch einige grandiose Live-Darbietungen auf Lager hat. Wir begleiten den Großonkel des Blues-Gospel-Punks an seinem zwanzigtausendsten Tag auf dieser Erde—was übrigens 54,76 Jahren entspricht—und neben surrealen Zwiegesprächen mit den Geistern ehemaliger Musikerkollegen, bekommt man einen sehr privaten Einblick, wie und wo der Typ eigentlich seine Alben aufnimmt.

Auch Nick Caves Fixierung mit jungen Pop-Sternchen brodelt in Facetten wieder an die Oberfläche. Man erinnere sich an die perverse Sexfantasien aus Caves Buch The Death of Bunny Munro, in denen Mädels von Britney bis Kylie—letztere hat übrigens auch einen sehr sympathisch Auftritt im Film—in gedankliche Orgien hineingezogen werden. Zerfließt einfach in euren Sitzen, wenn es zärtlich brummt: „Miley Cyrus floats in a swimming pool in Toluca Lake …"

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(Freitag, 3.7., 21:00 Uhr, OV, Kino am Dach)

Wild at Heart

Das ist DER abstrakte Sommerhit von David Lynch aus den 90ern mit guten Feen und einem wunderbaren Nicholas Cage in der Blütezeit seiner Schauspielkarriere des Irrsinns. Tiefsinnige Sprüche und die ultimative Erklärung warum man Lederjacken tragen sollte, machen Wild at Heart zu dem besten Road Movie mit Buchvorlage. On the Road kann sich gleich verstecken gehen.

Nach diesem Film wirst du durch den 2. Bezirk taumeln, und bis zum Sonnenaufgang zu Metal in deinem Kopf Mosh-Pit-Moves perfektionieren. Viel Spaß bei dieser Liebesgeschichte über Lippenstift, Pseudo-Anarchie und Americana Cool.

*(Dienstag, 14.7., 21:30, OmU, Kino wie noch nie)*

Vi är bäst! (We Are the Best!)

(c) TrustNordisk - Memfis Film / P-A Jörgensen

Es geht direkt weiter mit Musik und jungen Damen. Obwohl dieser schwedische Jugendfilm handelt mehr übers Aufwachsen im Stockholm der 80er. Keine Milieustudie oder Schockdoku, Vi är bäst! ist einfach nur schön. Es beginnt alles damit, dass zwei androgyne vorpubertäre Mädchen ihre Punkband gründen und eine brave Jungschar-Gitarristin zur ihrer Leichtversion des Anarchismus bekehren, einfach weil sie als einzige auch wirklich spielen kann.

Die drei Tweens werden dickste Freunde und haben so eine liebe, natürliche Art miteinander, dass man sie sofort durch alle ihre Abenteuer begleiten möchte. Sie sind natürlich auch scheiße zu einander und gerade an diesen Stellen wird der Film so echt und perfekt. Diese schrägen Erinnerungen an die eigenen ersten Pickel, Bands und sexuellen Gefühle werden plötzlich wachgerufen. Du sitzt zwar wahrscheinlich mit einer schützenden, altersbedingten emotionalen Distanz im Kino, aber innerlich durchlebst du deine einschneidendsten und peinlichsten Jugendmomente, wenn du diesen drei coolen Protagonistinnen beim hormonellen Lärmen zuschaust. Vi är bäst! ist ein Muss, wenn du auch nur das kleinste Etwas in der Brust hast, das pocht.

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(Donnerstag, 23.7., 21:00 Uhr, OmU, Kino am Dach)

The One I Love

Es gab viel Gerede, dass dieser Film so ein „Beziehungstester" ist, ähnlich wie bei Gone Girl. Danach siehst du deinen Partner in einem anderen Licht. Das finde ich ein wenig übertrieben, aber The One I Love psychologisiert definitiv zwischenmenschliche Eigenarten und macht unseren intimsten Beziehungsballast zum Gedankenexperiment.

(c) Radius-TWC

Die Prämisse ist zwar einfach wie eine RomCom, in dem Kontext, dass ein Pärchen, auf Empfehlung ihres Therapeuten hin, an einen Erholungsort fahren. Nur verwandelt sich dieses verträumte nette Anwesen plötzlich in eine Twilight Zone-Episode. Ich hasse den ganzen Spoiler-Faschismus unserer Tage, dass man in der Öffentlichkeit anscheinend nicht mehr über scheiß Game of Thrones reden kann und so weiter, aber bei The One I Love wertet die Plot-Überraschung am Anfang den Rest des Films doch sehr auf. Also keine Angst, ihr könnt die Augen wieder aufmachen.

Außerdem möchte ich nicht verraten, was den sukzessiven Mindfucks des Films zu Grunde liegt, da ich dann wohl endlos, in alle Ewigkeit weiterschreiben müsste, mich vom Hundertsten ins Tausendste verlaufend, beim Versuch das Konzept Liebe, unser Ego und die Wirklichkeit von menschlicher Persönlichkeit zu ergründen. Brain Freeze!

(Freitag, 31.7., 21:00 Uhr, OF, Kino am Dach)

Guardians of the Galaxy

Der Film mit dem geilsten Soundtrack seit Reservoir Dogs hat uns allen bewiesen, dass Comic-Filme und neonfarbene Weltallopern auch Spaß machen können ohne ein im Vergleich schwermütiger Gravity oder ein zusammengeklauter Oblivion zu sein.

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Eine Gang von Außerirdischen, darunter ein Waschbär und ein sympathischer Schlawiner von der Erde, der sich angeberisch Starlord nennt, geraten in ein interplanetares Handgemenge. Natürlich raufen sich alle zusammen und ein Dance Off als Finale darf keinesfalls fehlen. Sehr unterhaltsames Pop-Popcorn-Kino! Und wer findet Lloyd Kaufman? Ein Tipp: in der Gefängnissequenz.

(Montag, 3.8., 21:30 Uhr, OF, Kino wie noch nie)

Love Steaks

(c) Polyfilm

Ja, es handelt sich hier um einen deutschen Liebesfilm, aber keine Angst, fucking Matthias Schweighöfer oder ein ähnlich beschissene Ableger sind tausende Lichtjahre von Love Steaks entfernt. Wir bekommen einen Einblick in die Kurortarbeit an der Ostsee und während der Masseur der blonden Küchenhilfe, die sich vollgekotzt hat, den Mund abwischt, schreit es aus unseren hintersten Gehirnwindungen: „Die kommen zusammen … vielleicht."

Der Filmdreh wurde dem Hotelbetrieb komplett angepasst und außer den beiden Hauptdarstellern handelt es sich ausschließlich um Laienschauspielern. Ein ansprechendes Stück Realismus in der verkommenen, überstilisierten Filmlandschaft des deutschsprachigen Raums. Ich freu mich auf diesen Ausflug, irgendwo zwischen dehumanisierten Hackleralltag und ungeschickter bis aggressiver Sexualität. So mag ich die Deutschen!

(Dienstag, 11.8., 20:30 Uhr, Kino am Dach)

The Color of Noise

In der Unterstufe haben alle plötzlich Mudhoney und Melvins zu hören begonnen, was mich in eine ziemlich blöde Situation brachte, da ich peinlicherweise noch Die Prinzen gut fand. Tom Hazelmyer und seine Knarren sind wahrscheinlich alleinig dafür verantwortlich, dass die geniale Noise-, Punk- bis Grunge-Bewegung der 90er ihren Eroberungsfeldzug über den gesamten Planeten starten konnte.

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Sein Label heißt Amphetamine Reptile Records und diese Doku The Color of Noise zeigt uns die Angst, den Respekt und das wortlose Kopfschütteln, das Hazelmyer bei den Größen der wichtigsten Trashmusik-Ära unserer Menschheit auslöste. Von dort kamen sie alle her, Buzz Osbourne, Helmet bis Hammerhead, und wir können heutzutage nur noch von genialen Sampler-Releases wie Dope, Guns'n Fucking In The Streets träumen.

(Samstag, 17.8., 21:30 Uhr, Arena Sommerkino)

Das Ding aus der Mur ZERO

Jetzt legen wir einen härteren Gang ein, mit der Stirn-auf-Nase-Ramm-Programmierung des Arena Sommerkinos. In Graz geht es nicht mit rechten Dingen zu und wenn ihr genau schaut, entdeckt ihr in diesem österreichischen B-Movie auch Lloyd Kaufmann bei seinem großartigsten Gastauftritt seit Guardians of The Galaxy.

Ein kaputter, versoffener Taxler hackt sich durch eine blutige Katastrophe aus Trash und Schleim mitten in der Blauen—halt falsch, Entschuldigung—Grünen Mark. Man sollte Das Ding aus der Mur ZERO alleine wegen der filmisch perfekt eingewobenen Metalband Roadwolf aus Niederösterreich anschauen. Unsere Freunde von Hianbliata Productions und Bewegtbildbrauerei präsentieren diesen gloriosen Alpen-Splatter. Und als Vorfilm bekommen wir Blut und Loden am Atzenpass von der Atzgerei aufgetischt—mit viel, VIEL Wurst.

(Donnerstag, 20.8., 21:30 Uhr, Arena Sommerkino)

Blut muss fließen – Undercover unter Nazis

Richtig zum Fürchten wird es mit dieser gestört immersiven Doku über die Neonazi-Musikszene Deutschlands und über dessen Grenzen hinaus. Fast 50 Mal war Thomas Kuban mit einer versteckten Kamera auf Konzerten unterwegs und hat Material gesammelt, dass es uns den Atem verschlägt—und wir haben schon einiges an rechter Scheiße gesehen.

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Koban will verständlicherweise unerkannt bleiben und erzählt in Interviews wie durch bekanntere, inhaltlich im Vergleich extrem gemäßigte Bands wie frei.wild Nationalismus wieder gesellschaftsfähig gemacht wird. Jedenfalls wird mir ganz anders, wenn ich in Blut muss fließen mit dermaßen viel Hass und verblendeten Wahnsinnigen konfrontiert werde, die laut grölen, dass sie Juden niederstechen wollen. Ein Untergrundmilieu, bei denen ich mir immer wieder einzureden versuche, dass sie am Aussterben sind. Leider liege ich da wohl falsch.

Wir verlosen 2x2 Tickets für diesen Film. Einfach eine Mail an win@vice.at mit „Blut muss fließen" im Betreff schicken und ihr könnt gewinnen.

(Montag, 24.8., 21:30 Uhr, Arena Sommerkino)

Nightcrawler

(c) Concorde-Film

Es ist eine Schande für Nightcrawler, dass er ausgerechnet 2014 erscheinen musste. Und zwar, weil er eigentlich viel besser ist, als man angesichts des cineastischen Hintergrundrauschens relativ ähnlicher Filme bemerkt hat. Nicht, dass es in anderen Jahren weniger gutes Semi-Independent-Kino geben würde. Aber ausgerechnet 2014 gab es nun mal auch Cronenbergs Maps to the Stars, der genauso viel Nacht und Bret Easton Ellis in der Bild-DNA hat—ganz zu schweigen vom vergleichsweise ähnlich düsteren, tausend Mal so guten Birdman und noch ein paar anderen Kandidaten.

Den Look kennt man von Collateral oder den Nachtszenen von Miami Vice—oder jedem anderen neueren Michael Mann-Film, wenn wir schon dabei sind. Die Charaktere sind nah an Bret Easton Ellis' prototypische Soziopathen angelehnt. Und der Inhalt wirkt wie eine Parabel auf alles, was die „Irgendwas mit Medien"-Generation schweißgebadet (oder auch anderweitig benetzt) aufwachen lässt. In jedem Fall eine fesche dunkle Perle über TV-Terror und Nachrichtengeilheit, die im Kern klüger ist, als Jake Gyllenhall aussieht.

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MARKUS LUST

(Dienstag, 25.8., 21:30 Uhr, Arena Sommerkino)

Cat Video Festival

Freut euch auf Evergreens und ein fettes Rahmenprogramm für Katztenfetischisten. Die Obsession mit diesen Tieren ist eigentlich so mysteriös wie sie eigentlich auf der Hand liegt. Die niederen Bereiche unseres Hirns springen auf große schöne Katzenaugen und den verrückten Mist, den die Viecher ausdruckslos anrichten, einfach an wie US-Polizeibeamte auf unschuldige Poolparty-Gäste.

Nehmen wir uns alle Zeit für dieses Fest der Katze und huldigen unserem Gott der Cuteness—der manchmal französisch über das Leben sinniert, schnurrt wie ein Monster oder einfach nur ein liebenswerter Idiot ist. Das dritte Cat Video Festival ist eine Institution! Miau, Oida.

(Samstag, 29.8., 20:00 Uhr, Arena Sommerkino)

Possession

Frankreich hat hier Anfang der 80er ein Genre und Themenfeld angerissen, dass oft als Japans Spezialgebiet anerkannt war. Eifersucht kann einige Horrorszenarien und -fantasien auslösen, aber mit so etwas hat noch kein betrogener Ehemann gerechnet.

Auch hier halte ich mich wieder an die lähmenden Gesetze der Spoiler-Tyrannei und sage nur, dass die hübsche Dame mit ihrem grausigen Geheimnis vielleicht mit Oldboy, Alice—die aus dem Wunderland—, und W. S. Burroughs in eine Selbsthilfegruppe gehen sollte.

Wir verlosen 2x2 Tickets für diesen Film. Einfach eine Mail an win@vice.at mit „Possession" im Betreff schicken und ihr könnt gewinnen.

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(Montag, 31.8. , 21:30 Uhr, OmU, Arena Sommerkino)

The Interview

Ich weiß, Eigenlob ist etwas, womit wir in einem katholischen Land nicht gut umgehen können, aber: Eigentlich kommt alles, was an The Interview interessant ist, irgendwie schon in diesem Staffelfinale von VICE on HBO vor. Diese ganze Sache, dass Nordkorea für westliche Journalisten Wohlstand inszeniert und eigentlich nichts anderes aufzieht als eine gigantische Truman-Show? Das ist nicht nur ungefähr dasselbe, was unser Reporter Ryan Duffy und die Harlem Globetrotters in Pjönjang erlebt haben—es ist genau dasselbe.

Also, bis auf die Sache mit den Anal-Witzen und der Liebesgeschichte und Katy Perrys „Fireworks", während alles in die Luft fliegt. Andererseits hat die VICE-Truppe einen Supermarkt besucht, in dem man nicht einkaufen kann und wurde von Kim Jong-un zum Essen eingeladen, was es irgendwie wieder ausgleicht. Jedenfalls ist der Film genau das, was man sich von einem pseudo-politkritischen Popcorn-Porno mit Seth Rogan und James Franco erwartet. Dass die Genese des Kinostarts (mit der Drohung von Nordkorea, dem Sony-Hack und dem „patriotischen" Trotzen der USA) spannender ist als der Film selbst, muss ich wahrscheinlich nicht extra erwähnen.

MARKUS LUST

(Dienstag, 1.9., 20:00 Uhr, OF, Kino am Dach)

Außerdem solltet ihr die folgenden Abende ganz besonders gut am Radar behalten (aber leider geht uns langsam schon das Internet-Papier aus, deshalb in aller Kürze):

Am 11.8. läuft unsere letztjährige heiße /slash-Liebe It Follows, am 12.8. Das Ewige Leben, am 23.8. der wunderbar gestörte Episodenfilm German Angst, am 26.8. die iranische Rockabilly-Vampir-Produktion von VICE A Girl Walks Home Alone at Night und am 27.8. Bronson, den wir zusammen mit dem Volxkino präsentieren.

Und natürlich sind wir beim Kino am Dach auch noch ganz heiß auf Hallam Foe – This is my Story am 25.6., Snowpiercer am 27.6., Obvious Child am 2.7., The Master am 11.7., Brasslands am 17.7. und die geniale La Guarimba-Short Film Night am 22.7.!

Folgt Josef auf Twitter: @theZeffo

Folgt Markus auf Twitter: @wurstzombie

Die beiden haben übrigens auch einen gemeinsamen Podcast namens Lust auf Zorn über Filme, bei dem viele der hier erwähnten Titel durchgekaut werden. Mahalo und Wohlsein!