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Hangover-News, 30. Mai 2016

In Brasilien wurde ein Mädchen von 30 Männern vergewaltigt, in Berlin hat die Polizei ihre Einsätze getwittert und Bushido hat der Telekom gesagt, sie soll sich ficken.

von Daniel Sigge
30 Mai 2016, 5:20am

Sahra Wagenknecht bekommt eine Torte ins Gesicht

Foto: imago | Christian Schroedter

Nachdem zuletzt AfD-Politikerin Beatrix von Storch eine Torte ins Gesicht bekommen hatte, erwischte es am Wochenende Linken-Fraktionsvorsitzende Sahra Wagenknecht auf dem Parteitag in Magdeburg mit dunkler Creme. Der Tortentäter bekannte sich kurz darauf als Teil der antifaschistischen Initiative 'Torten für Menschenfeinde' und verurteilte die von Wagenknecht geäußerten Forderungen zur Kapazitätsgrenze für Flüchtlinge und ihr Statement zur geringer werdenden Aufnahmebereitschaft gegenüber Flüchtlingen in der Bevölkerung, wofür sie auch partei-intern stark kritisiert wurde.

Die Linke hat es momentan generell nicht leicht. Kurz vor dem Parteitag nannte der ehemalige Fraktionsvorsitzende Gregor Gysi die Partei noch "saft- und kraftlos", da sie vor allem in Ostdeutschland viele Wählerstimmen von Arbeitern und Arbeitslosen an die AfD verloren hat und gleichzeitig keine klaren Positionen mehr vertritt. Und speziell Sahra Wagenknecht verurteilte Gysi für ihre menschenunwürdigen Kommentare gegenüber der Flüchtlings- und Abschottungssituation in Deutschland. Der große Parteitag in Magdeburg zerfaserte sich so in der Solidarisierung mit Sahra Wagenknecht, ein konkretes Rezept gegen den Rechtstrend schien am Ende nicht in Sicht.

"Mit Besenstiel bewaffneter älterer Herr droht in #Gropiusstadt seinem Nachbarn einen Handgranatenwurf an. #24hPolizei"

Die Polizei in Berlin hat mal wieder 24 Stunden lang versucht, alle eingehenden Notrufe über den Hashtag #24hpolizei auf Twitter zu posten. Die mittlerweile als Tradition zu verstehende Aktion hat schon in den vergangenen Jahren viel Lob geerntet und der Berliner Polizei einige Bewerbungsunterlagen von zukünftigen Mitarbeitern beschert. Und mal ganz ehrlich, welche Werbemaßnahme hat schon eine eigene Wikipedia-Seite?

1.381 Tweets sind von Freitag- bis Samstagabend versendet worden und die Aktion zeigt vor allem eins: Ein ziemlich realistisches Bild von den wahnsinnig alltäglichen Vorkommnissen einer Großstadt. Wir haben euch ein paar Perlen der Berichterstattung herausgesucht, damit ihr es nicht machen müsst.

Eine 16 Jahre alte Brasilianerin wurde von 30 Männern vergewaltigt

Demonstrantinnen auf den Straßen Rio De Janeiros nach der Vergewaltigung | Foto: imago | ZUMA Press

In den sozialen Netzwerken in Brasilien ist ein Video aufgetaucht, auf dem ein 16-jähriges Mädchen von rund 30 Männern vergewaltigt worden ist—die Tat soll sich in den Favelas von Rio De Janeiro abgespielt haben. "Schau, wer da blutet, hier ist die ganze Truppe durchgezogen" und "Mehr als 30 haben die hier geschwängert" sind Sätze, die in dem Video gefallen sind, während ein Mädchen blutend auf einem Bett liegt. Da der Freund des Mädchens vermutete, dass sie ihn betrogen hatte, mobilisierte er zur Rache viele Bekannte, die das Mädchen erst mit GBL betäubten und anschließend vergewaltigten.

Die Behörden konnten das Mädchen durch den Anruf des Großvaters identifizieren, jedoch gestaltet sich eine Verurteilung der Straftäter (von denen bisher vier festgenommen wurden) schwierig, da das Video die Beleidigungen der Männer dokumentiert, jedoch in keiner Szene die Vergewaltigung zeigt.

Nach dem Viralgang des Videos bekundeten Tausende Menschen in den sozialen Medien ihr Beileid und riefen zum internationalen Protest gegen die an der Tagesordnung liegenden Vergewaltigungen auf. Vor allem der Hashtag #EstuproNaoÉCulpaDaVitima (Vergewaltigung ist nicht Schuld des Opfers) trendete an vielen Stellen, denn Gewalt gegen Frauen wird in Brasilien meist verharmlost. Oft werden die Opfer durch die Gesetzeslage selbst zu Tätern gemacht—so kann eine Abtreibung bei nicht klar herzuleitender Vergewaltigung in Brasilien zu einer Haftstrafe von bis zu drei Jahren führen. In Rio De Janeiro ist die Macho- und Vergewaltigungskultur weit verbreitet—das Institut für öffentliche Sicherheit in Rio de Janeiro bezifferte die Zahl der Vergewaltigungen im Jahr 2015 auf 1.610, wobei die Dunkelziffer noch viel höher liegen mag.

Bushido hat lieber Beef mit der Telekom als mit anderen Rappern


Wenn es mit den Albumverkäufen und der Relevanz nicht mehr so richtig laufen will, ruft man seinen PR-Berater an und der rät einem, ein Video in die sozialen Netze zu laden, bei dem man sich über eine bekannte Marke beschwert und anschließend sein neues Video bewirbt. Und wozu sich noch mit anderen Rappern anlegen, wenn man viel einfacher einen Kommunikations-Konzern angreifen kann, der weitaus bekannter als viele Musiker ist und man so auch viel mehr Menschen erreichen kann? Und was Olli Schulz kann, kann Bushido ja schon längst.

Nach einem sehr kurzen Twitter-Intermezzo veröffentlichte Bushido auf Facebook ein Video, in dem er sich über die schlechte Internet-Anbindung von seinem Viertel und den schlechten Service der Telekom beschwert. Zuletzt hatte das Video 20.000 Likes und über 600.000 Aufrufe. Til Schweiger hätte dem nur noch ein paar Ausrufezeichen hinzuzufügen.

SFW-Film von Femporn-Regisseurin Erika Lust durch YouTube gelöscht

Erika Lust ist eine der Pionierinnen des feministischen Pornos, die versucht, mit einer professionellen Produktion und ordentlichen Drehbüchern das Sujet des Pornos zu nutzen, um erotische Filme für Frauen und Männer möglich zu machen, die Frauen ihre Würde und dem Genre selbst eine attraktive Ästhetik zurückgibt. Für ihr Projekt XConfessions dreht sie im Jahr 27 Filme aus heimlichen, sexuellen Fantasien, die auf ihrer Website eingereicht werden können—ein Interview mit Lust könnt ihr auf I-D lesen.

Vergangene Woche veröffentlichte die Regisseurin das erste Mal einen jugendfreien Trailer ihres aktuellen Films Do You Find My Feet Suckable? auf YouTube—der kurz nach dem Upload wegen einer Verletzung der Nudity-Richtlinien von YouTube gelöscht wurde, obwohl er keinerlei Szenen zeigte, die Nacktheit darstellten. Lusts Reaktion war ein am Wochenende veröffentlichtes Video und ein offener Brief, in dem sie ihren von Pornografie befreiten Trailer mit dem vergleicht, was auf YouTube Gang und Gebe ist: Sex, Titten und der Missbrauch des weiblichen Körpers für Klicks.

Der von YouTube gelöschte Trailer ist auf Vimeo zu finden.