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Nepals Skateboard-Szene nach den schrecklichen Erdbeben

Das Skateboarden eine universell verständliche Sprache ist, konnte der Fotograf Tom Caron-Delion erneut feststellen, als er den einzigen Skatepark Nepals dokumentierte.

von Tom Caron-Delion
19 März 2016, 4:20am

Alle Fotos: Tom Caron-Delion

Skateboarden ist eine universell verständliche Sprache. Schon faszinierend, wie ein einfaches Stück Holz mit vier Rollen es möglich macht, die verschiedensten gesellschaftlichen und kulturellen Barrieren zu überwinden.

Ich bin im Südosten Londons großgeworden, wo sich auch eine der größten nepalesischen Gemeinschaften Großbritanniens entwickelt hat. Einer meiner besten Freunde, der Illustrator Gaurab Thakali, gehört zu dieser Gemeinschaft. Er wurde in Nepal geboren und hat dort auch die ersten zehn Jahre seines Lebens verbracht. Ich habe ihn beim Skateboarden kennengelernt und wir arbeiten nun nicht nur schon seit mehreren Jahren zusammen, sondern haben gemeinsam auch genauso viel Zeit in den umliegenden Skateparks verbracht.

2015 entschieden wir uns dann dazu, nach Nepal zu reisen, um sowohl die dortige Skateboard-Szene als auch den Alltag und den Wiederaufbau nach den katastrophalen Erdbeben zu dokumentieren. Er war der Insider, ich der Außenstehende.

In Nepal gibt es nur einen Skatepark, nämlich ein DIY-Gelände in Pokhara. Dort existiert auch eine kleine, aber florierende Szene, die vor allem von zielstrebigen, jungen Menschen ausgemacht wird. Für mich war das Skateboarden dabei eine Art Kommunikationsmittel, das es mir ermöglichte, in diese Szene einzutauchen und sie ausgiebig zu erforschen.

Der Park in Pokhara wurde von einem Mann namens Ram nicht nur komplett finanziert, sondern auch eigenhändig erbaut. Ram hat sich komplett dem Skateboarden verschrieben, weil er überzeugt davon ist, dass der Sport ein positives Ausdrucksmittel für die nepalesische Jugend darstellt. Er versucht außerdem schon seit Jahren, die Regierung vom Bau eines richtigen Skateparks zu überzeugen, aber mit diesem Vorhaben stößt er bei den Politikern leider auf taube Ohren.

Die Skateboard-Szene Nepals setzt sich auch aus jungen Kids zusammen, die gerade erst mit dem Skateboarden angefangen haben. Manche von ihnen kennen dabei absolut keine Angst und machen sich trotz fehlender Schuhe direkt an halsbrecherische Drop-ins. Viele hatten sich vor den Sessions auch amerikanische Skate-Clips auf YouTube angeschaut und waren dann dementsprechend eifrig und enthusiastisch bei der Sache. Das Ganze erinnerte mich total an den Moment, als ich vor zehn Jahren zum ersten Mal ein Skateboard unter den Füßen hatte.

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Aber auch die Folgen des Erdbebens waren überall zu sehen—jedoch nicht wirklich im Sinne von Zerstörung, sondern eher im Sinne von Wiederaufbau. Zudem wurde mir erzählt, dass sich die Einstellung der Bevölkerung nach der Tragödie verändert hätte: Die Leute leben nun mehr im Hier und Jetzt und geben ihr Geld aus, ohne großartig darüber nachzudenken. Die Skateboarder von Pokhara besaßen diese Lebenseinstellung jedoch schon vor der Naturkatastrophe. Ich meine, sie sind jung und haben eigentlich nur das Skateboarden im Sinn. So konnte ich in der Szene eine positive Grundeinstellung sowie eine Furchtlosigkeit ausmachen, die es so bestimmt auch schon vor dem Erdbeben gegeben hat. Genauso wie viele andere Jugendliche dieser Welt wollen auch sie eigentlich nur den Schultag hinter sich bringen, um endlich aufs Skateboard steigen zu können. Manche von ihnen arbeiten auch richtig hart, um sich neben dem normalen Leben auch noch das Skateboarden leisten zu können. Das Stück Holz mit vier Rollen gehört für sie einfach dazu.

Mehr von Toms Arbeiten findest du auf seiner Website. Hier kannst du dich noch mehr über Toms und Gaurabs Projekt zur nepalesischen Skateboard-Szene informieren.