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​Alles, was wir bisher über den Aktionstag der Vergewaltigungsbefürworter wissen

Mittlerweile sind die Treffen wieder abgesagt und das MQ hat ein Hausverbot erteilt. Ob sie dennoch stattfinden, wird sich am Samstag zeigen.
4.2.16

Screenshot via Twitter

Roosh Valizadeh, seines Zeichens „Pick-Up-Artist" und Kämpfer für die wirklich Unterdrückten dieser Welt—nämlich heterosexuelle Männer—hat diese Woche den internationalen Meet Up Day ausgerufen, an dem sich alle, die seinen frauenfeindlichen und gefährlichen Forderungen und Ansichten folgen, rund um den Globus versammeln sollen. Ursprünglich sollten am kommenden Samstag auch Treffen in Berlin, Wien und Graz stattfinden.

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Roosh V. hat die Treffen zwar mittlerweile wieder für abgesagt erklärt, hält aber gleichzeitig fest, dass er Männer, die sich dennoch treffen wollen, nicht davon abhalten kann. Hier ist alles, was ihr über diesen Typen und die mittlerweile zumindest von offizieller Seite abgesagten Treffen wissen müsst. Ob und wenn ja, in welcher Form sie womöglich dennoch stattfinden, wird man erst am Samstag sehen.

Der Organisator

Roosh V. ist ein amerikanischer Autor, der für seine antifeministischen Botschaften in Bezug auf Aufreißen, Verführung und generell die Beziehungen zwischen Männern und Frauen bekannt ist. Er hat zahlreiche auf Sex spezialisierte Travel-Guides veröffentlicht und unterstellt Frauen eine Vorliebe für Bad Boys—weshalb er in seiner Funktion als Pick-Up-Artist Männern auch gerne predigt, sich durchzusetzen und sich ihre Frau jederzeit (auch gewaltvoll) zu nehmen, wenn sie es wollen. Seine Guides sieht er als notwendige Folge des Feminismus an, der ein Vermächtnis aus schwachen Männern zurückgelassen hat, die keine Frauen mehr abbekommen. Das will Roosh natürlich ändern.

Auf seinem Blog „Return of Kings" werden Beiträge wie „5 Reasons to Date a Girl With an Eating Disorder" oder „Why You Should Avoid Women Who Claim Rape And Sexual Abuse at All Costs" veröffentlicht. Roosh V. ist ein Misogyn, Antifeminist und—ein Wort, das ich mir an dieser Stelle und nachdem ich die beiden oben genannten Beiträge gelesen habe, die zwar nicht von ihm geschrieben, aber auf seiner Website veröffentlicht wurden—Arschloch.

Das Treffen

Ursprünglich sollte am 6. Februar der International Meet Up Day stattfinden, auch „Tribal Meeting" genannt. Zu solchen „Tribal Meetings" sind ausschließlich heterosexuelle Männer eingeladen. Frauen, Freundinnen, Homo- oder Transsexuelle sind ausdrücklich nicht erwünscht. Für Wien wurde der Treffpunkt für Samstag um 20:00 Uhr bei der Mumok-Stiege im MuseumsQuartier festgelegt. Als Codewort galt die Frage, wo denn hier das nächste Zoogeschäft sei. Wenn einem als Anhänger von Roosh diese Frage gestellt wird, solle man mit „Es ist genau hier" antworten; wenn jemand verwirrt auf die Frage reagiere, wäre er kein Teilnehmer der Versammlung. Sollte es trotz der offiziellen Absage dennoch zu einem Treffen von Rooshs Anhängern kommen, werden sie sich wohl einen anderen Treffpunkt als das MuseumsQuartier suchen müssen, denn dieses hat der Gruppierung ein Hausverbot erteilt. Auf Nachfrage heißt es bei der Pressestelle des MQ: „Wir haben uns an den Veranstalter gewandt und berufen uns mit diesem Hausverbot auf unser Hausrecht. Zusammenkünfte dieser Art sind im MuseumsQuartier nicht erwünscht."

Für den Fall, dass am Treffpunkt Feministinnen auftauchen, die das Treffen stören wollen, fordert Roosh seine Anhänger auf, diese zu filmen oder zu fotografieren und ihm das Material anschließend zukommen zu lassen, sodass die Feministinnen so fertig gemacht werden können. Roosh selbst will beim Treffen in Washington anwesend sein. Ob er das tun wird, obwohl die Treffen offiziell abgesagt sind, ist derzeit nicht bekannt.

Foto: Zeichnung (VICE Media), Feminists (bearbeitet; Rich Anderson | Flickr | CC BY-SA 2.0), Demonstrant (Elvert Barnes | Flickr | CC BY-SA 2.0)

Die Gegner

Das Feministische Street Art Kollektiv mobilisiert zu einer Kundgebung gegen das Tribal Meeting von Roosh V.s Anhängern in Wien. Nähere Informationen zur Kundgebung werden noch bekannt gegeben. In der Zwischenzeit kann man schon mal eine Petition für ein Einreiseverbot von Roosh V. unterschreiben.

Etwas entschlossener zeigt sich da die Facebook-Gruppe „Ultras & Hooligans Deutschland", die „Nationalisten, Hooligans und sonstige" auffordert, am Samstag zu den Treffen zu gehen—auch in Wien: „ IHR WISST WAS ZU TUEN IST. TODESSTRAFE FÜR ALLE VERGEWALTGER UND ALLEN BEFÜRWORTERN! (sic)" Wie die Polizei gegenüber dem Standard bestätigt, sind bisher keine Kundgebungen angemeldet, man nehme die Sache jedoch sehr ernst—Polizei und Verfassungsschutz werden jedenfalls anwesend sein.

Die Reaktionen

Roosh V. hält seine Follower auf Twitter und Facebook darüber auf dem Laufenden, wie die Welt auf seine angekündigten Treffen reagiert. Er schreibt beispielsweise, dass sich in Deutschland Proteste gegen die geplanten „Tribal Meetings" formieren, während deutsche Frauen von Flüchtlingen vergewaltigt werden. Die Ironie darin, dass er selbst Sohn zweier Migranten ist, der unter seinen ganz eigenen Bedingungen nichts gegen Vergewaltigungen von Frauen hat und ihnen die Selbstbestimmung gänzlich abspricht, ist ihm dabei wohl entgangen.

Außerdem hält er auf Twitter fest, dass sein Wunsch nach der Legalisierung von Vergewaltigungen auf Privatgrundstücken natürlich nur Satire sei und die Medien lügen würden. Das ist ihm aber erst eingefallen, nachdem die Reaktionen auf seinen Blogpost, in dem er die Vorteile von legaler Vergewaltigung im nichtöffentlichem Raum beschreibt, zu einem Shitstorm gewachsen waren, der selbst für Rooshs Verhältnisse bemerkenswert sein dürfte. Eines seiner Argumente in diesem Blogpost war, dass Frauen so wieder lernen würden, auf ihren Körper aufzupassen, und sich zu verteidigen. Yeah, right.

Verena auf Twitter: @verenabgnr