Eine Amerikanerin wurde als erste Person mithilfe eines Gesetzes wegen Crush-Pornos verurteilt

Die 24-Jährige bekannte sich schuldig, Videos gedreht zu haben, in denen sie Hunde und Katzen auf brutalste Art und Weise quält und tötet.

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Sep. 10 2015, 1:37pm

WARNUNG: Der folgende Artikel enthält explizite Beschreibungen von Tierquälerei.

Vergangenen Dienstag bekannte sich die 24-jährige Ashley Nicole Richards vor einem texanischen Bundesgericht in vier Anklagepunkten im Bezug auf die Produktion und in einem Anklagepunkt im Bezug auf die Verbreitung von obszönen Videos für schuldig. Bei den besagten Videos handelt es sich um sogenannte „Crush-Videos", in denen zu sehen ist, wie die Frau aus Houston sich eine Mardi-Gras-Maske überstreift und danach Tiere quält sowie Sätze von sich gibt, mit denen der Zuschauer erregt werden soll.

In der Vergangenheit hat sich die Strafverfolgung von Produzenten solcher Porno-Videos (die leider wirklich existieren) als überraschend schwierig und kontrovers herausgestellt, da einige Leute damit argumentieren, dass die Bilder der Tierquälerei vom Recht auf freie Meinungsäußerung geschützt werden.

2010 hob das oberste Verfassungsgericht der USA ein Gesetz aus dem Jahr 1999 auf, das die Aufzeichnung von Tierkämpfen oder -quälerei illegal machte. Die Richter sahen dieses Gesetz als einen Verstoß gegen den ersten Verfassungszusatz an, der vor allem Jäger und andere Leute betrifft, die einer rechtmäßigen Tätigkeit nachgehen. Das Gericht bezog sich dabei speziell auf einen Fall, bei dem ein Mann zu drei Jahren Haft verurteilt wurde, weil er Pitbull-Kämpfe gefilmt hatte. Als Reaktion auf die Aufhebung verabschiedete der US-Kongress dann noch im gleichen Jahr den enger gefassten Animal Crush Video Prohibition Act, der den bundesstaatenübergreifenden Handel mit Bildern und Videos von Tierquälerei kriminalisierte. Einem Presse-Statement vom FBI und dem US-Justizministerium zufolge ist Richards seitdem nun der erste bekannte Fall, der vor einem Bundesgericht landete.

Videos, in denen Tiere wie Hunde, Katzen oder Vögel getötet werden, sind unter dem Begriff „Hard Crush" bekannt. Es gibt aber auch noch sogenannte „Soft Crush"-Filme, bei denen dann Dinge wie Ballons, Spielzeuge oder Lebensmittel zerdrückt und zerstört werden. Im Extremfall kommen in Soft-Crush-Videos Tiere vor, die wir jetzt nicht unbedingt als süß oder knuddelig ansehen (zum Beispiel Insekten oder Krebse). Aber ganz egal, welches Objekt auch zerstört wird, laut Justin Lehmiller von der Ball State University wissen wir nur relativ wenig über den menschlichen Drang, dabei zuzusehen, wie andere Leute Lebewesen oder Dinge zerdrücken.

„Es existierten einfach keine empirischen Forschungen zum Thema Crush-Fetisch. Deshalb ist es uns auch nicht möglich, die Herkunft oder die Verbreitung dieser sehr speziellen sexuellen Neigung komplett zu verstehen", meinte er gegenüber VICE. „Wir vermuten jedoch, dass das Ganze nur relativ selten vorkommt."

In diversen Facebook-Gruppen wird man Zeuge des Vergnügens, das diese Videos einigen Leuten bereiten. Auf der Seite einer Frau, die sich selbst „Dressed to Kill Babe" nennt, bricht der Moderator für sie eine Lanze und schreibt, dass das Ganze KEINE Crash-Video-Seite sei. Außerdem behauptet er, dass Dressed to Kill Babe nur Tiere halten und sich dabei an spirituellen Bräuchen orientieren würde. Die Kommentare unter einem Video, in dem die Frau einen Hahn mit einem Küchenmesser tötet, sprechen da jedoch eine andere Sprache, denn die Leute schreiben davon, wie gern sie der „glückliche Hahn" gewesen wären, oder bezeichnen die Protagonistin als Heldin.

Am 14. August 2012 alarmierte die Tierrechtsorganisation PETA die Polizei von Houston und erzählte den Beamten von einer Frau, die wohl gesetzwidrige Pornografie unter dem Titel „Ebony Kill Cat" veröffentlich hat. Laut der Prozessunterlagen wurden bei der Anzeige auch noch 20 Videos mitgeschickt. Die PETA-Aktivisten gaben zusätzlich noch einen Link an, wo man sich Crush-Pornos kaufen konnte.

Während des Gerichtsverfahrens wurden Crush-Pornos als ein „grausames und illegales Pornografie-Genre" bezeichnet, in dem „Frauen dabei gefilmt oder fotografiert werden, wie sie zur sexuellen Befriedigung der Zuschauer Kleintiere verstümmeln." Suzanne Hollifield, eine Houstoner Polizeibeamtin aus der Tierschutz-Einheit, schaute sich ein 12-minütiges Video mit dem Titel „meshalettekittykat2" an, auf das diese Beschreibung perfekt passt und in dem Richards' E-Mail-Adresse erscheint.

Außerdem sah sich Hollifield noch einen als „Puppy2" betitelten Film an, in dem Richards einen Pitbull mithilfe eines Fleischerbeils enthauptet und anschließend noch auf die Hundeleiche urinierte. In den anderen Videos ist dazu noch zu sehen, wie die Frau andere Gräueltaten verübt—so tritt sie zum Beispiel einer Katze mit den Absätzen ihrer hochhackigen Schuhe in die Augen oder fügt einem Hund mit einem glühenden Zigarettenstummel Schmerzen zu.

Nachdem sich Hollifield die schrecklichen Videos der als „Ebony Crush Goddess" bekannten Internetberühmtheit angeschaut hatte, fuhr die Polizistin am darauffolgenden Tag zu Richards nach Hause, wo die Frau zusammen mit einem Mann namens Brent J. wohnte. Während eines Verhörs, gab Richards zu Protokoll, dass die beiden beste Freunde wären und sich schon seit vier Jahren kennen würden. Nachdem die Beamtin, die übrigens auch Teile der Wohnung aus den Videos wiedererkannte, mehrmals nachgehakt hatte, gab Richards schließlich zu, mit Crush-Pornos Geld zu verdienen und vor den Drehs immer Alkohol zu trinken.

Was aber noch mehr schockierte, war die Tatsache, dass Richards die Tiermorde als „Opfergaben" und „Rituale" bezeichnete. Die Website, die die Crush-Videos vertrieb, stellte ihr regelmäßig Schecks über 400 oder 500 Dollar aus. Ihr Mitbewohner J., der Richards in einem der Videos auch ein Messer reicht, behauptete, dass Richards ihn rausgeschmissen hätte, wenn er bei den Drehs nicht als helfende Hand dabei gewesen wäre.

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Während der Ermittlungen ließ ein Bundesgericht die Anklagepunkte gegen Richards und J. zwischenzeitlich fallen, nachdem verfassungsrechtliche Probleme aufkamen. Das US-Bundesberufungsgericht entschied sich jedoch dafür, die Klage aufrecht zu erhalten, und der Antrag der Verteidigung wurde abgelehnt.

Auch nach der Festnahme der beiden Tierquäler aus Houston stellt PETA weiterhin Nachforschungen in der Crush-Subkultur an—und zwar erfolgreich. So wurden letzten Frühling zwei Fetisch-Models festgenommen, weil sie Crush-Videos gedreht hatten (angeblich auf Anweisung eines Kapitäns aus Südflorida). Leider landete der Fall gegen die beiden Frauen nicht vor Gericht, denn sie wurden nicht angeklagt, weil ihnen nie vorgeworfen wurde, ihre Aufnahmen auch außerhalb von Florida zu vertreiben oder von einem solchen Plan zu wissen. „Aber trotz dieser Formsache wurde der Produzent der Videos mit einer Geld- sowie einer Bewährungsstrafe belegt und man zwang ihn dazu, die Produktion einzustellen", erklärte die PETA-Mitarbeiterin Stephanie Bell.

Richards hatte nicht so viel Glück. Zusätzlich zu den oben genannten Anklagepunkten bekannte sie sich auch noch in drei anderen Anklagepunkten wegen Verbreitung von Crush-Pornos schuldig und wurde dafür zu einer zehnjährigen Haftstrafe verurteilt. Für die Anklagepunkte, für die sie jetzt vor Kurzem schuldig gesprochen wurde, könnte man ihr zusätzlich noch sieben Jahre Gefängnis sowie eine Geldstrafe von 250.000 Dollar aufbrummen. Das genaue Urteil wird am 10. Dezember gefällt.

Währenddessen wurde Richards' Mitbewohner 2012 in vier Fällen der Produktion und in einem Fall der Verbreitung von Crush-Pornos angeklagt—zusätzlich brachte man ihn auch noch in einem Fall des Verkaufs oder Verbreitung von obszönem Material vor Gericht. Die Verhandlungen sind allerdings noch nicht abgeschlossen. Der 54-Jährige sitzt derzeit aufgrund von Tierquälerei im Harris County Jail.

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