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„Wir sind doch keine Schafe“

Ein Interview mit Ebony Bones über abgebrannte Tourbusse und Hairchecker.
27.8.13

Ebony Bones trägt einen Afro, der mindestens zwei Vogelfamilien als Nest dienen könnte. Sie ist Sängerin, Songwriterin und Producerin auf einmal, lebt unter anderem in der Schweiz und hat ihr neues Album mit dem „Mumbai Symphonie Orchester“ aufgenommen. Wir haben uns mit ihr in Zürich getroffen und nicht nur über das Naturschutzgebiet auf ihrem Kopf gesprochen.

Als wir für das Interview recherchiert haben, haben wir viele Bilder von dir gefunden auf denen du ziemlich exzentrisch aussahst. Ist das nicht total mühsam sich jeden Morgen so aufbretzeln zu müssen?

Das ist vier Jahre her.

(Foto: AFP) Ebony Bones als Ronald McDonald.

Du hattest immer so Schaumstoffreifen an.

Ja das war mein Ronald McDonald-Look. Ich kann nicht schwimmen und wenn ich dann mal ins Wasser gefallen wäre …

Hätten deine Haare dich an der Oberfläche gehalten?

Ja genau! Nein, ich mag die Idee, Musik zu visualisieren. Im ersten Album ging es um Silhouetten. Es ging um Farbe und Tapferkeit. Ich mag Künstler wie Klaus Nomi. Er legt sehr viel Wert auf das, was er auf der Bühne trägt.

Foto: Ebony Bones Official

Wir fragen uns trotzdem, ob da etwas in deinen Haaren steckt. Ist das ein Thema, wenn du reist?

Ich erzähl euch was dazu. Ich war auf dem Weg nach New York und war schon sehr spät dran. Die erste Sicherheitskontrolle hatte ich hinter mir, als ich am Flugzeug durch eine Zweite musste. Ich ziehe also wieder Schuhe und Gürtel aus. Und da ruft der Kontrolleur: „Can we get the Hairchecker? The Hairchecker please?“ Dann musste ein Hairchecker vom anderen Terminal kommen. Der hat meine Haare dann kontrolliert, wie bei einer Kuh. Das war ein sehr erniedrigendes Erlebnis. Für mich ist das generell ein wichtiges Thema geworden, also das Fehlen von Privatsphäre. Nicht erst nach der Snowden-Sache. Überall werden unsere Informationen aufgenommen und wir werden wie Vieh behandelt. Und das schlimmste ist, dass man es so einfach hinnimmt.

Wie sieht es denn mit dir aus und den sozialen Netzwerken? Du bist ja immerhin via MySpace bekannt geworden.

Ja, das ist die Ironie daran. Ich versuche, so privat wie möglich zu bleiben. Aber natürlich kommuniziere ich mit meinen Fans. Trotzdem, durch die sozialen Netzwerke werden wir alle zu Narzissten. Und es erschreckt mich, dass es Leute tatsächlich interessiert, welche Farbe meine Socken haben. Ich hatte eine PR-Idee für mein neues Album. Ich wollte, dass an dem Tag, an dem es veröffentlicht wird, mich alle meine Fans unfollowen. Ich mag das Wort „Followers“ nicht. Wir sind doch keine Schafe. Aber natürlich haben mir sämtliche PR-Firmen davon abgeraten. Ich will das trotzdem noch mal durchziehen.

Das Vogelnest.

Du hast eine Verantwortung als Musiker. Die Leute hören dir zu. Gibt es etwas, das du gerne mitteilen  würdest?

Ich glaube, dass wir durch die Flut von Informationen, die wir über soziale Netzwerke und andere Kanäle erhalten die ganze Zeit abgelenkt werden. Dadurch hören wir auf, uns über unsere Gesellschaft Gedanken zu machen und Fragen zu stellen. Und damit geht es doch los; man muss Dinge in Frage stellen. Außerdem hat diese ewige Ablenkung auch Auswirkungen auf die kreative Arbeit. Durch diese Kurzlebigkeit kommt man in seiner künstlerischen Entwicklung unter Umständen gar nicht mehr an ein gewisses Level heran.

Letzte Frage, was war dein bestes Festival?

Das Fuji-Rock-Festival in Japan. Die Geschichte dazu ist echt abgefahren. Ich sollte also in Japan spielen und direkt danach im Anschluss ein paar Festivals in den USA. Ich war total aufgeregt. In der Woche davor habe ich mit meiner Band von 13 Mann noch an einem kleinen Festival in England gespielt. Jedenfalls ist auf der Rückfahrt unser Tourbus in Flammen aufgegangen. Es ist niemandem was passiert, aber alle Instrumente und Pässe (mit den Visa für Japan) waren verbrannt. Wir hatten nichts mehr. Jedenfalls habe ich mir dann innerhalb der nächsten Woche eine neue Band zusammengesucht und bin mit diesen Leuten, mit denen ich vorher noch nie gespielt hatte, nach Japan ans Fuji-Rock-Festival geflogen. Und ob ihrs glaubt oder nicht, es war das beste Festival, das ich je gespielt habe.

Danke für das Interview!

Falls ihr euch jetzt denkt, dass ihr gerne mal was von Ebony Bones Musik hören würdet, könnt ihr uns schreiben. Wir verlosen zwei Alben. Oder ihr geht ans Zürich Open Air. Da wird sie neben The XX, Skor, Evelinn Trouble, Jackson and his Computer Band, James Blake und vielen anderen spielen. Wir verlosen gleich 2x2 Tickets!

Schreibt an: win@viceland.ch