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The Outta My Way, I’m Walking Here Issue

Reviews: Das Beste, das Schlimmste und alles dazwischen

Unsere Albenkritiken des Monats.
25 März 2015, 5:00am

BESTES ALBUM DES MONATS
BILDERBUCH: Schick Schock (Maschin Records)

Normalerweise halten Alben, von denen alle seit Monaten reden, niemals das, was sie versprechen. Über Monate geht der Euphorie langsam die Luft aus, und dann müssen alle das mediokre Werk trotzdem ur super finden, um die eigene, lang anhaltende Aufregung zu rechtfertigen. Weshalb ich diese Review hier so einleite? Um euch zu sagen, dass das bei Schick Schock nicht so ist. Ha, reingefallen. Aber Bilderbuch schaffen es tatsächlich, so gut zu sein, wie sie es ein Jahr lang selber behauptet haben. R'n'B meets Sex meets Austropop. Ja, wir haben das Wort jetzt auch benutzt. Welcome to the Jungle, Bitches.
FALCO R. AVE

SCHLIMMSTES ALBUM DES MONATS
JOEY BADA$**$**: B4.DA.$ (Cinematic/Relentless)

Wie sehr sich Jo-Vaughn Scott wohl darüber ärgert, dass er sich „Joey Bada$" genannt hat? Das kann doch nur in den Ohren eines 17-Jährigen cool klingen, was zufälligerweise auch sein Alter war, als er für Rap berühmt wurde, der so tut, als lebten wir immer noch in der Zeit, in der die New Yorker U-Bahn-Graffiti noch nicht übermalt waren. Aber Joey Bada$ ist älter geworden, scheint jetzt total auf Psychedelika zu stehen und ist wahrscheinlich auch gar nicht mehr das Arschloch, das er mal war. Aber mal ehrlich: Niemand wird ihn jemals ernst nehmen, weil er einfach den beschissensten Namen im HipHop hat.
SHORTY SHITSTAINE

BESTES COVER DES MONATS
JIB KIDDER: Teaspoon to the Ocean (Weird World)

Jib Kidder heißt eigentlich Sean Schuster-Craig und hatte eine Menge Zeug auf Bandcamp veröffentlicht und hat jetzt ein wirklich zauberhaftes Album auf Weird World rausgebracht. Teaspoon oft the Ocean versucht ziemlich lange aus dem Bett zu kommen, aber sobald es das geschafft hat, schwebt es verträumt durch die Gegend und enthält einige berührende Momente wie „Appetites" und „The Waves." Man sollte es nicht mit Alex G oder Tobias Jesso Jr. vergleichen, obwohl das naheliegen könnte.
THEYDON BOIS

SCHLIMMSTES COVER DES MONATS
POND**: Man It Feels Like Space Again** (Caroline)

Hey, Tame Impala. Wenn ihr dachtet, ihr könntet euch einfach unter dem Namen POND neu verbünden, dabei ein bisschen so klingen wie die Ohrwurmanfänge von MGMT oder den Flaming Lips, ein wenig David „LSD" Bowie vielleicht, oder, nun ja, alles von Tame Impala eben—wenn ihr dachtet, ihr könntet, indem ihr eine wirklich astreinst tolle und schwerst beeindruckende Psychedelic-Platte abliefert, wie man sie so seit Jahren nicht mehr auf dem Tisch hatte. Also, noch mal: Wenn ihr dachtet, ihr könntet auf diese Weise am Ende des dritten Tracks die „November Rain"-Hookline verstecken und keiner merkt's, dann habt ihr die Rechnung aber wirklich ohne die Topchecker von VICE gemacht.
AXL ROSÉ

DEICHKIND
Niveau Weshalb Warum
Sultan Günther Music (Universal Music)

Deichkind glauben von sich selbst, dass sie unter der dummen Oberfläche durch subversive Texte den Durchschnittsdeutschen tatsächlich irgendwelche Messages in die hohlen Köpfe kloppen könnten, die am Ende auch noch Konsequenzen haben sollen—Aufstand im Schlaraffenland, Revolution am Arbeitsplatz, Ende der Pegida-Bewegung oder sonstige linke Propagandascheiße. Dabei will ich doch nichts weiter als neue Musik im Hintergrund meiner nächsten Autoscooterfahrt. Na ja, zumindest was das angeht, liefern DK wie gewohnt ab. Was den Rest angeht, ganz ehrlich, die können mich mal am Arsch liken.
PITTY INFLAGRANTI

PRINZ PORNO
pp=mc2
Keine Liebe

Es war einmal in einem Märchenland lange vor unserer Zeit, ein Ort, an dem Masken verpönt, Carhartt-Embleme noch nicht erfunden und Gegenlicht in Musikvideos nur eine Nebensache waren. Dort gab es einen Prinzen, der den Untergrund-Rap beherrschte und sehr, sehr mächtig war. Es gab nur ein Problem: Er hatte keinen Erfolg bei Frauen. Eines Tages jedoch machte ein mysteriöser Kobold dem Prinzen ein Angebot. Er würde Erfolg bei Frauen haben, aber müsse dafür seine alleinige Machtposition im Untergrund abgeben und dürfe nie, nie wieder zurückkehren. Der Prinz ließ sich auf den Deal ein und wurde sogleich mit Geld, Fame, Frauen und drei bis vier anderen Nettigkeiten belohnt. Doch dem Prinzen war das nicht genug ... Er wollte wieder zurück. Und nun ja, ihr kennt ja die Sage von Orpheus und Eurydike, oder?
HADI HADES

GODS
Gods
Wohnzimmer Records

Wäre das ganze Debüt-Album von Gods wie Pompeii, wäre es eigentlich ziemlich super: guter, futuristischer Beat, mystisch-leiwander Gesang und seltsam-gute Wendungen. Leider ist es das nicht. Zu oft ist es relativ simp- ler Elektropop, der aber zugegebenermaßen ins Ohr geht. Wir glauben fest daran, dass GODS eines Tages mit einem Album das schaffen, was sie mit Pompeii erreichen. JESUS ZEUS

DUNKELBUNT
Mountain Jumper
dunkelbunt records / hoanzl

Okay, zugegeben: Am Anfang fand ich das Album schlecht. Mit „am Anfang" meine ich bis ca. zur Hälfte des vierten Liedes. Mir dämmert langsam, dass die Band das ist, wie sie heißt. Dunkelbunt nämlich. Kein Lied passt mit dem vorherigen zusammen, mal gibt es Pferdegetrab mit einer hohen weiblichen Stimme, mal ein Seeed-artiges Partylied. Und das Beste dran: jedes Lied ist in seinem Genre gut. Vielleicht nicht über-drüber gut, aber gut. Nach ein bisschen Recherche und ältere Lieder hören werde ich zum Fan. Auf ein Dancehalltrack folgt ein orientalisch-elektronischer Sound. Keine gute Hintergrundmusik, aber ein spannendes Album. Mit Freunden beschließe ich, nicht zuletzt wegen dem Titel, dass „Ich grill mit Dir die Abendsonne" eindeutig der beste Track ist. Zu „Smoking Gun" rauchen wir uns danach alle chillig eine Tschick an.
CHILLY RONZALEZ

MIGRE LE TIGRE
Where did mom and dad go so wrong?
Schall und Rauch

Ganz ehrlich? Ich hab etwas ganz schrecklich Schlimmes erwartet. Eine Band, die ihre Musik als „Akustik-Punk-Disco- Maschine" beschreibt, kann einfach nicht gut sein. Umso größer war die Freude, als sich meine Vorurteile als unwahr herausgestellt haben. Die Gitarrenklänge sind lebendig und machen Spaß, der Gesang motiviert zu einem Irish-Pub-Bier-Saufen. Ich kippe ein Bier, lerne den Text und gröhle mit. Irgendwann gehen einem die Tracks richtig nah. Das kann aber auch am fünften Bier liegen. Oder daran, dass ich den Sänger verstehe. Und fühle. Leider ist das nur eine EP- Wirklich schade, ich bin ein Fan der Schweizer Akustik-Punk Band. Aber Disco Maschine? Hell, no! TIGER LILLY

JOHN CARPENTER
Lost Themes
Sacred Bones

Es heißt, dass es sich hierbei um John Carpenters „Debütalbum" handelt. Irgendwie impliziert das, dass der alteingesessene Regisseur jetzt eine Akustikgitarre hervorgezaubert hat und einen auf Bon Iver macht. Das stimmt aber nicht. Lost Themes ist eigentlich nur eine Zusammenstellung von aufwühlenden Synthesizerarrangements aus dem alten „Soundtrack zu einem nicht existierenden Film"-Genre. Natürlich macht Carpenter seine Sache besser als die meisten anderen, aber es fällt einem beim Hören dieser düsteren Arpeggios und wimmernden Gitarren-Leads schwer, sich dazu in Gedanken nicht in bestimmten Szenarios zu verlieren. „Mystery" schreit zum Beispiel förmlich nach Kurt Russell, der in einem Cyberpunk-Lappland festsitzt und gegen den bösen Weihnachtsmann und seine Roboter-Elfen-Armee kämpft. Bei „Domian" muss ich mir hingegen ständig vorstellen, wie Killer-Clowns Axl Rose stalken.
WAKA FLOCKA SEAGULLS

THE BODY & THOU
Released from Love/ You, Whom I Always Hated
Thrill Jockey

Ein neuer Level an Doom-Psychopathie wird erreicht, wenn The Body mit Thou, die aus Louisiana stammen, kollaborieren und dabei zehn Songs voll vibrierendem Low End und sinnlosem Gekreische rauskommen. Wenn dieses Album dann laut genug gespielt wird, wird sich höchstwahrscheinlich die Sonne verdunkeln und kleine, niedliche Vögel werden scharenweise aus dem schwarzen Himmel fallen. Was extreme Kollaborationen angeht, ist das hier allerdings nicht ganz so gewagt, wie das andere Album von The Body, das zusammen mit Bobby Krlic, aka Okkult-Elektronik-Experten Haxan Cloak aufgenommen wurde, obwohl einen das geistesgestörte Cover von Terrible Lie von Nine Inch Nails ernsthaft an der geistigen Gesundheit aller Beteiligten zweifeln lässt.
EL PEE

TORCHE
Restarter
Relapse

Zeit, das Planschbecken aufzublasen, Jungs—das neue Torche-Album ist da. Johnny soll Bier besorgen, das wir oberkörperfrei vor dem Trailer trinken. Und wenn uns danach ist, können wir ein Loch in eine Dose schneiden, sie einölen und sie ficken. Nur so als Bonding.
ROBESMAN

BELLE & SEBASTIAN
Girls in Peacetime Want to Dance
Matador

Es ist ein unlösbares Rätsel: Werden Belle & Sebastian immer schlechter, oder kann einem diese Band nicht mehr gefallen, nachdem man seine Jungfräulichkeit verloren hat?
NED BUNGER

DIAGRAMS
Chromatics
Fulltime Hobby

Wenn „nett" die „kleine Schwester" von „scheiße" ist, dann ist Chromatics in seiner penetrant harmlosen Übernettigkeit so was wie der wenige Minuten später geborene Zwilling. Pop as fuck, und das nicht auf die gute Art, sondern auf die belanglose. In Klang gegossenes Einerlei, das wirklich niemandem wehtut. Musik für Kuschelnachmittage mit Jasmintee und Erdbeerplätzchen, an denen schon Caribou oder Hot Chip zu verstörend wirken. Aber so was ist ja hin und wieder auch mal ganz,...äh...nett.
GARMON SIR FUNKEL